Der wunde Punkt

Sports News - February 17, 2010

Freundlichkeit hat viele Formen. Wer sie äußern möchte kann sich vielerlei Möglichkeiten bedienen. Miroslav Klose ist ein sehr freundlicher Mensch, der nicht umsonst zu den Sympathieträgern im deutschen Fußball gehört. Sportjournalisten fragen den Nationalstürmer aber nicht nach seiner Erziehung, sondern nach seinen Toren und Einsätzen.

Klose ist Profi, nicht nur auf dem Platz, sondern auch vor den Journalisten und ihren Kameras und Mikrofonen. Auf die Fragen nach seinem Befinden auf der harten Bank des FC Bayern München antwortet er gelassen, aber deutlich. „Nein“, sagt er etwa, wenn gefragt wird, ob sein Tor gegen Florenz im Achtelfinale der Champions League ihn in die Startelf gegen Nürnberg heben würde.

Was passieren muss, damit er wieder in die Startelf rutscht, beantwortet der 31-Jährige höflich: „Das weiß ich nicht, da müssen Sie den Trainer fragen.“ Es sei eine besondere Qualität des FC Bayern, dass von der Bank Top-Stürmer kommen würden, die ein Spiel auch in den letzen Minuten entscheiden könnten.

Auf Bank Platz zu nehmen, „ist nicht so schlimm“, so Miroslav Klose. Freundlichere Worte für einen so ernüchternden Umstand kann man kaum finden. Wie auch immer die innere Lage des Stürmers ist, er verbirgt sie vor den Augen der Öffentlichkeit, die ohnehin keinen Anspruch darauf hätte.

Dabei scheint die Situation nicht einfach zu sein. Im Training zeigt Miroslav Klose immer volle Motivation, die Hoffnung auf einen Einsatz ist immer da. Ein menschliches Problem zu Trainer Louis van Gaal bestehe nicht, so der Nationalstürmer, aber „es gibt keine Erklärungen vom Trainer“. Aber dafür „ist auch gar keine Zeit bei 24 Mann im Kader“. Miroslav Klose eben – freundlich und ohne Vorwürfe in einer durchaus schwierigen Situation.

Nur in einem Punkt schweigt der Goalgetter deutlich und beharrlich, nämlich wenn die Aussichten auf die WM zur Sprache kommen. Zur WM fahren nur die, die Leistung bringen und als Stürmer heißt das: Treffen, treffen, treffen. Doch ohne die entsprechenden Einsätze kommt der Stürmerstar nicht in seinen Rhythmus und hat es dann schwer, sich Joachim Löw zu empfehlen.

Sie telefonieren oft und gegenseitig erkundigen sich Nationaltrainer und Nationalstürmer nach dem Befinden. „Ob`s mir gut geht“, frage Joachim Löw, so Miroslav Klose. Und er antwortet: „Gut.“ Nichts weiter, keine weiteren Fragen, keine Analysen der Situation.

Aber hat Joachim Löw nicht auch ihm geraten, er müsse Einsätze haben? Es wäre sehr unfreundlich, an dieser Stelle weiter zu fragen. Darauf sollen Sportjournalisten aber keine Rücksicht nehmen, zugunsten der Leser. In diesem Fall ist eine Ausnahme unumgänglich, der Mensch Klose lässt nichts anderes zu.

Sebastian Mehl arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt zur Fußball WM 2010 und zur Bundesliga.

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Autor: doxidox
Datum: Montag, 22. Februar 2010 11:47
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Ein Kommentar

  1. 1

    …die Dichte an der Spitze ist breit, zu breit für den einen oder anderen Hoffnungsträger, bei Vereinen wie dem FC Bayern, eine Geldmaschine die Talente aber auch etablierte Profis regelmäßig frisst.Sich neben einer Armada von Welklasseprofis regelmäßig zu behaupten ist wahnsinnnig schwer und lässt wenig Platz zum wachsen. Wer alles fiel in diesem Haifischbecken nicht schon zerfleischt auf den “Beckenboden”! Deisler, Poldi fallen mir da spotan ein, ja selbst Luca Toni trat die Heimreise an. Das kann nicht hilfreich für den deutschen Fußball sein…

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