Sind Spitzensportler die besseren Funktionäre?

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Dieser Frage möchte ich aus aktuellem Anlass nachgehen. Vergangenen Montag (7.12.09) wurde Peter Wrolich zum Präsidenten des Kärntner Radsportverbandes gewählt. Peter „Paco“ Wrolich ist selbst international erfolgreicher Radspitzensportler und soll nun eine klare Weichenstellung in Richtung einer besseren Zukunft für den Radsport setzen.

Über die letzten Jahrzehnte prägten Männer jenseits des Pensionsalters das Bild der obersten Funktionärsriegen im Sport, „Machtmenschen“, die sehr oft optisch als auch von ihren Entscheidungen her alles andere als sportaffin waren. In den letzten Jahren wurde daher immer häufiger der Ruf nach Führungspersönlichkeiten laut, die Entscheidungen im Sinne des Sports und der Sportler treffen, und nicht auf rein politischer, wirtschaftlicher oder persönlicher Ebene.

Ich habe das Für und Wider von Spitzensportlern in Führungspositionen ein wenig genauer beleuchtet.

Allgemeine Anforderungen an Sportfunktionäre

Prinzipiell verhält es sich bei Führungspositionen im Sport genau so wie bei Führungspositionen in einer Firma: Die Chefetage muss kein detailliertes praktisches Fachwissen mehr haben, sondern lediglich ein Wissen über die wichtigsten Vorgänge in den einzelnen Abteilungen und deren Zusammenhänge. Umso höher die Position ist, umso weniger wichtig wird also Fachwissen, und umso wichtiger werden spezifische Management-Kompetenzen wie etwa entscheiden, delegieren, kommunizieren, planen, organisieren, kontrollieren, motivieren usw.

Spitzensport als geschlossenes System

Nun weist aber der Sport im Gegensatz zum klassischen Wirtschaftsbereich eine grundlegende Besonderheit auf: Der Leistungs- und Spitzensport stellt im Gegensatz zum offenen Wirtschaftsmarkt ein in sich geschlossenes, organisatorisches System dar, in dem eigene Werte, Normen und Regeln gelten. Es hat sich hier ein eigener „Apparat“ zum Zweck der Leistungsförderung herausgebildet, bestehend aus Funktionären, Organisatoren, Managern, Verwaltungsbeamten, Trainern usw., die allesamt nach sportspezifischen Handlungskriterien agieren (vgl. dazu Grupe 2000:202f).

Dieser geschlossene interne Apparat verfügt andererseits über unterschiedlichste externe Verbindungen und Abhängigkeiten zu Medien, Politik und Wirtschaft.

Sportfunktionäre müssen also in erster Linie über die Eigenheiten und Regeln innerhalb des komplexen Sportsystems bescheid wissen, um überhaupt im Sinne des Sports agieren zu können. Zum anderen müssen sie aber auch bestens politische und wirtschaftliche Zusammenhänge kennen, um die Interessen des Sports auch extern umsetzen zu können.

Der „optimale“ Sportfunktionär

Optimal für solche Positionen sind somit qualifizierte Allrounder, die in allen 4 Bereichen Sport, Politik, Wirtschaft und Medien die wichtigen Zusammenhänge kennen, und im besten Fall auch schon Beziehungen in diese Bereiche haben. Sowohl der Wirtschaftsmagnat, der keine Ahnung vom Spitzensport hat, als auch der Ex-Profisportler, der nicht weiß nach welchen Regeln in Politik und Wirtschaft gespielt wird, ist also fehl am Platz.

Aus welchem Bereich der sportliche Würdenträger tatsächlich stammt, ist meiner Meinung nach nebensächlich, solange er sich in allen 4 Bereichen die nötigen Kompetenzen erworben hat.

Peter Wrolich, Karl Stoss, Toni Polster und Co

Nun kenne ich Peter Wrolich leider nicht persönlich, und auch nicht seinen Background. Jedoch hoffe ich, dass er auch den außersportlichen Anforderungen seines neuen Amtes gewachsen ist und hier die nötige Durchsetzungskraft zeigen wird, um im Radsport wirklich etwas zu verändern.

Toni Polster ist mit seinem 5-jährigen Management-Ausflug an der Spitze von Borussia M’gladbach und Austria Wien ein Beispiel für das Nicht-Erfüllen dieser Kompetenzen, denn außer Tore schießen, Singen und Tanzen haben sich in dieser Zeit leider keine weiteren Talente des Ex-Profikickers gezeigt.

Erwartungsvoller sehe ich hier schon der Zukunft des ÖOC entgegen, denn dessen neu gewählter Vorstand Karl Stoss entspricht dem Anforderungsprofil eigentlich sehr gut. Nach seinem Wirtschaftsstudium war er bei der Vorarlberger Landesversicherung, der PSK, der Generali Vienna Versicherung und zuletzt bei der Raiffeisen Zentralbank und den Casinos Austria tätig. Nachgesagt wird ihm eine hohe Sportaffinität, er war selbst aktiver Wasserballer und Schwimmer und ist passionierter Bergsteiger. Stoss will künftig “viel stärker den Sport in den Mittelpunkt stellen”, und sagt auch: “Wir müssen den Sportlern dienen, nicht sie uns.” (nachzulesen im Standard-Artikel).

Große Worte des Herrn Stoss, große Erwartungen an die neuen Sportfunktionäre. Ob die „Obamas“ der österreichischen Sportszene tatsächlich etwas zum Positiven verändern werden, wird sich zeigen.

Literaturnachweis:

Grupe, Ommo (2000): Vom Sinn des Sports. Kulturelle, pädagogische und ethische Aspekte, Schorndorf

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Autor: debeanz
Datum: Mittwoch, 9. Dezember 2009 22:14
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