Jamaikaner mit Schnupfen vor der WM (UPDATE)

Womens 100m Finals

Jetzt ist es offiziell: Die 5 positiv getesteten jamaikanischen Sprinter/innen Yohan Blake, Marvin Anderson, Lansford Spence, Allodin Fothergill und Sheri-Ann Brooks werden nicht von jamaikanischen Anti-Doping Disciplinary Panel gesperrt.

Schon am Donnerstag wurde bekannt dass Sheri-Ann Brooks wegen eines angeblichen Verfahrensfehlers der JADCO (Jamaica Anti-Doping Commission) von allen Dopingvorwürfen befreit wurde. Laut ihrem Anwalt wurde ihr nicht mitgeteilt, wann und wo genau die Öffnung ihrer B-Probe stattfinden wird, was einen klaren Verfahrensfehler darstellt. Von offizieller Seite hieß es dann jedoch, dass der Grund eher eine “Irregularität”  bei der Auswertung der B-Probe war, ohne genauer auf Details einzugehen.

Irgendwie ein lächerlicher Weg sich aus der Affäre zu ziehen, aber wenn es juristisch korrekt ist, dann ist es eben so. Die Frage ist nur ob die JADCO wirklich Mist gebaut hat, oder absichtlich ein Schlupfloch generiert wurde. In jedem Fall eine peinliche Aktion.

Die anderen 4 Athleten mussten noch bis heute Montag zittern, doch auch sie wurden von allen Dopingvorwürfen freigesprochen, weil das jamaikanische Anti-Doping Disciplinary Panel nicht eindeutig beweisen konnte dass die betroffene Substanz in den Bereich der von der WADA deklarierten verbotenen Substanzen fällt.

Laut trackalerts.com nennt sich die Substanz, um die es sich handelt, 4-Methyl-2-Hexanamin

Das haut uns nicht-Chemiker natürlich nicht sonderlich vom Hocker, weshalb ich erstmal nachgeschlagen habe was denn hinter diesem Namen steckt:

4-Methyl-Hexanamin [Tuaminoheptan] (also eine sehr ähnliche Substanz)

is a volatile sympathomimetic agent with topical decongestant activity. It is primary used for the relief of nasal congestion and may be found in over-the counter pharmaceutical preparation such as Rinofluimucil®. Due to it’s central nervous system stimulating properties and potential for abuse in competition, it was introduced in 2007 in the Prohibited List of the World Anti-Doping Agency. (Quelle)

Für alle, die nicht die Hälfte der Worte im Wörterbuch nachschlagen wollen (so wie ich :) ), heißt das kurz übersetzt: Es handelt sich um eine Substanz die eine abschwellende Wirkung hat und in vielen rezeptfreien Nasentropfen und -sprays verwendet wird. Sie steht aber aufgrund ihrer stimulierenden Wirkung auf das zentrale Nervensystem seit 2007 auf der Liste der verbotenen Substanzen der WADA.

Wikipedia macht sich die Sache noch ein bisschen einfacher und schmeißt diese Substanz in einen größeren Topf, der sich nur mehr Methylhexanamin nennt. Auch hier wird erstmal nur von einer abschwellenden Wirkung geredet, im Verlauf des Eintrags wird man aber wiederum mit der stimulierenden Wirkung konfrontiert.

Although intended [...] to be used as a nasal decongestant, methylhexaneamine has been marketed by certain companies as a dietary supplement in combination with caffeine and other ingredients, under trade names such as Geranamine and Floradrene, to be used as an over-the-counter thermogenic or general purpose stimulant. Geranamine itself has not been researched intensively, with its pharmacological profile not looked at since Eli Lilly filed its patent in 1944, stating that the stimulant effects on the CNS are less than that of amphetamine or ephedrine.

Die stimulierende Wirkung kommt übrigens durch eine Hemmung des Adrenalin/Noradrenalin Abtransports zustanden, wodurch mehr von diesen Stoffen im extrazellulären Bereich vorhanden sind. Das führt wiederum zu einer erhöhten Erregung und Wachsamkeit sowie auch zu mehr Energiebereitstellung und Ausdauer.

Das bedeutet also, dass entweder eine große Schnupfenwelle unter den jamaikanischen Athleten umgegangen ist, oder sie sich vor dem Wettkampf noch ein wenig aufpeppen wollten um im richtigen Moment 100% (oder mehr) von ihrem Körper abrufen zu können.

Wie viel dieser stimulierende Effekt tatsächlich bringt lässt sich für mich irgendwie schwer einschätzen, eine klare Leistungssteigerung ist aber ohne Zweifel gegeben.

Fakt ist jedenfalls dass Tuaminoheptan auf der Liste der verbotenen Substanzen steht, mit dem Zusatz “… und andere Substanzen mit einer ähnlichen chemischen Struktur oder ähnlichen biologischen Effekten”

Es wäre also äußerst interessant zu erfahren wie sich die 4 oben genannten Herren aus der ganzen Sache rausargumentiert haben, obwohl ziemlich offensichtlich ist dass es sich um eine verbotene Substanz handelt. Vielleicht werden ja noch genauere Details zu dieser Entscheidung der JADCO veröffentlicht.

Wir dürfen uns demnach auf eine Leichtathletik WM freuen, bei der eindeutig gedopte Sportler dabei sind. Lustigerweise sind das nichtmal die Top-Favoriten in ihren Disziplinen. Was uns das sagen sollte, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.

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Update:

Erstmal eine Richtigstellung: Die 4 Sportler wurden nicht von der JADCO (vorläufig) von den Vorwürfen freigesprochen, sondern vom jamaikanischen Anti-Doping Disciplinary Panel.

Das ist insofern relevant, weil die JADCO (Jamaica Anti-Doping Commission) jetzt Berufung gegen diese Entscheidung eingelegt hat, da sie sehrwohl der Meinung ist dass 4-Methyl-2-Hexanamin von ähnlicher chemischer Struktur wie das verbotene Tuaminoheptan ist

Der Fall kommt damit vor das Berufungs-Komitee der JADCO, dessen Entscheidung dann die endgültige sein wird.

So imponierend die Beharrlichkeit der JADCO hier scheinen mag, so unvermeidlich war im Endeffekt diese Vorgehensweise. Hätte man nicht Berufung eingelegt, wäre jegliche Integrität dieser Institution zerstört worden und das kann sich eine Laufnation wie Jamaika einfach nicht leisten. Schließlich möchte man seine Produkte (Athleten) ja auch weiterhin der Sportwelt verkaufen können.

Ich bin mal gespannt wie diese Geschichte ausgeht.

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Autor: doxidox
Datum: Montag, 10. August 2009 21:47
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