Lieber Sport statt Business, Herr Rogan!
Sehr amüsiert habe ich am Wochenende den Standard-Artikel mit Dinko Jukic’s Aussagen über Markus Rogan’s vorzeitige Abreise von der Kurzbahn Schwimm-EM in Istanbul gelesen. Darin ergießt sich Jukic über das egoistische und unsoziale Verhalten gegenüber seinen Team-Kollegen, das Rogan mit dieser Aktion an den Tag legt. Rogan solle doch lieber wieder „Sport“ machen, statt nur „Business“, heißt es da von Jukic, und damit seiner früheren Rolle als Idol und Zugpferd des österreichischen Schwimmsports wieder gerecht werden.
Dass ein solches Verhalten moralisch verwerflich ist, steht außer Frage. Rogan schadet sich und seinem “Business” damit aber in erster Linie selbst, denn mangelnde Sozialorientierung und mangelnde emotionale Stabilität sind “big No No’s” für das Image und die Vermarktung eines Profisportlers.
Keine moralische Integrität
Bereits im Special über den Abgang von Hermann Maier haben wir das Heldenpotential von Markus Rogan kurz analysiert. (nachzulesen hier)
Rogan hatte damals durch seine “Prügelaffäre” schon viel von seinem Sporthelden-Status verspielt, denn – man erinnere sich an die Heldenfaktoren – es gehört auch moralische Integrität (untadeliges Verhalten, Rechtschaffenheit usw.) zu den Voraussetzungen, die ein Sportheld erfüllen muss. (vgl. dazu Schlicht 2000:215) Und eine solche vermeidliche Prügelgeschichte, die Umstände seien jetzt mal dahingestellt, ist natürlich alles andere als untadelig.
Keine emotionale Stabilität
Ein weiteres Kriterium für Sporthelden ist emotionale Stabilität. Und dass er auch von dieser offensichtlich nicht allzu viel besitzt, hat Rogan jetzt mit seiner vorzeitigen Abreise demonstriert. Als Laie würde ich sagen, sein Verhalten kommt total arrogant und unsympathisch rüber, vermarktungstechnisch sage ich, keiner interessiert sich für einen Sportler, der derart frustriert und verbissen wirkt, und vor lauter Kompensationsaufwand für das angeknackste Ego keinen Spaß und keine echte Freude mehr am Sport vermittelt.
Denn darum gehts bei emotionaler Stabilität: Der Sportler sollte mögichst konstant die “Sonnenseite” seiner Persönlichkeit vermitteln, die über Frust und Zweifel siegt. (vgl. dazu Thiel 1991:36,39)
Keine Sozialorientierung
Auch Sozialorientierung ist ein wichtiger Heldenfaktor. In Mannschaftssportarten ist sie ohnehin selbsterklärend, aber auch in Einzelsportarten wie dem Schwimmen, dem Alpinen Skisport usw. wird ein Sportler immer als Teil einer großen Idolfamilie wahrgenommen. Die Rolle der „Familie“ spielt dann der Verein/Verband und die Kollegen innerhalb des Kaders/Teams. Die Erfolge jedes Einzelnen wirken sich dabei positiv auf den Erfolg der gesamten Idolfamilie aus, sodass das gesamte Gefüge dieser großen, erfolgreichen Familie große Macht vermittelt – und diese Macht wirkt auf Fans faszinierend und anziehend. (vgl. dazu Gebauer 1988:139f)
Manövriert sich nun ein Sportler durch mangelndes Sozialverhalten an den Rand dieser Idolfamilie, verliert er damit nicht nur seine positive Vorbildwirkung, sondern auch selbst an Ruhm, Glanz und Macht – und ist daher auch für Fans nicht mehr so interessant.
Guter Sport = Gutes Business
Fans wählen sich nämlich nur möglichst konstant „positive“ Sportler als Idole, die ihnen auch als „Kraftstation“ und als Projektionsfläche für die eigenen Unzulänglichkeiten dienen. In weiterer Folge wählen natürlich auch Werbe- und Sponsorenfirmen Sportler nach diesen Kriterien aus.
Will ein Sportler also finanziell erfolgreich sein, tut er gut daran sein öffentliches Verhalten an diese Spielregeln anzupassen und sich hin und wieder auch entsprechend am Riemen zu reißen. Durch mieses, verbissenes und unkollegiales Verhalten schneidet man sich als Sportler vermarktungsmäßig nur ins eigene Fleisch.
Wird im Fall Rogan also nicht bald Schadensbegrenzung und Krisenmanagement betrieben, sehe ich den Fall des Markus Rogan endgültig vorprogrammiert. Im Sport macht man nämlich nur gutes „Business“, wenn man auch weiß wie man guten „Sport“ macht. Danke Herr Jukic.
Literaturnachweis:
Gebauer, Gunter (Hrsg.) (1988): Körper- und Einbildungskraft. Inszenierungen des Helden im Sport, Reihe historische Anthropologie, Band 2, hrsg v. Forschungszentrum für Historische Anthropologie der Freien Universität Berlin, Berlin
Schlicht, Wolfgang (2000): Sieger, Helden und Idole, In: Schlicht, Wolfgang/Lang, Werner (Hrsg.): Über Fußball. Ein Lesebuch zur wichtigsten Nebensache der Welt, Schorndorf, S.210-223
Thiel, Erhard (1991): Sport und Sportler – Image und Marktwert. Einsatzmöglichkeiten im Marketing, Landsberg/Lech
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Donnerstag, 17. Dezember 2009 15:06
Schwimmen ist eben ein Einzelsport, wie Schifahren. Dass ein eingebildeter Sportler wie Rogan das Team verlässt, ist natürlich ärgerlich, aber warum bitte verlässt er den bewerb? Wirklich wegen ein paar Trainingseinheiten? Dass stinkt doch.
Samstag, 19. Dezember 2009 4:24
Naja, ich tip mal drauf, weil es “nur” die Kurzbahn EM war, und die eben nicht so einen hohen Stellenwert für die Schwimmer hat. Deshalb ist ja auch die Mirna Jukic gleich gar nicht mitgeschwommen. Aber so wie die Geschichte jetzt rausgekommen ist, stellt sie eben das I-Tüpfelchen auf der ganzen Rogan-Affäre dar, und die Österreicher werden gegenüber Rogan immer verstimmter. Wenn Rogan also nicht vor hat, in Zukunft für das amerikanische Nationalteam zu schwimmen, sollte er sich seinen österreichischen Markt nicht so vergraulen. Die Flucht in die “heile” und anonyme amerikanische Welt ist nämlich meistens keine Langzeitlösung.
Samstag, 19. Dezember 2009 13:47
Naja, das simmt schon, aber solang er wieder erfolgreich ist wird ihm niemand so richtig was vorwerfen. Denkt sich ja dann jeder “nagut, er is halt ein bissl egoistisch, aber vielleicht ist er ja deshalb so erfolgreich …”. Ich glaub zum Beispiel nicht dass ihm im Falle einer Olympiamedaille die ausgelassene Staffel bei der Kurzbahn EM vorgeworfen wird
Außerdem hat mir vor kurzem erst jemand folgendes gesagt: Um ein echter “Rockstar” im Sport zu werden, muss man sich einfach das Image eines unnahbaren und überheblichen Stars aufbauen. Sonst ist man nur so wie jeder andere nette Typ von nebenan.
Bin davon nicht restlos überzeugt, aber ein bisschen was is da schon dran …