Zwischen Werbespot und Laktattest
Der Fußball geht weltweit in das WM-Jahr und der Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Joachim Löw, läutete die Phase der WM-Vorbereitung mit einem Fitnesstest ein. Doch es stehen natürlich auch viele Sponsoren- und Promotiontermine auf dem Programm, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die kommende WM und natürlich auf die deutsche Mannschaft zu richten. Wie wertvoll solche “Verbindlichkeiten” jedoch für die einzelnen Spieler sind, ist fraglich.
Am vorletzten Januar-Sonntag reisten die Spieler des erweiterten WM-Kaders nach Stuttgart. An den darauffolgenden zwei Tagen standen sie den Sponsoren der Nationalmannschaft für Werbespots, Fotoshootings und Anproben zur Verfügung. Dienstag Nachmittag prüfte der DFB-Stab dann die Fitness der Spieler mit verschiedenen Tests wie Ausdauerläufen, 30m-Sprints und Gleichgewichtsübungen, bevor sie wieder nach Hause fuhren. Eineinhalb Tage ruhte also der Sport zugunsten der Vermarktung der Auswahl-Kicker, nur einen Nachmittag stand das Sportliche im Vordergrund.
Dazu kommt, dass der DFB auf Länderspiele im Februar und April verzichtet, um stattdessen den Fitnesstest durchführen zu können. Auch wenn der sportliche Wert von Freundschaftsspielen umstritten ist, so tragen sie dennoch mehr zur Weiterentwicklung des deutschen Spiels bei als Sponsorentermine. Und eben eine solche Weiterentwicklung braucht die Nationalmannschaft dringend, um bei der WM mit den Top-Teams mithalten zu können. Dazu sollte alle Konzentration der Nationalmannschaft dem sportlichen Teil der WM und ihrer sportlichen Vorbereitung gelten.
Die sportliche Vorbereitung braucht ihre Zeit, doch um eben diese Zeit konkurriert die DFB-Vorbereitung mit Sponsorenterminen der deutschen Nationalspieler. Nehmen die Verpflichtungen gegenüber den Sponsoren zu, verringert sich die Zeit für das Üben auf dem grünen Rasen und die Titelchancen nehmen ab. Vollblutfans könnten sogar ein Verbot von Sponsorenterminen im Vorfeld eine WM fordern.
völliger Ausschluss eines kommerziell interessierten Umfeldes bei der Nationalmannschaft kommt aber bei den heutigen Dimensionen der wirtschaftlich-sportlichen Verflechtungen nicht in Frage. Gegen eine Vermarktung ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Internationaler Fußball ist ein Geschäft, vor allem ein Turnier wie die anstehende WM füllt viele Taschen, Werbespots und Co. spülen Geld in die Kassen. Die Spieler können auch einmal abschalten vom Trainings-Alltag und der Status als Werbeträger mag für Selbstvertrauen sorgen – viele positive Effekte.
Indirekt profitiert von den Einnahmen auch der sportliche Erfolg des DFB, wenn Nachwuchsförderung, Trainingsbedingungen und Organisation im deutschen Fußball optimal gestaltet werden können. Sponsorentermine besitzen also ihre Berechtigung, gegen sie ist prinzipiell nichts einzuwenden. Es stellt sich nur die Frage, in welchem Verhältnis das Training zu Sponsorenterminen stehen sollte, um eine erfolgreiche WM wahr zu machen.
Eine Lösung muss viele Interessen und Zwänge berücksichtigen, was für die Nationalmannschaft heißt: die Termine der Nationalmannschaft müssen verhandelt werden zwischen den beteiligten Parteien wie Bundesliga-Klubs, FIFA, Beratern oder Sponsoren. In den Verhandlungen erfordert eine optimale Lösung ein Ziel, welches für dieses Jahr der WM-Titel sein muss und nicht Profit, nicht Publicity.
Dieses Ziel haben auch der Bundestrainer, Joachim Löw und seine Nationalspieler. Sie alle müssen auf dem Weg zum Titel den Sponsoren immer weniger Zeit opfern und dem Training immer mehr, bis sie beim Turnier den Kopf völlig frei haben und nur Fußball spielen.
Damit müssten auch die Sponsoren einverstanden sein. Denn würden die deutschen Fußballer schlecht abschneiden in Südafrika und womöglich in der Gruppenphase ausscheiden, dann gingen die deutschen Einschaltquoten in den Keller. Ein positiver Imagetransfer bliebe aus. Insofern ziehen alle an einem Strang, Sponsoren wie das DFB-Team.
Sebastian Mehl arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt zur Fußball WM 2010 und zur Bundesliga.
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