Neues Winter Wunderland – Der Wintersport in Schweizer Hand

Sports News - January 16, 2010

Im Moment finden am Marketingsektor des Wintersports sehr interessante Entwicklungen statt. Ein Großteil der alpinen Skiweltcup Rennen wird seit heuer erstmals im Kollektiv vermarktet, und die FIS hat im Herbst 2009 die Tochtergesellschaft FIS Marketing AG gegründet, die den Verkauf und die Betreuung von FIS-kontrollierten Marketingrechten erstmals ausgelagert (also verbandsextern) und professionell durchführt. Schließlich wollen die Image- und Einnahmenseinbußen im kriselnden Wintersport ja irgendwie kompensiert werden. Die Fäden hinter diesen neuen Entwicklungen werden jedoch zur Gänze in der Schweiz gezogen.

Infront Sports & Media – Eine Schweizer Agentur auf Erfolgskurs

Die Schweizer Sportrechte-Agentur Infront Sports & Media hat sich über die letzten Jahre sukzessive eine Vormachtstellung im Wintersport gesichert. So besitzt die internationale Agentur mit Hauptsitz in Zug bei Zürich heute die Marketingrechte für 40 von 69 Bewerben des Ski Alpin Weltcup Kalenders, aber auch in den Sportarten Biathlon, Langlauf, nordische Kombination, und Skispringen ist die Agentur stark vertreten. So ist es etwa seit dem 6.01.10 ebenfalls offiziell, dass Infront auch die 4-Schanzen Tournee für die kommenden 4 Jahre vermarkten wird. Mit einigen Ausnahmen befinden sich damit die Rechte der wichtigsten “Cash Cows” der Winterportszene im Besitz von Infront.

Neues, kollektives Vermarktungskonzept für den Ski Alpin Weltcup

Nachdem Infront eben bereits die Marketingrechte von 2 Drittel der Alpinen Skiweltcup Rennen hält, hatte die Agentur die glorreiche Idee, die von ihnen vermarkteten Skirennen im Kollektiv, also als Gesamtpaket zu vermarkten. Und dafür gabs in der heurige Saison erstmals ein neues Vermarktungs- und Sponsoringkonzept.

Anstatt des bisher unstrukturierten Logochaos auf der Piste und bis zu 14 verschiedenen unübersichtlichen Sponsorenpaketen, wurden die Strecken der Alpinen Skirennen nun in jeweils 7 fernsehrelevante Abschnitte und daher 7 einheitliche Sponsorenpakete gegliedert: ein Startnummernpaket, ein Startbereichspaket, zwei Streckenpakete, ein Kaskadenpaket (Werbefläche kurz vor dem Ziel) und zwei Zielpakete – jeweils gesammelt für alle 40 Rennen von Infront. Zudem setzt Infront erstmals auch auf innovative Kommunikationsmedien, wie etwa LED-Banden im Startbereich und Ähnliches. (Wer von euch hat das mitbekommen? :-) )

Die FIS Marketing AG

Knapp 30 Kilometer weiter, in Wollerau in der Schweiz, wurde Ende August 2009 die neue FIS Marketing AG gegründet. Aufgabe dieses Unternehmens wird die Aufwertung, der Verkauf und die Betreuung der Marketingrechte der verschiedenen FIS Weltcup Disziplinen sein – bislang wurden diese Rechte noch verbandsintern, im Hause der FIS vermarktet. Ziel ist also auch hier eine professionellere Vermarktung des FIS-Wintersports.

Interessant dabei: Mehrheitsgesellschafter der unabhängigen AG ist mit 51 % die FIS selbst, 24,5 % der Anteile hält jedoch Infront Sports & Media, und 24,5 % Tridem Sports, ebenfalls eine Schweizer Vermarktungsagentur. Die FIS behält damit die vollständige Kontrolle an ihren Rechten, die beteiligten Schweizer Agenturen sollen dafür ihre Erfahrungen im Bereich Wintersport beisteuern, sowie die bevorzugten Partner des Unternehmens in den Bereichen Eventservices und allgemeine Beratung sein.

Was bedeutet das?

Prinzipiell wird sich erst zeigen wohin die Reise geht, denn beide Marketing-Innovationen im Bereich des Wintersports – also sowohl die FIS Marketing AG als auch das neue Vermarktungskonzept von Infront – stecken noch in der Anfangsphase bzw. im „Übergangswinter“. Bewerten, Schlüsse ziehen und weitere Planungen anstellen wird man also erst im Frühjahr/Sommer 2010.

Angestrebt wird mit beiden Entwicklungen jedoch eine Vereinheitlichung und Professionalisierung der Vermarktung des  Wintersports,  und damit höhere Attraktivität für Sponsoren. Die höheren Erlöse/Einnahmen daraus sollen wiederum dem Wintersport selbst zugute kommen – der ja über stetige Einnahmensrückgänge klagt.

Einstweilen ist jedoch vor allem bei der FIS MArketing AG die Personaldecke noch sehr dünn. Offiziell gibt es dort bis heute nur Geschäftsführer Christian Prizer (von der Schweizer Agentur Tridem Sports), und seit Dezember 09 eine gewisse Projektmanagerin Names Fabienne Reuteler, ihres Zeichens 30-jährige ehemalige Snowboardweltmeisterin aus der Schweiz (wie könnte es anders sein ;-) ) und ehemals Mitarbeiterin von Infront.

Damit ist aber sicher: die rechtlichen Geschicke des Wintersports werden in den nächsten Jahren bis auf wenige Ausnahmen aus der Schweiz geleitet werden. Und damit bewegt sich auch ein großer Teil der Verantwortung für das Image des Wintersports erstmals weg aus Österreich in Richgung Westen.

Vielleicht schaffen es die Schweizer damit ja endlich ein wenig frischen Wind ins verstaubte (Österreichische) Image des Wintersports zu bringen – nötig hätte das der Wintersport in meinen Augen längst. Ich bin jedenfalls gespannt.

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Autor: debeanz
Datum: Montag, 18. Januar 2010 3:03
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