Grölen fürs Heimatland
Jedes sportliche Großereignis braucht eine Hymne. Warum das so ist weiß eigentlich keiner ganz genau, außer vielleicht die Musikbranche, die sich damit immer ein nettes Zusatzeinkommen sichert. Eine Funktion haben die offiziellen Veranstaltungssongs aber schon: Man erkennt sofort, welche Wertigkeit eine Veranstaltung im gastgebenden Land hat.
Leistete man sich in Österreich zur Fußball Europameisterschaft 2008 noch den US-Star Shaggy als Interpreten, so muss sich die Handball Europameisterschaft 2010 mit DJ Ötzi zufrieden geben.
Hymnen haben ja ansich immer eines gemeinsam: Sie sind keine musikalischen Geniestreiche, selbst wenn sie vielleicht von bekannten und talentierten Künstlern stammen. Viel mehr müssen sie hauptsächlich aus einem Refrain bestehen, bei dem auch jeder noch so … betrunkene … Mensch mitsingen (grölen) kann. Dieses gemeinsame Grölen verbindet die Zuschauer und heizt die Stimmung im Stadion gehörig an.
Als zweites Kriterium sollte eine Hymne aber auch immer irgendetwas mit der Veranstaltung bzw. dem Sport zu tun haben. Das bedeutet im Normalfall, dass entweder der Text ein wenig angepasst wird, oder dass ein Lied ausgesucht wird, dessen Text man auf die Veranstaltung oder die Stimmung umdeuten kann.
Als Beispiele habe ich mal einige bekannte Hymnen der letzten Jahre kurz aufgelistet:
Fußball EM 2004 in Portugal:
Nelly Furtado – Força (offiziell)
Fußball WM 2006 in Deutschland:
Herbert Grönemeyer – Zeit, dass sich was dreht (offiziell)
Sportfreunde Stiller – 54, 74, 90, 2006
Handball WM 2007 in Deutschland:
Höhner – Wenn nicht jetzt, wann dann?
Fußball EM 2008 in Österreich:
Shaggy – Feel the Rush (offiziell)
Der offizielle Song von DJ Ötzi für die Handball EM 2010 heißt nun Sweet Caroline. Einige kennen den Song sicher schon aus dem diesjährigen Skiurlaub, denn in den Après-Ski Tempeln der heimischen Skigebiete wurde der Song bereits rauf und runter gespielt.
Dementsprechend erfüllt er auf jeden Fall die Anforderung der Mitgröl-Freundlichkeit, allerdings frage ich mich ernsthaft was “Sweet Caroline” mit Handball oder Sport überhaupt zu tun haben soll. Vielleicht geht es ja auch mehr um das “good times never seemed so good”.
Stimmung wird der Song auf jeden Fall machen, auch wenn wie immer mindestens die Hälfte der Leute keine Ahnung hat was da eigentlich gesungen wird ![]()
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