Trainer – Feldherren und Mädchen für alles

Football players listening to coach in locker room

In unserer westlichen Sportwelt werden Trainer mittlerweile manchmal zu größeren Stars gehypt als die Spitzensportler, die sie betreuen. Inszeniert als neumodische Feldherren stellen sie ihre Armee (Mannschaft) zusammen und hecken gefinkelte Schlachtpläne aus, um den Gegner zu besiegen. Sie geben vor dem letzten und allesentscheidenden Versuch noch die goldrichtige Technikkorrektur, mit der sich ihr Schützling letztendlich doch noch in ungeahnte (Leistungs)Höhen schwingt. Im Grunde sind sie diejenigen, die für alle sportlichen Erfolge verantwortlich sind … so sieht zumindest die weit verbreitete Meinung aus. Die Wirklichkeit ist im Vergleich aber sehr ernüchternd.

Was unterscheidet eigentlich einen guten Trainer von einem schlechten? Der erste Gedanke: die Erfolge seiner Sportler. Das kann man aber nicht wirklich gelten lassen, denn die sportliche Leistung muss immer noch der Athlet selber erbringen. Der Trainer kann ihn nur möglichst gut in allen Belangen darauf vorbereiten. Wie gut ein Sportler das dann allerdings umsetzt, ist seine Sache.

Man fragt also am besten die Sportler selbst, was einen guten Trainer ausmacht. Die müssen ja schließlich wissen, warum sie so erfolgreich sind. Allerdings muss man in dieser Hinsicht unterscheiden, ob man jugendliche Sportler zu diesem Thema befragt, oder erwachsene Spitzensportler, denn die Antworten fallen je nachdem unterschiedlich aus.

Im Jugendsport wurde durch Smith und Smoll (1996) herausgefunden, dass von den Sportlern solche Trainer bevorzugt und als sympathischer empfunden werden, die häufig positiv bekräftigen, nach Fehlern und Misserfolgen ermutigen und häufig technische Unterweisungen und Erklärungen geben. Kurz gesagt also die Trainer, die sowohl für eine gute technische Ausbildung sorgen, wie auch ermutigend und unterstützend wirken. Außerdem wurde in dieser Studie gezeigt, dass Sportler bei diesen Trainern mehr Zufriedenheit und Freude empfinden, mehr Begeisterung für den Sport bzw. die Sportart zeigen und ein höheres Selbstwertgefühl haben.

Bei Interviews von Jowett und Cockerill (2003) mit ehemaligen Olympia-Goldmedaillengewinnern fielen die Antworten anders aus. So wurde hier von den meisten Sportlern vor allem die soziale Beziehung zu ihrem Trainer als überaus wichtig dargestellt. Trainer durften hier also nicht nur “mechanistische Macher” sein, die nur die richtigen Anweisungen und das richtige Feeback geben, sondern sie mussten hauptsächlich Vertrauensperson und bester Freund sein. Durch die Berichte über diese einzigartige Verbindung zwischen Sportler und Trainer konnten 3 wichtige Merkmale herauskristallisiert werden:

  • Emotionale Nähe
  • Komplementarität (Stärken und Schwächen von Trainer/Athlet ergänzen sich, z.B. Trainer bringt Fachwissen mit, Sportler Talent und Leistungsbereitschaft)
  • Koorientierung (Gleiche Ziele, Werte und Erwartungen)

Die interessanteste Erkenntnis ist jedoch, dass das Trainerverhalten hauptsächlich Einfluss auf sozialpsychologische Faktoren wie Gruppenklima, Zufriedenheit und Zusammenhalt der Athleten hat. Ein Zusammenhang zwischen Trainerverhalten und der tatsächlichen Leistung konnte nicht nachgewiesen werden.

Abschließend kann man also sagen, dass der Trainer, vor allem bei erwachsenen Athleten, nur EIN Mosaikstein in den Bedingungen zu optimaler Leistung ist. Der Trainer “wirkt” hier vor allem auf die Zufriedenheit und das psychische Wohlbefinden des Sportlers, was sich aber natürlich positiv auf seine Leistungen im Wettkampf auswirken kann.

Trainer sind demnach also keineswegs unnötig, sie sind lediglich manchmal ein wenig überbewertet (und eventuell überbezahlt).

Literaturverzeichnis:

R.E. Smith, F.L. Smoll (1996); The coach as focus of research and intervention in youth sport. In F.L. Smoll & R.E. Smith (Eds.), Children and youth in sport. A biopsychosocial perspective (pp. 125-141); Madison Dubuque, IA: Brown & Benchmark

S. Jowett, I.M. Cockerill (2003); Olympic medallists’ perspective of the athlete-coach relationship. Psychology of Sport and Exercise, 4, 313-331

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Autor: doxidox
Datum: Dienstag, 13. Oktober 2009 17:41
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