Junge Musliminnen begeistern sich für Wintersport

Copyright: Junge Musliminnen Österreich

Die olympischen Winterspiele 2010 sind vorbei, und 2 Wochen liegen hinter uns, in denen der Integrationsgedanke des Sports wieder einmal hoch gepriesen wurde. Das „dabei sein“ war alles, exotische wie favorisierte Skimannschaften wurden bejubelt und die Nationen begegneten sich auf der Bühne des Sports vorurteilslos und barrierefrei. Der sportliche Alltag sieht jedoch leider noch oft genug anders aus.

Nicht so bei den Jungen Musliminnen Österreich (JMÖ). Sie engagieren sich schon lange für den Wintersport, und zeigen damit seit Jahren, dass selbst so etwas wie der österreichische Nationalmythos des Skifahrens keine religiösen und kulturellen Grenzen kennt. Hagar Hussein hat uns erzählt, warum Skifahren und Snowboarden mit Kopftuch „ziemlich cool“ ist.

Die JMÖ (Junge Musliminnen Österreich) sind nach eigenen Angaben die erste und einzige deutschsprachige Organisation für junge, muslimische Frauen und Mädchen ab 15 Jahren.

Nach dem Motto „Beweg dich, damit sich was bewegt!“ wollen sie das Bild der gebildeten, starken, modernen, europäisch-islamischen Frau fördern – durch gemeinsame Aktivitäten im Bereich Sport, Wellness, Bildung und Karriere, aber auch durch gemeinsame spirituelle und religiöse Erfahrungen.

Vergangenen Herbst 2009 haben die JMÖ für ihr Projekt „Junge Musliminnen begeistern sich und Andere für Wintersport“ bereits zum wiederholten Mal den Österreichischen Integrationspreis für Sport verliehen bekommen.

Debeanz: Hallo Hagar! Euer Projekt „Wintersport“ hat offensichtlich hohe Wellen geschlagen. Wie steht Ihr von JMÖ zum gegenwärtig viel diskutierten Thema Integration?

Hagar Hussein: Wir sehen, fühlen, und verstehen uns als österreichische Musliminnen und damit gleichberechtigte Bürgerinnen, mit allen Pflichten und Rechten. Damit dies nicht nur Theorie, sondern auch selbstverständlich gelebter Alltag wird, liegt noch einiges an Aufklärungsarbeit vor uns.

Debeanz: Sport nimmt bei Euch einen wichtigen Stellenwert ein. Laut Eurer Website vergeht bei den jungen muslimischen „Sisters“ kein Tag ohne Schwimmen, Laufen, Bowlen, Hallensport, Inlineskaten, Eislaufen oder eben Alpinem Wintersport. Welchen Stellenwert hat Sport für euch, auch in religiöser Hinsicht?

Hagar Hussein: Nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Der Islam ist eine Religion, die den Menschen mit all seinen Bedürfnissen ernst nimmt, von den körperlichen Bedürfnissen angefangen, bis zu den seelischen. Daher kommt dem Sport als Ausgleich, Gesundheitsfaktor, und Spaßfaktor eine wichtige Rolle zu.

Debeanz: Und was sind Eure persönlichen Erfahrungen mit dem Projekt „Wintersport“? Mit welchen Reaktionen wart ihr bisher von Seiten der muslimischen Glaubensgemeinschaft, vom wintersportlichen Umfeld und von den Teilnehmerinnen selbst konfrontiert?

Hagar Hussein: Sowohl für die muslimische Glaubensgemeinschaft, als auch die muslimischen Teilnehmerinnen haben unsere Wintersportveranstaltungen schon Tradition und sind zu einem festen Bestandteil der Jahresplanung geworden. Das wintersportliche Umfeld nimmt die muslimischen Sportlerinnen ebenfalls durchwegs positiv wahr, vereinzelt werden wir nach unserer Herkunft gefragt, und wir antworten dann mit „Wien“, „Niederösterreich“, etc.

Ich bin selbst vor 8 Jahren das erste Mal auf einem Snowboard gestanden, und freue mich, dass es in der Zwischenzeit durch unser Projekt eine Selbstverständlichkeit geworden ist, als kopftuchtragende Muslimin die Piste hinunter zu wedeln.

Debeanz: Das ist schön zu hören! Mein Kollege doxidox hat angemerkt, dass Kopftuch mit Skibrille auf der Piste eigentlich ziemlich stylisch aussieht, und dass das sogar ein neuer Modetrend unter den „coolen“ Boardern werden könnte … :-) Was sind Eure langfristigen Ziele im Wintersport? Wird es vielleicht sogar bald eine österreichisch-muslimische Abfahrtssiegerin geben, die Marlies Schild, Andrea Fischbacher und Co Konkurrenz macht?

Hagar Hussein: Unsere Wintersport-Veranstaltungen sind für viele der Anfang, das Skifahren/ Snowboarden erst auszuprobieren. Auch wenn bei uns mehr der Spaß und weniger die Leistung im Vordergrund stehen, ist es sicher nicht auszuschließen, dass die eine oder andere auf den Geschmack kommt…

Debeanz: Das würde mich jedenfalls sehr freuen. Das Ausprobieren von möglichst vielen Sportarten ist ja bekanntlich der erste Schritt in eine sportliche Karriere. Und ich finde es toll, dass Ihr Eure muslimischen Mädels selbstverständlich dazu ermutigt, denn Sport ist gerade für junge Frauen eine wichtige Körpererfahrung auf dem Weg zur Selbstbestimmtheit. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg bei Euren Aktivitäten! Und danke für das Gespräch.

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Preisverleihung des Österreichischen Integrationspreises für Sport an die Jungen Musliminnen Österreich:

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Autor: debeanz
Datum: Sonntag, 21. März 2010 12:00
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