Krieg der Snowboarder (2)

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Im ersten Teil dieser Serie habe ich die außergewönliche Situation der Freestyle-Snowboard Szene einmal überblicksmäßig dargestellt. Damit wir diese Thematik nun auch aus der Sicht eines aktiven Sportlers betrachten können, habe ich ein Interview mit Michael Macho geführt. Er ist seit ca. 2 Jahren Profi, fährt im österreichischen Snowboard-Nationalteam und nimmt sowohl am FIS-Weltcup als auch an der TTR-Tour teil.

doxidox: Du bist ja einer der Fahrer, die relativ erfolgreich auf beiden Touren (sowohl FIS als auch TTR) unterwegs sind. Wie schwierig ist es denn diese Mischung organisatorisch hinzubekommen bzw. gibt es auch manchmal Probleme?

Michael Macho: Man könnte die beiden Touren eigentlich super gut kombinieren, da die FIS-Tour nur 5 Stops hat und die schon im Oktober starten. Um die gesamte TTR-Tour mitfahren zu können muss man aber schon sehr gute Sponsoren haben die einem ein Mega-Reisebudged zur Verfügung stellen. Schon allein mit der Open-Tour solltest du in Neuseeland starten dann weiter nach Australien, Europa dann USA! Aber es gibt ja auch in Mitteleuropa genügend TTR events die man fahren kann! Nur um in die Top 10 zu kommen solltest du schon alle großen Events mitfahren!

doxidox: Es wäre also gut möglich beide Touren zu kombinieren, aber selbst für Profis ist es vom Budget her gar nicht so einfach die gesamte TTR-Tour mitzufahren, da man für die Reisekosten ja selber aufkommen muss?

Michael Macho: Ja genau! Man muss schon super gut im Geschäft sein um ein Resebudget in dieser Höhe zu bekommen um die gesamte Tour zu fahren! Vor allem als Nachwuchsfahrer hat man es schwer bei der TTR-Tour Fuß zu fassen!

doxidox: Gibt es jetzt deiner Meinung nach Unterschiede zwischen den beiden Touren bzw. was sind die positiven und negativen Punkte?

Michael Macho: Die positive Seite der FIS (als Österreicher) ist, dass es einen Verband gibt der hintereinem steht und die Reisekosten, Trainingskosten, usw. übernimmt. Die Events sind meist super gut organisiert. Wenn man TTR fährt muss man sich alles selber organisieren. Was mich an den TTR-Events auch stört ist, dass es viel zu viele Invitationals gibt. Es kommt einem teilweise so vor als könnte man so gut fahren wie man will, wenn die Veranstalter dich nicht einladen wollen, dann wirst du nicht eingeladen. Siehe Air & Style: Nichts gegen Gigi Rüf, aber er war dort noch nie richtig gut, wird aber jedes Jahr wieder eingeladen…

doxidox: Sowohl die FIS als auch die TTR-Tour beanspruchen ja jeweils für sich selbst die beste Tour mit den besten Fahrern und den anspruchsvollsten Wettkämpfen zu sein. Dazu habe ich vor kurzem in einer Tageszeitung ein Zitat von einer TTR-Mitarbeiterin gefunden: „… und weil die Qualität [bei der TTR-Tour] höher ist. Bei FIS Bewerben gewinnt man mit Sprüngen, bei denen du bei uns nicht einmal ins Finale kommst.“ Was sagst du dazu?

Michael Macho: Das glaube ich nicht. Es fahren bei der TTR-Tour, wie auch bei der FIS, genug ausgezeichnete Fahrer mit die bei beiden Touren gute Ergebnisse erzielen. Die FIS-Events sind meistens “In-City-Events” und werden auf einer Rampe ausgetragen. Da hat man begrenzten Anlauf, begrenzte Airtime und begrenzten Landeplatz. Man ist schon ziemlich limitiert in seinen Sprüngen. Das kommt einigen Fahrern zugute, manchen aber absolut nicht. Es ist einfach etwas anderes auf einer Rampe zu fahren wie in einem Skigebiet auf einem riesengroßen Kicker. Ich würde einfach mal gern einen Contest haben wo die Top 10 der FIS und die Top 10 der TTR zusammen auf einer Rampe fahren. Dann würde man sehen ob es stimmt! Ich glaub es nicht. :)

doxidox: Hättest du denn jetzt eine Idee wie man die Snowboardwelt vielleicht in eine bessere Zukunft führen könnte?

Michael Macho: Ich würde vorschlagen dass sich die FIS und die TTR nicht bekriegen sondern zusammarbeiten sollen! Es sollte weniger Freunderlwirtschaft geben, jeder gute Fahrer sollte die Chance bekommen bei den großen Events mitzufahren! Und Newschool-Skier sollten wieder zurück auf das Snowboard! :)

doxidox: Anderes Thema: Wie ist es denn mit einem Stefan Gimpl im Team zu fahren, der die letzten Saisonen mehr oder weniger das Maß aller Dinge bei der FIS war. Wie kommst du mit dieser starken internen Konkurrenz zurecht?

Michael Macho: Ich glaube nicht dass es ein wirkliches Konkurrenzdenken gibt. Ich sehe den Stef eher als Vorbild! Er ist seit so vielen Jahren in diesem Geschäft und weiß genau wie er in welcher Situation zu reagieren hat. Er nimmt seinen Job sehr ernst und genau das macht ihn so gut.

doxidox: Zum Abschluss würde ich noch gerne wissen was deine persönlichen Zukunftspläne sind. Gibt es noch bestimmte Ziele die du erreichen möchtest?

Michael Macho: Mein Ziel ist meinen Job, der mir unglaublich viel Spaß macht, noch eine Zeit lang machen zu können. Außerdem bei beiden Touren gute Ergebnisse einzufahren und einfach Spaß am Snowboarden zu haben, denn genau um das sollte es ja eigentlich bei unserem Sport gehen!

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Informationen zur Person:

Michael Macho ist seit 2008 Profi und fährt für A1, Nitro Snowboards, Smith, TVB Nauders und SUB Industries.

Er hat schon einige Top 10-Ergebnisse im FIS-Weltcup erreicht, war in den Saisonen 08 und 09 in der Big-Air Gesamtwertung jeweils unter den Top 10 und hat unter anderem schon 2 mal die Spring-Classics im Kaunertal gewinnen können.

Außerdem ist er auch immer wieder in diversen Videoproduktionen zu sehen, wie zum Beispiel im Movie “Manglo Moves“.

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Autor: doxidox
Datum: Sonntag, 6. Dezember 2009 20:56
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3 Kommentare

  1. 1

    [...] Mehr dazu aber im zweiten Teil. [...]

  2. 2

    Hallo! Ich habe diesen Beitrag sehr genossen. Ich freue mich auf weiteren Artikel über Snowboarder und Snowboarden :)

  3. 3

    [...] Organisationsstruktur der Freestylewelt – wir haben in „Krieg der Snowboarder Teil 1 und Teil 2“ darüber [...]

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