Wintersportliche Zwangsverpflichtungen

Whistler, BC Scenics

Der österreichische Wintertourismus hat ein ernsthaftes Problem: Ihm gehen die Skifahrer aus. Stammgäste werden immer älter, bis sie nicht mehr in der Lage sind Wintersport zu betreiben, junge Leute lassen sich immer öfter von anderen Urlaubs- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten anlocken. Doch anstatt die primären Ursachen (horrende Preise) zu bekämpfen, schreien die Lobbyisten lieber nach einer anderen “Lösung”: Der Wiedereinführung des verpflichtenden Schulskikurses.

Der Wintertourismus spielt in Österreich traditionell eine sehr große Rolle und stellt die Lebensgrundlage von sehr vielen Menschen dar. In Zahlen ausgedrückt ist der Wintertourismus für 4,1 % des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich und erwirtschaftet jährlich ca. 7,11 Milliarden €. Kein Wunder also dass die Wogen in Anbetracht oben genannter Zukunftsprognosen ein wenig hochgehen.

Außerdem geht es nicht nur um die Lebensgrundlage von betroffenen Personen, sondern auch um Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur (Liftanlagen, Beschneiungsanlagen, …) die wieder rückerwirtschaftet werden wollen.

Aber genau diese Investitionen, oder besser gesagt das stetige überdimensionale Aufblasen der Infrastruktur, ist im Endeffekt für diese Misere des Tourismus verantwortlich. Dachte man bisher dass bei Preisen um die 40 € für eine Liftkarte eine gewisse Schmerzgrenze erreicht sei, wird man Jahr für Jahr eines Besseren belehrt. Das hat zur Folge, dass man heutzutage für das selbe Geld entweder eine Woche Skiurlaub oder zwei bis drei Wochen Badeurlaub irgendwo auf der anderen Seite des Globus machen kann. Dass sich in dieser Hinsicht viele Leute für den Badeurlaub entscheiden kann zumindest von meiner Seite aus nachvollzogen werden.

Doch anstatt den Tatsachen ins Auge zu sehen und die Konsequenzen aus den vorliegenden Fakten zu ziehen, ist man anscheinend der festen Überzeugung nichts falsch gemacht zu haben. Denn anstatt zu versuchen den (nicht allzu zahlungskräftigen) jungen Leuten wieder eine leistbare Urlaubsmöglichkeit zu bieten, versucht man den Nachwuchs mehr oder weniger einfach zwangszuverpflichten.

Bis 1995 gab es schon den verpflichtenden Skikurs in Österreichs Schulen. Diese Woche Zwangsbeglückung mag dem einen oder anderen vielleicht nicht wirklich schlimm erscheinen, im Endeffekt geht es aber doch um ein bisschen mehr. Denn an dieser einen Woche Skifahren hängt zusätzlich der Erwerb (oder die Ausleihe) einer Skiausrüstung für das Kind und meistens gleich noch mindestens eine zweite Schulskikurswoche. Denn natürlich entscheiden sich die meisten Klassen dafür gleich zwei oder mehr Jahre hintereinander auf Skikurs zu fahren, damit sich die eventuellen Investitionen der Eltern in die Ausrüstung auch halbwegs rentieren. Man wird also als Elternteil dazu genötigt einen ansehnlichen Haufen Geld in den gierigen Rachen des Tourismusbranche zu werfen.

Es war also meiner Meinung nach eine gute Sache diesen Usus abzuschaffen. Jeder Mensch (und besonders ein Kind) hat doch wohl das Recht jenen Sport auszuüben, der ihm am meisten gefällt. Da sich diese Vorlieben über die gesamte Breite des sportlichen Spektrums verteilen, bleibt für den Winterport eben nur der gleiche Anteil wie den meisten anderen Sportarten auch. Damit sollte man sich abfinden.

Doch schon alleine die oben genannte Forderung stellt für mich eine unglaubliche Frechheit dar. Man stelle sich das mal in einer anderen Sportart vor, z.B. Golf. Gäbe es die Forderung nach einer verpflichtenden Golfwoche in der Schule, würden vermutlich die meisten Eltern in Anbetracht der ausrüstungsbezogenen Investitionen auf die Barrikaden steigen. Beim Skifahren hat man das aber jahrzehntelang ohne große Klagen akzeptiert.

Die Tourismusbranche sollte also endlich einmal damit anfangen vor der eigenen Türe zu kehren, anstatt die Schuld für die schlechten Zukunftsaussichten auf die (potenziellen) Kunden abzuschieben. Wenn man wieder stärker mit anderen Sportarten und Urlaubsdestinationen konkurrieren will, sollte man endlich damit anfangen den gesamten Sport zurück in vernünftige finanzielle Bahnen zu lenken um damit Eltern und Kindern wieder vertretbare Möglichkeiten zu bieten die Vorzüge des Wintersports kennenzulernen.

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Autor: doxidox
Datum: Montag, 23. November 2009 1:37
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Ein Kommentar

  1. 1

    [...] einiger Zeit habe ich hier im Blog schonmal über die Pläne der Wintersport-Lobby berichtet, den verpflichtenden Schulskikurs wieder einzuführen. Von dieser Idee scheint man seither wieder ein wenig abgerückt zu sein, vermutlich weil ein neuer [...]

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