Olympisches Gold für 500.000 Dollar
Was war das gestern für eine Machtdemonstration von Superstar Shaun White. Nicht nur, dass er sich zum zweiten mal überlegen die Goldmedaille in der Halfpipe gesichert hat, er musste dazu noch nichtmal alle seine Asse aus dem Ärmel lassen. Es reichten schon die zwei Double Cork 1080er, die zwar andere Fahrer auch zeigten, nur eben nicht so hoch, weit und perfekt wie die “fliegende Tomate”.
Wäre es hart auf hart gekommen, hätte Shaun White noch seinen double McTwist 1260 auspacken können, den dann außer ihm wirklich keiner mehr springt. Aber da er eben Gold schon vor seinem zweiten Finallauf sicher hatte, war das eigentlich nicht nötig. Gezeigt hat er ihn trotzdem, sozusagen zur Feier des Sieges … und um eine gute Show zu machen.
Wer jetzt denkt, Shaun White ist der Konkurrenz eben diesen einen Trick voraus und bei den nächsten Spielen kann das schon wieder anders aussehen, der irrt sich leider kräftig. Es gibt nämlich noch zwei weitere einzigartige Sprünge, die er beherrscht. Nur war es bisher noch nicht nötig diese in seine Läufe einzubauen.
Im Vorfeld zu den Spielen in Vancouver tauchten ja in fast allen Medien Berichte über die gefährliche Entwicklung des Freestyle-Snowboardsports auf. Besonders gerne aufgegriffen wurde die Geschichte von Kevin Pearce, der beim Training der oben genannten Double Cork 1080er schwer stürtze und lange Zeit danach im Koma lag.
Angeprangert wurde in diesem Zuge immer die gefährliche Situation, dass alle Fahrer diese doppelten Überkopfsprünge nach Anfang der Saison erstens möglichst schnell lernen mussten, um bei den olympischen Spielen überhaupt eine Chance gegen Shaun White zu haben, und zweitens, dass sie das ohne “doppelten Boden ” oder “Sicherheitsnetz” machen mussten (was allerdings nicht der Wahrheit entspricht, wie am Ende des Artikels zu lesen ist).
Der US-Superstar Shaun White konnte jedenfalls in einer einzig für ihn gebauten Pipe trainieren, die abgeschottet von der Zivilisation irgendwo in den Bergen errichtet wurde und nur über Hubschrauber erreichbar war. Vor allem aber war sie mit einer riesigen Schnitzelgrube am Ende versehen. In diese konnte Shaun White die ersten Versuche seiner neuen Tricks mehr oder weniger gefahrlos üben, bevor er sich dann an den richtigen Walls der Pipe versuchte.
Dieses ganze Projekt wurde von Red Bull finanziert und lief unter dem geheimnisvollen Namen “Project X”. Ziel war es Shaun White die Möglichkeit zu bieten all die Tricks zu erlernen, von denen er die letzten Jahre immer nur geträumt hat.
Die Kosten des Projektes beliefen sich angeblich auf 500 000 $. Daraus entstanden sind 5 absolut einzigartige und innovative Tricks, von denen wir bisher 3 im Wettkampf gesehen haben. Red Bull war also jeder dieser Tricks läppische 100 000 $ wert. Man könnte natürlich auch sagen, dass man eine olympische Goldmedaille für 500 000 $ gekauft hat. Das stimmt dann allerdings auch wieder nicht ganz, da diese Tricks eine wesentlich weitreichendere Investition sind. Der “gepimpte” Athlet Shaun White wird dank ihnen nämlich auch die nächsten Jahre das Maß aller Dinge sein.
Was sind denn nun aber die anderen beiden Tricks, die wir noch nicht zu Gesicht bekommen haben?
- Switch Backside 900 Double Cork
- Double Backside Rodeo
Damit wir nicht auf die nächsten Großevents warten müssen um sie zu sehen, hat Red Bull natürlich eine ziemlich aufwendige Webseite für sein Projekt X erstellt. Diese stellt so eine Art Videotagebuch dar, man kann sich also Videos im HD Format über die Entstehung der Pipe-Anlage und die Entwicklung der einzelnen Tricks ansehen.
Ich empfehle allen da mal reinzuklicken, denn die Dimensionen des Aufwands, die betrieben wurde um dieses Projekt zu realisieren, sind wirklich atemberaubend.
Man darf also von der Zukunft noch einiges erwarten, denn wie wir sehen ist mit immer neuen und besseren Trainingsmöglichkeiten das Limit im Freestyle Snowboarden noch lange nicht erreicht. Es muss z.B. nur ein großes Skigebiet permanent so etwas wie eine Schnitzelgrube für seine Pipe zur Verfügung stellen, und schon hat man plötzlich um ein Vielfaches mehr Leute, die Double Corks, Double McTwists und Double Rodeos in der Pipe springen.
Abwegig ist das nicht, da es jetzt schon weltweit Veranstaltungen wie den Bag Jump gibt, wo der Öffentlichkeit ein riesiger Luftpolster zum Trainieren bereitgestellt wird. Dieser kann wahlweise in die Landung am Ende eines Kickers oder am Ende einer Pipe gelegt werden.
Es mieten sich aber auch Snowboardfirmen so einen Bag, um ihren Fahrern einen kleinen Trainings-Boost zu verschaffen.
Wie man auf der Bag Jump Seite lesen kann haben mehr oder weniger alle olympischen Teams im Vorfeld zu den Spielen zumindest einige Tage auf so einem Luftkissen trainiert. Das Argument, Shaun White wäre der einzige der diese Möglichkeit hatte, gilt also nicht.
Was schon gilt ist die Aussage, dass er der einzige war, der so eine Anlage über mehrere Monate für sich alleine zu Verfügung gestellt bekam.
Aber Snowboarden ist bei weitem nicht der einzige Sport, bei dem sehr vieles vom Budget eines Fahrers abhängt. Darüber braucht sich also nun wirklich niemand aufregen.
Ähnliche Beiträge:
- Heißer Start in den Winter | 28.08.2009
- Junge Musliminnen begeistern sich für Wintersport | 21.03.2010
- Funktioniert Snowboarden auf Beton? | 07.10.2009
- Krieg der Snowboarder (1) | 05.12.2009
- Und auf geht’s in den olympischen Wahnsinn | 11.02.2010







Montag, 1. März 2010 1:08
Shaun White ist wirklich der absolute Hammer, aber anscheinend auch ein ziemlicher Einzelgänger. Seine Snowboardkollegen sagten in einem Interview, dass er immer alleine trainiert und sich ziemlich abkapselt. Trotzdem sprechen seine Erfolge für sich.
Gruß.