Die 2-Klassen-Gesellschaft im Frauenhandball

Auch im Frauenhandball hat die neue Saison begonnen, und so startete die (selbsternannte) stärkste Frauenliga, die WRHL (Women’s Regional Handball League), ebenfalls mit ihren ersten Spielen. Diese Liga besteht aus 8 internationalen Topvereinen, die allesamt zu Hause das selbe Schicksal teilen.
Dieses lautet kurz zusammengefasst: Es gibt keine nationale Konkurrenz.
So kommt es zum Beispiel zustande, dass Vereine wie Hypo Niederösterreich (8 x Champions-League Sieger) schon 33 Mal in Folge die Meisterschaft im Heimatland gewinnen konnten.
Das mag zwar nach einer ganz netten Situation klingen, birgt aber 2 große Probleme in sich.
Erstens ist die heimische Liga für Medien (insbersondere das Fernsehen) und folglich auch für Sponsoren absolut uninteressant, denn wer will schon sehen wie ein internationales Star-Ensemble den anderen Mannschaften eine Lehrstunde nach der anderen verpasst. Daher stellen die Champions-League und andere internationale Bewerbe die einzige lukrative Bühne für Sponsoren des Vereins dar, nur ist man mit diesen Bewerben alleine bei weitem nicht die ganze Saison ausgelastet.
Zweitens braucht eine gute Mannschaft auch gute Gegner um sich zu verbessern bzw. auf ihrem Niveau zu bleiben. Spielt man also die ganze Saison nur auf Halbgas, dann kann der Sprung in die Champions-League, wo man plötzlich 100% der Leistung bringen muss, einige Probleme aufwerfen.
Aus diesen zwei Gründen wurde also im Sommer 2008 eine länderübergreifende Liga erschaffen. Mit dabei sind Vereine aus Österreich, Kroatien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Slowenien. Gespielt wird jeweils eine Hin- und Rückrunde, also 14 Spiele für jeden Verein.
In die nationalen Meisterschaften steigen die teilnehmenden Mannschaften dann immer erst in einem Play-Off oder einer Finalserie ein.
Diese Liga war ein sehr notwendiger Schritt wie ich finde, denn in kaum einer Sportart ist der Niveauunterschied in vielen nationalen Ligen so offensichtlich. Außerdem müssen die betroffenen Vereine auch ihre finanzielle Wettbewerbsfähigkeit erhalten, denn gute Spielerinnen können in stärkeren Ligen, wie z.B. der dänischen, wesentlich lukrativere Verträge abschließen, da die dortigen Vereine ein Vielfaches an Budget zur Verfügung haben.
Für mich stellt sich jetzt zum Schluss noch die Frage, ob sich nicht auch in näherer Zukunft eine ähnliche Entwicklung im Herrenhandball abspielen wird. Sieht man sich die derzeitige Situation an, wo eine Handvoll Vereine fast unbegrenzte Budgets zur Verfügung haben, während in anderen Vereinen Spieler auf Teile ihres Gehalts verzichten müssen, dann kann das nur zu einem weiteren Auseinanderklaffen der Spielniveaus führen.
Und ob sich die Fans für eine Liga interessieren, in der es nur ein paar Top-Spiele zwischen den ersten 3 Vereinen gibt, ist sehr fraglich.
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Montag, 14. September 2009 0:54
Vielleicht wäre es im Damenhandball von Vorteil eine Art Europaliga einzuführen, sofern diese auch für die Vereine tragbar wäre. Wenn eine Mannschaft 33 Mal in Folge Landesmeister wird, dann ist das doch schon sehr heftig und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich diese Eintönigkeit positiv auf die nationale Liga auswirkt.
Gruß, Daniel.
Montag, 14. September 2009 1:05
Seh ich auch so, allerdings haben eben nicht alle Länder diese Probleme, und eine echte Europa-Liga würde sicher einen wesentlich größeren Reise- und somit auch Geldaufwand für die Clubs bedeuten.
Außerdem würde man damit doch theoretisch mit der Champions-League ziemlich stark in Konkurrenz treten … ich glaube nicht dass die sich da den Rang ablaufen lassen will
Das gäbe vielleicht eine böse Schlammschlacht die dem Sport dann auch net weiterhilft.