Schlaue Muskeln: Warum Sport gegen Diabetes hilft

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Sport erhöht die Produktion von Insulin und kann damit die Symptome von Diabetes lindern. Forscher des Universitätsspitals Basel sind auf den hormonellen Regelkreis gestoßen, der für diesen Mechanismus verantwortlich ist. Daraus könnten sich neue Therapie-Optionen ableiten.

Was ist Diabetes

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist. Diese entstehen unter anderem durch eine zunehmende Resistenz der Insulinrezeptoren. Der Blutzucker kann nicht mehr in die Zellen eindringen und sammelt sich im Blut an. Die Folge ist, dass in der Bauchspeicheldrüse vergeblich immer mehr Insulin produziert wird, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Dadurch kommt es zu einer „Erschöpfung“ der insulinproduzierenden Zellen, die nach anfänglicher Überproduktion nicht mehr ausreichend blutzuckersenkendes Insulin herstellen können. Man unterscheidet bei Diabetes zwei Typen, wobei der „Altersdiabetes“ bzw. Typ-2-Diabetes am häufigsten vorkommt.

Sport beeinflusst Insulin-Produktion auf zwei Ebenen

Basler Forscher konnten nun zeigen, dass der „sportelnde“ Muskel über ein bestimmtes Molekül namens Interleukin-6 (IL-6) die Insulinproduktion auf zwei Ebenen steigern kann: Wird der Muskel beansprucht, produziert er mehr von IL-6. Interleukin-6 wiederum regt sogenannte L-Zellen im Darm dazu an, das sogenannte Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1) vermehrt auszuschütten. Bis jetzt war nur bekannt, dass dieses GLP-1 durch Mahlzeiten über den Darm stimuliert wird und die Insulinproduktion anregt.

Gleichzeitig wiesen die Forscher nach, dass IL-6 auch andere Zellen der Bauchspeicheldrüse positiv beeinflusst: die α-Zellen, die eigentlich hauptsächlich Glucagon produzieren, um den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Die α-Zellen werden von IL-6 dazu angeregt, GLP-1 herzustellen. Dies stimuliert wiederum die benachbarten β-Zellen, Insulin zu produzieren. Bei körperlicher Tätigkeit wird damit über den IL-6-GLP-1-Kreislauf mehr Insulin hergestellt, sodass der Blutzucker sinkt und der Verlauf des Diabetes günstig beeinflusst wird.

Grafik veranschaulicht die Wirkung von Interleukin 6 auf die Insulinproduktion

Fotocredit: www.unibas.ch

Interessanterweise produzieren auch Fettzellen IL-6 und regen so die Produktion von GLP-1 an, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Wird dieser Regelmechanismus durch eine überhöhte Nahrungsaufnahme überfordert, steigt der Blutzucker im Blut an. Es kommt zum Typ-2-Diabetes.

Neue therapeutische Optionen

Der neu entdeckte Regelkreis eröffnet verschiedene therapeutische Möglichkeiten gegen Diabetes, wie die Forscher berichten. So könnten gezielt Sport-Interventionen geplant werden, damit es bei den Patienten zu einer möglichst hohen Produktion von IL-6 kommt.

Weiters lassen sich Medikamente einsetzen, die den Abbau vom GLP-1 hindern, sogenannte DPP-IV-Hemmer. Kombiniert man diese Medikamente mit körperlicher Tätigkeit, ist ein verbesserter Therapieerfolg zu erwarten. Diese Hypothese wird derzeit am Universitätsspital Basel in einer klinischen Studie bei Übergewichtigen und Diabetikern überprüft.

Quellen

Pressemitteilung der Universität Basel
Originalbeitrag der Fachzeitschrift „Nature Medicine“

2017-09-04T11:27:59+00:00 Tags: , |

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