Team Rot-Weiß-Rot: Die Après-Ski Gehirnwäsche unseres Sportministers

In letzter Zeit sah es für den österreichischen Sport medial nun wirklich nicht besonders rosig aus. Besonders im Bereich des Dopings wurde eine Schlammlawine losgetreten, die bis heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen ist (Stichworte: Kohl, Hütthaler, Matschiner, Humanplasma, Bestechungen im Labor Seibersdorf, usw.). Aber auch in anderen Gebieten präsentierte sich die Sportwelt nicht besonders ruhmreich (Rogans “Prügelaffäre”, Olympia-Bewerbung Salzburg, Walter Mayers Schweigegeld, usw.).
Wie schafft man es also den österreichischen Sport wieder aus diesem Imagetief herauszuholen? Mit einer Kampagne, die sich die beiden ur-österreichischsten Dinge zu Nutze macht: Patriotismus und Après-Ski.
…wir geben alles, und wir kämpfen für ein Ziel. Mit aller Kraft haben wir’s geschafft. Die Überflieger. Wir sind Sieger. Das sind wir…
Na wenn das mal nicht wie Balsam für die geschundene österreichische Seele ist. Irgendwie hat mich der Song aber sofort an andere musikalisch-sportliche Meilensteine erinnert
Das Team Rot-Weiß-Rot hat aber natürlich neben dem Wiederaufbau des österreichischen Nationalstolzes eine ganz andere Funktion.
Das TEAM ROT-WEISS-ROT – die Idee
Das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport (BMLVS) hat die Aufgabe übernommen, bei gleichzeitig entschiedenem Auftreten gegen alle aktuellen Missstände, die wesentlichen Komponenten des Sports wieder in den Vordergrund zu rücken. Nach wie vor sind die Spitzensportler die wichtigsten Träger des Breitensports. Ihre Leistungen motivieren hunderttausende Menschen zum Nachahmen und bringen Kinder und Jugendliche zu Sport und körperlicher Bewegung. Als wesentliches Tool zur Umsetzung besagter Langzeitstrategie wurde das TEAM ROT-WEISS-ROT etabliert.
Was sind die Ziele des TEAM ROT-WEISS-ROT?
Wir vom TEAM ROT-WEISS-ROT wollen, dass der Sport und die Athleten wieder im Mittelpunkt stehen. Wir trainieren viele Stunden täglich und wollen nicht, dass der Sport durch negative Schlagzeilen Schaden nimmt. Wir wollen einfach ein ermutigendes Signal für alle jungen Sportler, aber auch alle Freizeitsportler bieten. Sport ist gesund und macht Spaß (meistens jedenfalls). Wir wollen mit Doping und Täuschung nichts am Hut haben.
Quelle: http://www.teamrotweissrot.at
Die Aufgabe dieser Kampagne ist es also, die (sauberen) Sportler und ihre (sauberen) Erfolge wieder in den Vordergrund zu rücken. Anscheinend hängt ja das gesamte körperliche Wohlbefinden unserer Nation davon ab, denn ohne sportliche Vorbilder würde anscheinend niemand von selbst auf die Idee kommen Sport zu betreiben.
Schon alleine die Behauptung, dass Spitzensport der Träger des Breitensports sei, ist schlichtweg falsch. Der europäische Sport ist generell nach dem Pyramidensystem aufgebaut. Das bedeutet, dass eine sehr große Masse an Breitensportlern die Basis dieser Pyramide bildet, die sich dann nach oben hin über mehrere Stationen (Wettkampfsport, Leistungssport) bis zum Hochleistungssport immer weiter verschmälert. Der Breitensport trägt also demnach den Spitzensport, nicht umgekehrt. Schließlich braucht man ja zu Beginn eine große Masse an Sportlern, aus der man einige wenige Talente herauspicken kann, die das Potenzial haben ganz nach oben zu kommen.
Natürlich haben diese Ausnahmeathleten eine unbestreitbare Vorbildfunktion (vor allem für Kinder), mit der sie Menschen (an der Basis) zu körperlicher Aktivität motivieren können. Es gibt aber eine Reihe von anderen Faktoren, die bei der Entscheidung, ob jemand aktiv wird oder nicht, eine wesentlich größere Rolle spielen.
Außerdem ist es sowieso sehr fragwürdig Leistungssport und Breitensport in den selben Topf zu werfen. Um das mit einem Zitat zu erklären:
„Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein.”
Bertolt Brecht
Leistungssport stellt, einfach ausgedrückt, einen extremen Auswuchs von Sport dar, bei dem es nur mehr um die Unterhaltung von Massen und die totale Ausschlachtung des menschlichen Körpers geht. Mit gesundheitlicher Vorsorge hat das einfach überhaupt nichts mehr am Hut.
Wieso stellen wir also in unserer Gesellschaft immer noch solche “Freaks” als Vorbilder für ein gesundheitsbewusstes Leben hin? Das ist doch so als würde man dem mächtigsten Militärbefehlshaber der Welt den Friedens-Nobelpreis verleihen … ok, schlechter Vergleich.
Will man also Menschen zu Sport und körperlicher Bewegung bringen, sollte man sich vielleicht überlegen andere Idole ins Team Rot-Weiß-Rot zu stecken. Zum Beispiel Leute, die durch ihre Lebensgeschichten zu wandelnden Musterbeispielen für die positiven Wirkungen von Sport geworden sind.
Solche Leute zum Beispiel … oder solche.
Das sind Beispiele, mit denen sich Otto Normalverbraucher vermutlich sehr gut identifizieren kann, denn diese (gesundheitlichen) Probleme können jeden von uns treffen, oder haben es schon.
Mittlerweile bin ich aber ein wenig vom Thema abgekommen.
Was stört mich denn jetzt zusammengefasst an dieser Kampagne?
Meiner Meinung nach versucht das Sportministerium unter anderem mit einer Mischung aus Hüttenzauber und Selbstglorifizierung von all den Missständen und Skandalen der letzten Zeit abzulenken und sie ein wenig in Vergessenheit geraten zu lassen. Dazu benutzt man die derzeit noch makellosen Sportstars als strahlende Gallionsfiguren um das Schiff unbemerkt in ruhigere Gewässer zu manövrieren.
Ich möchte ja auch gar nicht sagen dass ich es falsch finde die positiven Beispiele des österreichischen Spitzensports ein wenig in den Vordergrund zu rücken, denn das hätten sie sich vermutlich verdient. Man kann aber auch nicht einfach all die schmutzige Wäsche in eine Ecke schmeißen und sagen “damit habe ich nichts zu tun”. Es waren schließlich einige dieser Sportler und Politiker selber, die durch ihre Aktionen das Image des Sports beschädigt haben. Will man solche Skandale in Zukunft also vermeiden, dürfen all die begangenen Fehler auf keinen Fall in Vergessenheit geraten, denn sonst gibt es überhaupt keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
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