“Freestyle Fußball hat großes Potenzial – sowohl im Profifußball als auch als eigenständige Sportart.” – Interview Bernhard Bresich (2)

Im zweiten Teil des Interviews erzählt Bernhard Bresich über die Philosophie seiner teco7 Trainingsakademie, warum Freestyle Fußball für den Profifußball unentbehrlich ist, über seine Zukunft als Präsident der IFFA (International Football Freestyle Association) und warum der neue Trendsport großen Potenzial für die Zukunft hat.
„Unsere Trainingsmethode teco7 umfasst mehrere hundert innovative Übungen für das Fußballtraining. Freestyle Football nimmt dabei einen sehr wichtigen Platz ein. Unter der Marke ballartisten.com vermarkten wir die besten Freestyler Europas.“
debeanz: Bernhard, du bist im Freestyle Fußball ja nach wie vor sehr engagiert und involviert. Du hast gemeinsam mit Sportwissenschaftern und Pädagogen die Trainingsakademie teco7 gegründet, die im Fußballnachwuchstraining sehr aktiv ist, und du bist Gründer der Agentur ballartisten.com, die weltweit Top-Freestyler vermittelt und vermarktet. Worum geht’s bei diesen Unternehmungen genau?
Bernhard Breisch: Über unsere teco7 Trainingsakademie: „teco“ steht für Technik & Koordination, 7 benennt die Anzahl der Trainingsschwerpunkte. Die teco7 Trainingsmethode umfasst mehrere hundert innovative Übungen. Im Vordergrund des teco7 Nachwuchstrainings (6 bis 16 Jahre) stehen sportmotorische und koordinative Fertigkeiten, spezifische Techniken, sowie die Erweiterung am Bewegungsschatz und an Bewegungserfahrung. teco7 ist das Resultat eines langjährigen Prozesses. Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen haben am Trainingskonzept mitgearbeitet und werden auch in Zukunft ihr Know-how mit einbringen.
Fußball Freestyle nimmt einen sehr wichtigen Platz in dieser Trainingsmethodik ein, da es eine moderne Art des Trainings ist und die Kinder super motivierbar sind, wenn Sie Fußballtricks lernen. Weiters werden spezielle und neue Bewegungsabläufe trainiert und das Ballgefühl verbessert.

Das “effiziente und für den Nachwuchs perfekt geeignete Training” (Zitat aus dem Empfehlungsschreiben der UEFA) ist mittlerweile bei rund 100 Vereinen im deutschsprachigen Raum im Einsatz.
Über ballartisten.com: Unter dieser Marke arbeiten wir mit den besten Freestylern aus Europa zusammen. Unsere Artisten sind der Eyecatcher im Rahmen eines Fußballspiels, die Attraktion bei Events, Fußballcamps, Jubiläumsfeiern, Sportgalas oder Stadioneinweihungen, das Highlight in VIP-Bereichen, bei Pressekonferenzen und bei Incentives. Jeder Künstler zeigt faszinierende Kunststücke und eine mitreißende, professionell choreographierte Performance.
„Freestyle Football stellt eine wichtige Grundlage für spätere Fußballstars dar. Der erste Ballkontakt macht nämlich den entscheidenden Unterschied zwischen guten und sehr guten Spielern aus.“
debeanz: Wie wichtig ist Freestyle Fußball, also koordinatives Ballgeschick, deiner Meinung nach für den Profifußball? Ist jemand, der gut “gaberln” kann, auch zwangsläufig ein besserer Profifußballer?
Bernhard Bresich: Eine überzeugende Balltechnik zeichnet viele der besten Fußballer der Welt aus, wie etwa C. Ronaldo, dessen Ballgefühl und Ballbeherrschung überragend entwickelt sind. Genau diese Fähigkeiten zeichnen auch einen Football Freestyler aus, bei dem der Ball ebenfalls nach Belieben am Fuß kleben bleibt. Dieser „first touch“, also der erste Ballkontakt macht den entscheidenden Unterschied zwischen guten und sehr guten Spielern aus, bei dem der Ball etwa nicht wegspringt und unter höchstem Tempo kontrolliert werden kann.
Der größte Unterschied zwischen Freestylern und Profifußballern besteht aber in der Belastungsdauer und –intensität. Ein Freestyler hat einerseits keinen direkten Gegenspieler und befindet sich niemals in einem so erschöpfenden Bereich wie ein Profifußballer. Damit kann er solche koordinativ höchst anspruchsvollen Bewegungen auch besser ausführen.
“Gaberln” alleine reicht am Fußballplatz natürlich nicht aus, da sich die komplexe Leistungsfähigkeit im Fußball aus wesentlich mehr Komponenten zusammensetzt (z.B. dem konditionellen oder dem taktischen Bereich um nur zwei zu nennen), jedoch spielt gerade bei der Entwicklung der fußballspezifischen Techniken und Fertigkeiten, besonders im Kindes- und Jugendalter, Freestyle eine essentielle Rolle und stellt somit die Grundlage sowohl für den späteren Fußballstar als auch für den Ballartisten dar.

Genau dieser Hintergrund spielt eine wichtige Rolle im teco7 Trainingskonzept, in dem wir den zukünftigen Stars bereits von Beginn an mit viel Freude an der Bewegung eine gute Grundlagentechnik vermitteln, von der sie dann in Zukunft maßgeblich profitieren können. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Koordination in diesem Alter optimal entwickelt werden kann und es in höherem Alter schon meist sehr schwierig ist, diese Bewegungserfahrungen nachzuholen.
In den letzten Jahren haben sich die Freestyle Tricks jedoch dermaßen schnell weiterentwickelt, dass diese kaum mehr Anwendung im regulären Fußballspiel finden. Sie sind nämlich nicht mehr auf den Endzweck Tore zu erzielen ausgerichtet, sondern auf das Ziel zu unterhalten und sich selbst auszudrücken. Zusammenfassend lässt sich demnach sagen, dass sich die Gemeinsamkeiten zwischen Football Freestyle und Fußball besonders bei der Entwicklung der Technik und Kreativität finden lassen, und vor allem beim Spaßfaktor als Motivation fürs Lernen und Üben.
„Freestyle Football als Bewegungsform explodiert gerade, und ein Ende des Booms ist noch lange nicht in Sicht. Ich werde mich in Zukunft auf meine Arbeit als Präsident der 2008 gegründeten IFFA (International Football Freestyle Association) konzentrieren.“
debeanz: Wie siehst du die Zukunft des Freestyle Fußball – wo geht es hin, und was sind deine persönlichen Ziele in diesem Bereich?
Bernhard Bresich: Ganz ehrlich, wer hätte sich noch vor einigen Jahren gedacht, dass Football Freestyle als Bewegungsform so explodieren würde, und dass die Tricks sowie das Niveau derart rasant zunehmen würden? Wohl nur die größten Idealisten, und ein Ende dieses Booms ist noch lange nicht in Sicht. Denn Football Freestyle hat eigentlich jeder schon einmal gemacht, der einen Ball in die Hand bzw. auf den Fuß bekommen hat und damit einen Trick versucht hat. Fußball ist die am weitesten verbreitete Sportart der Welt und die kreative Auseinandersetzung mit dem Ball und die Neugierde neue Tricks zu zeigen begeistert die Menschen. Darin liegt das große Potential von Football Freestyle, und aus diesem Grund kann dieser Trend auch lange bestehen bleiben.
Meine persönlichen Ziele im Freestyle sind zukünftig vermehrt in die Verbreitung dieses Sports zu investieren, vor allem die Jugend dafür zu begeistern und mein Wissen sowie meine Erfahrung weiter zu geben. Ich persönlich ziehe mich langsam schon aus dem aktiven Freestyle-Geschäft zurück und konzentriere mich jetzt auf die Arbeit als Präsident im 2008 gegründeten Verband namens IFFA (International Football Freestyle Association).
Für mich wird Football Freestyle jedoch immer ein Teil meines Lebens bleiben, um den Kopf frei zu bekommen und mental gestärkt zukünftigen Aufgaben entgegen zu treten. Und ich kann auch noch immer behauptet, das in meinem Alter der Ehrgeiz ungebrochen ist, mir immer neue Herausforderungen zu suchen.
„Bei der Red Bull Street Style Ausscheidung am 6.2.2010 in Wien erwarten euch hochkarätige Battles, eine coole Location, knackige Musik und ein tolles Publikum. Österreich ist in der internationalen Freestyle-Szene auf der Überholspur!“
debeanz: Du bist ja auch Mitorganisator und gemeinsam mit Edgar Davids Juror des Red Bull Street Style Contests, der am 6.2.2010 in Wien stattfinden wird. Meine letzte Frage daher an dich: Was dürfen wir dort erwarten?
Bernhard Bresich: Was wir dort erwarten dürfen: Einen großen Favoriten namens Faruk Onmaz, der 2008 die Österreichische Qualifikation geschafft hat und dann beim Weltfinale sensationell unter die Top-16 gekommen ist, sowie 15 top motivierte Herausforderer die alles dran setzen werden, Österreich beim Weltfinale in Südafrika zu vertreten.
Es wird einige hochkarätige Battles geben und das Schönste neben der coolen Location, knackiger Musik und tollem Publikum: Österreich braucht sich in der internationalen Freestyle-Szene nicht mehr zu verstecken! Wir haben aufgeholt und sind auf der Überholspur! Das ist doch fein, oder?
debeanz: Bernhard, vielen Dank, dass du dir trotz der intensiven Vorbereitungen die Zeit für ein Interview genommen hast.
Zur Person Bernhard Bresich:

• international erfolgreicher Ballartist
• mehrmaliger Weltrekordhalter
• hat bereits über 1000 Freestyle-Auftritte absolviert
• geprüfter Fußballtrainer
• Ex-Fußballer
• Nachwuchstrainer bei Austria Wien
• beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Kinderfußball
• Gründer der teco7 Trainingsakademie, die bei rund 100 Vereinen im
deutschsprachigen Raum vertreten ist
• Gründer der Agentur ballartisten.com, die die besten Freestyle Fußballer
Europas vermarktet
• Gründungsmitglied und Präsident der IFFA (International Freestyle
Football Association)
• Juror bei der Red Bull Street Style Competition Vienna, Stockholm,
Budapest 2008
• Mitorganisator und Juror der Red Bull Street Style Competition Vienna
2010
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Dienstag, 2. Februar 2010 23:41
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