Auf die Technik kommts an

33rd America's Cup - Race Two

Die älteste Trophäe des Sports nimmt das Segel-Team BMW Oracle Racing nach Hause in die USA, sein Kontrahent Alinghi unterlag in zwei Rennen beim 33. America`s Cup vor Valencia. Nun streiten sich Beobachter und Experten hinter der Hand, wo genau das US-Team den Sieg davongetragen hat: vor Valencia auf dem Mittelmeer oder bereits in New York, an den Ufern des Atlantik.

Die Segler gingen vor Valencia an den Start, in New York die Juristen. Denn bevor der amerikanische Trimaran den schweizer Katamaran schlagen konnte, befehdeten sich eine erlesene Schaar Juristen vor dem Obersten Gericht in New York über zweieinhalb Jahre. Bei eingehender Beobachtung ist jedoch klar, dass nur der technische Vorsprung der Amerikaner den 33. America`s Cup entschieden hat. Der gerichtliche Streit war ohne Einfluss auf die entwickelte Technik und somit auf das Rennergebnis.

Denn der Rechtsstreit vor dem New Yorker Gericht betraf andere Dinge, deren Regelungen während der Rennen nicht den Unterschied ausmachten. Die Teams stritten sich zunächst, wer der legitime Herausforderer von Alinghi sei. Zu diesem Hauptstreit kamen Nebenkriegsschauplätze hinzu, die v.a. die Größe der Boote, den Herstellungsort der Alinghi-Segel, die Zeit und den Ort der Rennen betrafen.

In dem juristischen Hin-und-Her waren Kleinigkeiten wie juristische Formfehler die Zünglein an der Waage. Doch das kostspielige juristische Geplänkel blieb ohne Einfluss auf die rennentscheidenden technischen Neuerungen der Teams.

Das technische As des amerikanischen Teams BMW Oracle war ein spezielles Segel. Es ist eine übergroße, senkrecht aufgestellte Tragfläche von der doppelten Höhe des Brandenburger Tores. Es ist aus einem Gerippe gemacht, dass mit einer Spezialfolie bespannt ist. Es ist an den Mast angebracht und hat wie ein Flugzeugflügel ein Hauptelement und daran angebrachte Verstell-Klappen.

Das 57m hohe Hauptelement macht den vorderen Teil des Tragflächensegels aus und kann sich am Mast frei bewegen. Die acht Verstell-Klappen machen den hinteren Teil des Tragflächensegels aus. Sie sind an das Hauptelement angebracht und jede einzeln und unabhängig voneinander verstellbar. So kann zwar die Position jeder der insgesamt neun Flächen an den Wind angepasst werden, ihre Form bleibt jedoch steif wie bei der Tragfläche eines Flugzeuges.

Die Vorteile dieses steifen Tragflächensegels sind eine höhere Geschwindigkeit bei leichterer Manövrierfähigkeit. Mit dieser Technik holte BMW Oracle Racing den deutlichen Vorsprung vor Alinghi heraus, der dann den Sieg einbrachte.

Am folgenden Bild lässt sich das Tragflächensegel von BMW Oracle sehr gut erkennen (linkes Boot):

33rd America's Cup - Race Two

Die bessere Technik hat also gewonnen. Und es war letztendlich ein Zentralcomputer, der das amerikanische Tragflächensegel steuerte, unzählige Sensoren fütterten ihn und er setzte die entsprechenden Daten in die Tragflächenstellung um. Wie groß der Anteil des menschlichen Könnens am Sieg war, kann niemand genau sagen. Offensichtlich aber ein geringer Anteil. Nicht der Mensch, sondern die Technik stand im Mittelpunkt des 33. America`s Cups.

Sebastian Mehl arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt zum Segelsport, zur Fußball WM 2010 und zur Bundesliga.

  • Share/Bookmark

Autor: doxidox
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2010 16:57
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein, Leistungssport

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben