Gute Zeiten, schlechte Zeiten – Die ÖOC Soap

Man Silenced By Money

Die österreichische Sportpolitik schreibt in letzter Zeit Geschichten, die vermutlich dem besten Drehbuchautor nicht eingefallen wären. Über das Thema “Kräftemessen zwischen ÖSV und ÖOC” im Bezug auf die Doping-Affäre in Turin haben wir hier im Blog ja schon in einem Artikel Stellung genommen. Auf der medialen Bühne wurde aber heute ein neues Kapitel in der ÖOC-Soap eröffnet – mit einem Enthüllungs-Interview von Walter Mayer, einem der Hauptdarsteller in der turiner Doping-Affäre. Wie in vielen Krimis sind aber nicht immer die vermeintlichen Protagonisten die interessantesten Personen der Geschichte, sondern die Nebendarsteller, die sich zum Schluss als die wahren Gauner herausstellen.

Mich hat es nämlich schon ein wenig verwirrt, dass gerade der salzburger Verleger Erwin Roth dieses Enthüllungs-Interview einer österreichischen Tageszeitung präsentiert hat. Herr Roth war schließlich derjenige, der Walter Mayer auf die Rückzahlung von 290 000 € geklagt hat, die anfangs als Vorschuss für ein Enthüllungs-Buch, später dann aber als Schweigegeld deklariert wurden. Man sollte also meinen, dass die Herren Mayer und Roth nicht besonders gut aufeinander zu sprechen sind. Sieht man sich allerdings die gesamte Entwicklung dieser Geschichte an, dann erscheint die Situation schon in einem anderen Licht.

Recherchiert man ein wenig über die Namen Roth und Mayer, dann tauchen sie erstmals zusammen im November 2008 auf. Damals klagte Roth (oder drohte es zumindest an) die Tageszeitung Kurier wegen Rufschädigung, weil diese im August in einem Artikel behauptet hatte, dass die 290 000 € Zahlung an Mayer nicht nur im Rahmen eines Buch-Deals erfolgt sei, sondern auch um ihn dazu zu bewegen, seine Klagen gegen IOC-Präsident Jacques Rogge und den damaligen Präsidenten der WADA, Richard Pound, fallen zu lassen.

Im Juli 2009 reicht Roth Klage gegen Mayer ein, weil dieser bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts über die turiner Affäre enthüllt hatte, und laut Roth somit ein klarer Vertragsbruch vorlag. Roth bestritt weiterhin, dass die 290 000 € als Schweigegeld gedacht waren.

Im September 2009 inszeniert sich Roth plötzlich als der große Enthüller, indem er haufenweise Akten vorlegt, die angeblich Beweise für allerlei dubiose Zahlungen rund um die Salzburger Olympia-Bewerbung beinhalten (schließlich waren solche Zahlungen ja anscheinend sein Job). Im Mittelpunkt stehen natürlich wieder die Zahlungen an Walter Mayer, in deren Zusammenhang Roth jetzt offen zugibt, dass der Buch-Deal nur ein Vorwand war um Mayer zu “kaufen”. Außerdem erhielt Roth kurz vor diesen Zahlungen 350 000 € vom Olympia-Förderverein, wodurch seine Variante, das Geld an Mayer aus eigener Tasche gezahlt zu haben, ziemlich unglaubwürdig wird.

Jetzt Frage ich mich natürlich, wie sich dieser Standpunktwechsel Roths mit seiner Klage gegen Mayer vereinbaren lässt (kann denn Schmiergeld zurück verlangt werden?), und was nebenbei mit den restlichen 60 000 € passiert ist.

Dass dieser Standpunktwechsel überhaupt stattgefunden hat, lässt sich ganz einfach mit dem Auffliegen der verschwundenen Doping-Million des ÖSV erklären. Außerdem dürfte Roth am Beispiel Bernhard Kohls gelernt haben, dass man, mit dem Rücken zur Wand, besser ein Enthüller ist als ein Leugner, zumal ja hauptsächlich Heinz Jungwirth als Drahtzieher an den Pranger gestellt wurde. Also am besten gleich selbst zum Steinewerfen beginnen, besonders wenn man die Steine gut an Tageszeitungen verkaufen kann.

Copyright: flickr/Tracy O

Kommt man wieder auf die aktuelle Situation zurück, ergibt sich folgendes Bild. Roth behauptet weiterhin, die 290 000 € an Mayer aus eigener Tasche für die Rechte an seiner “Lebensbeichte” bezahlt zu haben, obwohl er selbst öffentlich zugegeben hat, dass diese Sache nur ein Vorwand war. Weiters heißt es, dass oben erwähntes Enthüllungs-Interview nun der erste Teil dieser Beichte sei.

Für mich sieht die Sache aber eher so aus: Für Roths Klage und Image hat es vermutlich eher schlecht ausgesehen, nachdem er die Sache mit dem Schweigegeld enthüllt hatte. Ich nehme also an, dass er sich mit Mayer arrangiert hat, damit die beiden mit seiner Beichte (die natürlich für viel Geld an eine Tageszeitung verkauft wurde) ein wenig Taschengeld verdienen können und um nebenbei sein eigenes Image wieder aufzupolieren. Denn plötzlich ist es nicht mehr Roth der Mayer mit seinem Geld zum Schweigen gebracht hat, sondern hohe Offiziere des österreichischen Bundesheeres.

Das mag ja sogar stimmen, allerdings ist es schon sehr interessant dass sich gerade Erwin Roth um die Enthüllung dieser Tatsache bemüht.

Sieht man sich jetzt also das Gesamtbild an, dann lässt sich schon sehr gut erkennen wer die “Big Player” im Sumpf der österreichischen Sportpolitik sind.

Ähnliche Beiträge:

  • Share/Bookmark

Autor: doxidox
Datum: Sonntag, 20. September 2009 22:05
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein, Doping, Sportpolitik

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

2 Kommentare

  1. 1

    APA0346 5 SI 0177 Mo, 21.Sep 2009

    Olympia/ÖOC/Umfrage

    market-Umfrage: Österreicher wünschen Sportler als ÖOC-Präsidenten

    Utl.: Innauer, Klammer demnach klar vor Politikern und
    Wirtschafts-Fachleuten =

    Wien (APA) – In einer Umfrage des market-Instituts nach dem geeignetsten Nachfolger des scheidenden ÖOC-Präsidenten Leo Wallner haben die Österreicher (früheren) Sportlern ganz klar den Vorzug gegenüber Politikern und Vertretern der Wirtschaft gegeben. Von den 500 in der vergangenen Woche telefonisch befragten Personen würden 36 Prozent Toni Innauer und 31 Prozent Franz Klammer zum ÖOC-Präsidenten wählen. Alfred Gusenbauer (6 Prozent) und der von Spitzenvertretern des Sports als Wallner-Nachfolger favorisierte Casinos-Generaldirektor Karl Stoss (1 Prozent) sind nach den Ergebnissen dieser Befragung weit abgeschlagen.

    market hatte vier Namen von früheren Sportlern, zwei Politikern und vier Wirtschaftsfachleuten vorgegeben. Auch bei der zweiten Frage nach der besten Eignung liegen Innauer (insgesamt 70 Prozent halten ihn für sehr geeignet bzw. geeignet), Klammer (69) und Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher (39) deutlich voran. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und Dressur-Olympiasiegerin Sissy Max-Theurer wurden von 25 bzw. 23 Prozent genannt. Stoss wurde von 13 Prozent genannt, 63 Prozent können ihn allerdings noch nicht einschätzen und antworteten mit “weiß nicht”.
    (Schluss) ef/haz

  2. 2

    Ist irgendwie eine nette Vorstellung, z.B. Innauer als ÖOC Präsident … leider bezweifle ich aber dass das passieren wird :)

Kommentar abgeben