Das späte schlechte Gewissen

Agassi-Book

In letzter Zeit wurden wir ja des Öfteren Zeugen von freiwilligen Dopinggeständnissen. Ok, diese kamen zwar ausschließlich von Sportlern die schon im Ruhestand sind, aber wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Im Angesicht eines solchen Seelen-Striptease sind vermutlich viele Menschen äußerst begeistert von der charakterlichen Größe die es erfordert, um sein Image in der Öffentlichkeit freiwillig zu beschmutzen … vor allem wenn man eigentlich schon alle seine Schäfchen im Trockenen hat.

Für mich persönlich stellen solche Geschichten aber einfach nur die Krönung einer Farce dar, die uns als schöne saubere Sportwelt verkauft wird.

Der erste Punkt, der mich persönlich auf die Palme bringt ist, dass ein geständiger Sportler im Ruhestand mit keinen Konsequenzen von Seiten der Verbände oder Organisationen zu rechnen hat. Im Gegensatz zu Sportlern, denen während ihrer aktiven Karriere Doping nachgewiesen wird, werden den freiwilligen Geständigen keine Titel oder Medaillen aberkannt.

Sie haben also ihre ganze Karriere lang betrogen, aber weil sie eben nie erwischt wurden, dürfen sie als Belohnung alle Erfolge offiziell behalten. Eine Aberkennung würde zwar in Wirklichkeit auch nicht mehr viel ändern, aber es wäre definitiv das richtige Zeichen für die Jugend, die damaligen Kontrahenten (die sich durch solche Geständnisse noch viel mehr gedemütigt vorkommen müssen) und alle, die noch immer irgendwie an eine halbwegs saubere Sportwelt glauben.

Des Weiteren finde ich es lächerlich, dass sich die geständigen Sportler immer als arme, vom schlechten Gewissen gepeinigte Opfer darstellen, die seit der Beendigung ihrer Sportlerkarriere vermutlich keine einzige Nacht ruhig schlafen konnten.

In Wirklichkeit geht es doch auch dabei nur um eines – viel Geld. Egal ob man mit seinen Enthüllungen die Verkaufszahlen seiner Memoiren oder Biografie ankurbeln will, oder ob man als fast schon vergessener Altsportler einfach mal wieder in die Schlagzeilen will um die dicke Kohle durch Exklusivinterviews in Print- und Fernsehmagazinen zu machen, es soll einfach immer nur die Verkaufsmaschinerie ins Rollen gebracht werden.

Deshalb finde ich es noch viel schlimmer, all die Betrügereien, mit denen man glücklicherweise durchgekommen ist, auch noch ganz frech auf den Markt zu werfen, um nochmal möglichst viel Profit zu machen, als sich einfach im Stillen zu freuen, dass alles für einen so gut gelaufen ist.

Ein Paradebeispiel für diese Frechheit, auch wenn es dabei nicht um Dopingenthüllungen ging, ist für mich O.J. Simpson. Wie vermutlich alle wissen wurde Herr Simpson in einem sehr fragwürdigen Prozess vom Mord an seiner Ex-Frau und deren Liebhaber freigesprochen, wobei sehr viele Amerikaner der Meinung sind, dass dieses Urteil durch die Bekanntheit und das Vermögen Simpsons beeinflusst wurde (dabei möchte ich keine Bewertung meinerseits über diesen Ausgang abgeben).

Worauf ich hinaus will ist, dass O.J. Simpson vor einiger Zeit ein Buch auf den Markt bringen wollte, das beschreibt „wie er den Mord begangen hätte, wenn er es getan hätte“. Sozusagen ein inoffizielles Geständnis um noch einmal richtig Kohle zu scheffeln.

Dieses Buch wurde (in seiner Originalform) nie ausgeliefert, da sich der Verlag vor Protestschreiben der Öffentlichkeit kaum mehr wehren konnte und daher diesen Imageschaden nicht riskieren wollte.

Jetzt frage ich mich, warum Biografien mit Dopinggeständnissen zum gefeierten Bestseller werden, aber das Buch von O.J. Simpson von öffentlichen Protesten gestoppt wurde. Es geht doch schließlich in beiden um die erfolgreich durchgebrachten Betrügereien.

Vielleicht liegt es daran (wie wir in diesem Artikel schon beschrieben haben), dass die meisten Menschen Doping nicht wirklich als Straftat sehen, da sie selber liebend gerne alles schlucken, was ihnen eine Leistungssteigerung ohne Aufwand verspricht. Im Gegensatz dazu haben wohl noch die wenigsten von uns einen Doppelmord begangen :)

Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass auch Spät-Geständnisse von Sportlern dieselben Konsequenzen haben, wie wenn sie in ihrer aktiven Karriere erwischt worden wären. Dann würde es zwar vermutlich niemanden mehr geben, der solche Enthüllungen liefert, aber die Sportler könnten dann immerhin nicht noch ein zweites Mal mit ihren illegalen Leistungssteigerungen Profit machen.

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Autor: doxidox
Datum: Freitag, 15. Januar 2010 1:59
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3 Kommentare

  1. 1

    Dahingehend gebe ich Dir recht: Es ist schon irgendwie witzig, dass sich Sportler mit dem Abstand eines Jahrzehnts über ihre Betrügereien auslassen und vom Publikum Absolution erwarten (und diese auch in aller Regel von der Medienlandschaft erhalten). Und wenn dann am Schluss nochmal ein paar Euro rausspringen, nimmt der Andre das natürlich gerne mit. Guter Denkansatz, Doxi…

  2. 2

    Guter Beitrag,tja,die Medienlandschaft meinungsmachende aber auch gleichzeitig vermarktende Mitverwurster des gesamten Sports, beim jubeln und beim tiefen Fall der Heros, unterstützt diese unsägliche Verschmutzung klarer Gedanken durch ehemalige Sportler die sinnfrei durchs Leben gehen müssen.Hauptsache Quote!

  3. 3

    Ich finde Doping einfach nur sch**** . sorry, aber ist so. Wenn man erfolgreich sein will soll ma das auch fair erreichen. Andere bleiben auch fair

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