Sportreporter bald vom Aussterben bedroht?
Die Krise macht auch nicht vor Tageszeitungen halt, weshalb in diesem Tätigkeitsfeld derzeit genauso eingespart werden muss wie in vielen anderen Bereichen. Am besten scheint das beim Sport zu gehen, weshalb in den USA 49 Tageszeitungen eine verlagsübergreifende Kooperation für die Sportberichterstattung geschlossen haben.
Diese Content-sharing Alliance sieht vor, dass Artikel und Kolumnen auf eine Basis-Website hochgeladen und von jeder teilnehmenden Redaktion verwendet und auch editiert werden können. Einzige Voraussetzung ist, dass die weiter verwendeten Geschichten Angaben zum Verfasser und dem Ursprungsmedium beinhalten.
Die größeren Zeitungen werden die zusätzlichen Stories hauptsächlich dazu verwenden, ohne großen Aufwand ihre Online-Auftritte ein wenig aufzupeppen. Für kleinere Zeitungen aber bedeutet diese Kooperation, endlich wieder über große Sportevents berichten zu können, bei denen man sich die eigene Berichterstattung nicht (mehr) leisten konnte.
Ein Projekt also, bei dem jeder zu gewinnen scheint? Ganz sicher bin ich mir da persönlich nicht. Es könnte durchaus sein, dass dabei etwas ganz entscheidendes auf der Strecke bleibt:
Vielfalt
Jeder Journalist bringt in gewisser Weise eine ganz persönliche Note in seine Artikel ein. Auch wenn die Berichterstattung nach außen hin sehr objektiv wirkt, so wurde der Text doch immer von einem ganz bestimmten Standpunkt aus geschrieben, was sich dann zwischen den Zeilen herauslesen lässt.
Werden jetzt ein paar wenige Artikel zu einem Thema oder zu einer Veranstaltung von vielen Zeitungen übernommen (weil es einfach viel schneller und billiger ist), dann fehlen am Ende vielleicht einige Blickwinkel, die man sonst zur Verfügung gehabt hätte. Es könnte sich also die Sportberichterstattung in einen einzigen grauen (Meinungs)Einheitsbrei verwandeln.
Natürlich male ich hier grade den Teufel an die Wand, aber von der Hand zu weisen ist diese Überlegung nicht. Und Gedanken sollte man sich auf jeden Fall über dieses Thema machen, denn auch bei uns gibt es schon den Trend dazu die eigene Sportberichterstattung auszulagern und von Partnern oder Nachrichtenagenturen “abzuschreiben”.
Natürlich erfordern Krisen immer gewisse Maßnahmen, um mit ihnen fertig zu werden, aber die Sportberichterstattung sollte deswegen trotzdem nicht zu einem Monopol von ein paar großen Verlagen werden … nur weil es für die anderen vielleicht billiger und bequemer ist.
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Freitag, 8. Januar 2010 12:13
Hey Doxi,
dieses Verhalten ist z.B. in Deutschland schon seit Jahren Usus. Jegliche Sportinformation wird über große Kanäle an die kleinen Redaktionen weitergegeben. Das sind z.T. nur Fakten, die man sich selber aufbereiten kann, aber faule Redakteure können mit Copy/Paste einges an Zeit sparen. Wenn Du mal bei kleineren Online-Ausgaben von Zeitungen zu einem Thema recherchierst, wirst Du feststellen, dass komischerweise sogar der Wortlaut identisch ist. Das hat leider nur bedingt mit der Krise zu tun, sondern mE eher mit Informationsstrukturen.
cu