Shaquille O’Neal: Der ewige Riese auf Abschiedstournee?
Die NBA, das nordamerikanische Basketballmekka, ist nicht nur die schnellste und spektakulärste Basketballliga der Welt, sondern auch ein Ort, der jedes Jahr neue Stars hervorbringt, die dann nach kurzer Verweildauer am medialen Basketball-Himmel wie Sternschnuppen verglühen.
Namen wie Grant Hill, Stephon Marbury oder Antonio McDyess tauchen in den Basketball-Nachrichten auf, werden als Reinkarnation von Larry Bird, Magic Johnson oder Michael Jordan gehyped, um dann sang- und klanglos in der zweiten Reihe Platz zu nehmen und die NBA als (zugegebenermaßen soliden) Goldesel schröpfen.
Umso erstaunlicher ist es, dass Shaquille O’Neal auch im Jahr 2010 seine Basketballschuhe bindet, und sich auf höchstem Niveau unter den härtesten Brettern der Welt mit Ellenbogen traktieren lässt (oder selber kräftig austeilt).
Seit 1992 spielt der 2,16 Meter große und fast 150 Kilogramm schwere Koloss in der härtesten Liga der Welt: Den über 80 regulären Saisonspielen folgt die nervenaufreibende und physisch anspruchsvolle Play-Off-Serie, die über 20 Spiele umfassen könnte. Und das alles durchläuft der bald 38-Jährige nun zum 17. Mal.
Man muss sich keine Sorgen machen, dass er finanziell zu kurz käme, nebenbei hat er auch als Rapper und Schauspieler seine Schäfchen ins Trockene gebracht. Es ist nur so, dass der körperliche Verschleiß immens sein muss, wenn man bedenkt, dass er seine 150 Kilo seit 17 Profijahren im Kampf um den Ball direkt unter den Körben der NBA einsetzt.
Von außen betrachtet könnte hier jetzt ein spöttischer Nashorn-gegen-Nilpferd-Vergleich angeführt werden, wenn der Blick auf das Geschehen innerhalb der Zone fällt. Aber aus der Nähe betrachtet, und bei Shaq ist mir das vor über zehn Jahren bereits schauderhaft klar geworden, wird ersichtlich, wie gut, präzise und agil Shaquille O’Neal seinen Körper einzusetzen weiß und wie sicher er mit dem Ball in der Hand umzugehen weiß.
In der Saison 2009/10 hat Shaq „lediglich“ eine durchschnittliche Einsatzzeit von 23 Minuten und er ist mit 10,4 Punkten und 7,1 Rebounds kein unmittelbarer Kandidat für die MVP-Trophäe mehr. Diese Auszeichnung hat er aber bereits seit der Saison 1999/2000 in seinem Verdienst-Portfolio (neben vier NBA-Meisterringen). Aber mit seinen 1147 Spielen, mit seinen über 28.000 Punkten und mit seinen fast 13.000 Rebounds schickt er sich an, im statistikversessenen Amerika Rekord um Rekord auf- bzw. einzustellen.
Und mehr noch: Auch wenn er sich für Altersteilzeit in seiner Mannschaft angemeldet hat, ist er in kritischen Situationen das mit spielentscheidende Schlachtross. Während seiner gesamten Karriere war O’Neal der dreckige, der physische Teil eines kongenialen Tandems. Egal, ob mit Penny Hardaway bei Orlando, mit Kobe Bryant bei den Lakers, mit Dwayne Wade bei den Miami Heat oder jetzt mit LeBron James bei den Cavs: Immer sorgte er für Dominanz in der Zone und verrichtete seine Leistung dort, wo Ellenbogenchecks und Tritte in sämtliche Weichteile zum guten Ton gehörten.
Es ist nicht so, dass Shaq sich als stillen Arbeiter des Teamerfolgs begreifen würde – so wie sich Dennis Rodman damals und Ron Artest heute als Müllmänner des Basketballs stilisieren. Vielmehr zerbrachen diese Partnerschaften mit Kobe oder Penny mitunter auch daran, dass sich die Alpha-Tiere ins Gehege kamen (wo wir schon wieder beim Nashorn-gegen-Nilpferd-Vergleich wären).
Die Cavs sind momentan Zweitplatzierte der Eastern Conference und haben eine Siegquote von 75 Prozent und somit ein ganz heißer Titelfavorit. Und Shaq, der ewige Riese, könnte seinen fünften NBA-Titel einstreichen.
Quirin Fritz arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt für betfair.
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Donnerstag, 7. Januar 2010 18:02
Unglaublich das dieser Hühne immernoch dem Korb nachhüpft.
Hab ihn damals bei den Orland Magic und den Lakers sehr verfolgt und bewundert.
Mit ihm würde einer der größten der letzten 20 Jahre gehen.