IAAF – Selbstüberschätzung oder Untergang?

International Association of Athletics Federations

Man kann sich als Dachverband der Leichtathletik vor seiner absoluten Highlight-Veranstaltung schon auch ziemlich heftig ins eigene Knie schießen. Anders kann man die Vorgehensweise der IAAF kurz vor Beginn der Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 23. August 2009) einfach nicht bezeichnen.

Als erstes gibt Chris Butler, Anti-Doping-Sprecher des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), zu dass es in Afrika seit Jahresbeginn noch keine einzige Blutkontrolle gegeben hat. Bekannterweise können ja die meisten illegalen Substanzen heutzutage nur mehr durch Blutkontrollen (und nicht im Urin) nachgewiesen werden. Als Grund gibt er das Fehlen eines ausreichend ausgestatteten und akkreditierten Labors in Afrika an. Die Blutproben müssten schließlich innerhalb von 36 Stunden ausgewertet und bei 4° Celsius gelagert werden, wordurch ein versenden zu den Labors in Europa (oder gar Nordamerika) nicht möglich wäre.

Ein sehr passendes Statement dazu habe ich heute in einer Tageszeitung gelesen:

Da würden sich Urlauber oder Geschäftsleute schön bedanken, wären sie, von wo auch immer in Afrika, länger als 36 Stunden unterwegs, etwa nach Wien-Schwechat, das vom anerkannten Labor in Seibersdorf dann nur noch einen Katzensprung entfernt wäre. (Fritz Neumann)

Und den Versand von ein paar hundert Kühlboxen für ganz Afrika wird sich die IAAF wohl gerade noch leisten können … ob sie es will ist die andere Frage.

Genaue Zahlen zu den Dopingkontrollen in der Leichtathletik gibt es übrigens hier

Copyright: flickr/cha3701

Als zweites nimmt die JAAA (Jamaica Amateur Athletic Association) ihre Forderung zurück die 6 Athleten

  • Asafa Powell (Weltmeister, Olympiasieger)
  • Shelly-Ann Fraser (Olympiasiegerin)
  • Shericka Williams (Silber Olympische Spiele)
  • Brigitte Foster-Hylton (Bronze Weltmeisterschaft)
  • Kaliese Spencer
  • Melaine Walker (Olympiasieger)

von der Startliste der Weltmeisterschaft in Berlin zu nehmen … aufgrund der Intervention der IAAF.

Die Geschichte dahinter gibt es hier, in Kurzform lautet sie wie folgt:

Die Jamaikaner veranstalteten ein Trainingscamp in Herzogenaurach. Die IAAF selbst bestand angeblich darauf dass alle Athleten an diesem Camp teilnehmen, weil in dessen Zuge auch Urin- und Bluttests gemacht werden sollten. Plötzlich hieß es dass oben genannte Athleten nicht erscheinen werden, sondern direkt nach Berlin anreisen werden. Die JAAA hat den Manager der Läufer angeblich darauf hingewiesen, dass ein Fernbleiben vom Camp einen Entzug der Startberechtigung mit sich bringen würde (was der natürlich bestreitet), was an der Sache aber nichts geändert hat.

Die IAAF wollte also löblicherweise Bluttests im Vorfeld bei den Jamaikanern durchführen, die bekamen davon aber Wind wie es scheint und sind einfach nicht gekommen. Die JAAA sucht weiters löblicherweise darum an die betroffenen Athleten also von der Startliste zu nehmen, aber die IAAF selbst nimmt das ganze dann nicht mehr so tragisch und zieht alle Stränge damit die JAAA ihre Forderung zurück nimmt. Mein Lieblingszitat dazu:

We asked Jamaica to reconsider in the interest of sport. (Pierre Weiss – IAAF general secretary)

Die Interessen des Sports scheinen also derzeit in eine verdammt falsche Richtung zu gehen.

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Autor: doxidox
Datum: Mittwoch, 12. August 2009 19:30
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Ein Kommentar

  1. 1

    [...] zu den ganzen Doping-Diskussionen rund um die Leichtathletik-WM in Berlin wurde jetzt eine andere sehr interessante Studie [...]

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