Neuer Web-TV-Versuch mit Randsportarten

Copyright: flickr/limey1967, sanchezphotography, Cunning Stunt

Wir von SPORTBLOG.CC sind ja der Meinung, dass beim Sport nicht nur der kleine und selektierte Bereich des massenmedialen Spitzensports zählt, sondern dass das gesamte Phänomen des modernen Sports mit all seinen unterschiedlichen Sportarten und Facetten spannend, interessant und vor allem auch berichtenswert ist. Daher verfolgen wir natürlich auch aufmerksam alle neuen Entwicklungen auf diesem Sektor.

RSK1 heißt nun eine neue Internet-Plattform in Deutschland, die sich im Herbst 2009 die TV-Rechte von 33 Randsportarten für 1 Jahr erkauft hat, und seither TV-Berichte aus Randsportarten für User kostenlos bereitstellt. Als Motivation hinter dieser Seite stand der Gedanke, endlich auch im Bereich der Randsportarten Geld zu verdienen, und damit gleichzeitig den Sportarten und ihren Athleten eine Präsentationsplattform zu bieten. Soweit ist das prinzipiell alles lobenswert. Ich habe mir diese Seite jedoch genauer angesehen und denke, dass eine gute Vermarktung von Randsportarten SO SICHER NICHT funktionieren kann.

Das Problem der Randsportarten

Randsportarten haben leider das Problem einer negativen Vermarktungs-Spirale: Geringes Zuseherinteresse -> daher keine hohe Medienpräsenz -> daher keine/wenig finanzielle Mittel durch Sponsorenverträge -> daher auch kaum Geld für professionelle und gute Vermarktung -> daher wieder geringes Zuseher- und Medieninteresse …. usw.

Die Folge: Randsportarten und deren Sportler haben im Gegensatz zu den großen Mediensportarten (in Österreich in erster Linie der Alpine Skisport, Fußball, Formel 1 und Tennis – in Deutschland weniger der Alpine Skisport, dafür Leichtathletik und Motorsport) kaum die Möglichkeit am großen Kuchen der heutigen Sport-Medien-Wirthschafts-Allianz mitzuschneiden. Während sich also erfolgreiche Fußballer, Skifahrer und dergleichen mit ihrem Sport eine goldene Nase verdienen, kämpfen erfolgreiche Profisportler aus Randsportarten ums nackte „berufliche“ Überleben.

Wichtigste Facts zu RSK1

Copyright: www.rsk1.de

Das Online-Portal RSK1 möchte nun den Sektor Randsportarten für sich finanziell erschließen, und damit gleichzeitig auch Sportlern aus Randsportarten die verdiente Aufmerksamkeit verschaffen und ihnen eine mediale Tür öffnen.

Im Herbst 2009 hat RSK1 die TV-Rechte des 33-Vertrages für ein Jahr gekauft – ein Paket, das die Rechte von 33 Randsportarten des Deutschen Olympischen Sportbundes bündelt, darunter Sportarten wie Taekwondo, Badminton, Wasserski, Rasenkraftssport, Kegeln, Sportakrobatik, Kanu, Radfahren, Segeln usw.

Nachdem der Erwerb aber sehr kostenaufwändig war, versucht man nun bei den Produktionskosten zu sparen. Die Berichte werden von selbst ausgebildeten Video-Reportern verfasst, die zu den diversen Sportveranstaltungen mit einer Kamera anreisen, und für eine fertige Endproduktion inklusive redaktioneller Arbeit dann etwa 100 € kassieren (so schreibt die Zeitschrift Sponsors’s in der Ausgabe vom August 2009). Zusätzlich haben auch Sportler, Vereine und Verbände die Möglichkeit, nach dem Motto „Sportler für Sportler“ selbst produziertes Material zur Verfügung zu stellen.

Kritik an RSK1

Genau so billig wie sich das Produktionskonzept darstellt, sehen leider auch tatsächlich die Sportberichte auf RSK1 aus. In jeder Sparte reiht sich willkürlich irgendwelches unübersichtliches Bildmaterial aneinander, die „Berichte“ reichen dabei von unkommentiertem Abfilmen irgendwelcher regionaler Dorfplatztuniere (in YouTube-Qualität!, offensichtlich Material von Vereinen), über Speedskating Bewerbe der 6-10 jährigen Anfänger (wer weiß wie sich 6-10 jährige Kinder das erste mal auf Rollerskates verhalten, weiß, wie interessant das ist ;-) ) bis zu „anmoderierten“ Beiträgen die mehr an eine terroristische Videobotschaft erinnern als an eine Sportbeitrag. Wirklich Interessantes und Brauchbares zu finden erfordert sehr viel Zeit und Geduld.

Erstens kann eine so schmuddelige Präsentation von Randsportarten in meinen Augen sicher nicht zu einer Verbesserung der Situation führen. Im Gegenteil, hier wird das billige, unprofessionelle und langweilige Image von Randsportarten sogar noch bestärkt.

Zweitens werden hier die grundlegenden Anforderung an journalistische Beiträge im Internet nicht erfüllt: Online-Journalisten und -Redakteure haben nämlich angesichts der unübersichtlichen Informationsflut im Internet die Aufgabe, Informationen verständlich darzustellen, zusammenzufassen und zu interpretieren. Sie sind also Content-Manager. Das fängt beim übersichtlichen Darstellen der einzelnen Beiträge in den Rubriken an, führt über klar interpretierte und kommentierte Beiträge, und hört bei der Selektion von relevanten Beiträgen auf (Stichwort 6-10 jährige Speedskating Anfänger).

Was könnte man also besser machen

Um Randsportarten weiterzubringen, muss man meiner Meinung nach bei einer professionellen Präsentation beginnen. Denn nur was hochwertig aussieht, wird auch so wahrgenommen. Dazu gehören im Bereich Videomaterial eben auch gut ausgebildete Sprecher und Moderatoren, und das Wissen um die Qualitäts-Basics einer Videoproduktion. Ein Text gesprochen von einem Laien in dessen Wohnzimmer, und eine Bildqualität die verwackelter und hektischer nicht sein könnte, schaden dem Image von Randsportarten mehr als sie nutzen.

Die meisten Funsport-Szenen haben die Wichtigkeit dieser Tatsache längst erkannt, hier läuft die szeneninterne Produktion von Video- und Fotomaterial bereits seit Jahren auf Hochtouren, und das in einer Qualität, die mittlerweile den atemberaubenden Universum- und Imax-Filmen um nichts mehr nachsteht (siehe dazu auch den Artikel Empfehlung für alle Boardfans). Jedoch existiert in den Funsport-Szenen selten eine professionell organisierte, strukturierte und sportartübergreifende Image- und PR-Arbeit. Und somit  produziert hier meist jeder für sich selbst.

Wie eine erfolgreiche Vermarktung von Randsportarten funktionieren könnte, zeigt auch Red Bull – obwohl das Heranziehen des hausgemachten Funsport-Imperiums des Herrn Mateschitz immer mit Vorsicht zu genießen ist (wie auch der aktuelle Beitrag Verleiht Flügel? zeigt). Aber immerhin hat Red Bull mit der neuen Zeitschrift „Red Bulletin“ ein erfolgreiches Funsportmagazin zustandegebracht, indem es um Sportarten geht, die sonst wohl genau wie die der Vereins-Kauderwelsch auf RSK1 niemanden interessiert hätten, aber durch die präzise Marketingphilosophie von Red Bull eben einfach geil und spannend rüberkommen.

Relevante und hochkarätige Sportereignisse (national und international), spannend und interessant präsentiert – so lautet meiner Meinung nach das Credo. Eben nach allen Regeln des Journalismus-, PR-  und Werbehandwerks vermarkten. Auch wenn Randsportarten nur für wenige Leute interessant sind – das Beobachten der Besten bzw. Weltbesten einer Sportart und damit dessen „Vollendung“, spannend, anschaulich, verständlich und professionell präsentiert, kann auch für bislang Uninteressierte durchaus interessant sein. Gepaart am besten gleich mit umfangreichem Info-, Einführungs- und Erklärungsmaterial über die  einzelnen Sportarten, um das Konsumkapital zu erhöhen – denn umso mehr Vorwissen von einem Sportler oder einer Sportart vorhanden ist, umso mehr Interesse und Identifikation besteht von Seiten der Konsumenten.

Fazit

Natürlich ist das alles prinzipiell eine Kostenfrage. Auch RSK1 hat im ersten Anlauf vor 2 Jahren mit qualitativ hochwertigen Produktionen durchgehend in HD-Qualität begonnen, das Konzept hat sich jedoch bei weitem nicht rentiert. Somit ist man heute beim beschriebenen 99-Cent Berichtesumpf gelandet.

Hätte ich ein funktionierendes Konzept parat, würde ich wohl nicht mehr für SPORTBLOG.CC schreiben, sondern mich als Dagobert in meinen Sport-Millionen suhlen :-) . Das Image von Randsportarten muss aber sicherlich Schritt für Schritt aufgebaut und verbessert werden, und das ist nachhaltige und langwierige Arbeit. Schnelles Geld durch kollaborative Sport-Plattformen, ohne dabei selbst viel Arbeit und Aufwand zu investieren, ist im Bereich der Randsportarten sicher nicht möglich.

Hier muss man das Problem an der Wurzel packen, indem man Randsportarten einerseits kompetentes Know How vermittelt, damit sich diese selbst gut präsentieren und vermarkten können, und indem man andererseits auch selbst bereit ist ein qualitativ hochwertiges Medienprodukt zu schaffen - sei es jetzt im Internet wie die Plattform RSK1, oder im klassischen Medienbereich wie etwa der “Red Bulletin”. Eine entsprechende Community und Reichweite folgen dann nach und nach von selbst.

Wir von SPORTBLOG.CC versuchen natürlich unser Bestes ;-)

Ähnliche Beiträge:

  • Share/Bookmark

Autor: debeanz
Datum: Freitag, 20. November 2009 9:00
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein, Funsport/Extremsport, Randsport, Sportlervermarktung, Sportmarketing, Sportpolitik, Zuschauer

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben