Das Spiegelbild unserer Gesellschaft

Bernie Ecclestone Announces Global Sponsorship Deal

Bernie Ecclestones kontroverses Interview in der Times dürfte mittlerweile jedem ziemlich gut bekannt sein, da es ja weit und breit in allen Medien auseinandergenommen wurde. Mich persönlich wundert eigentlich warum dieses Interview als riesen Skandal gesehen wird, schließlich repräsentiert Herr Ecclestone genau den Standpunkt eines Großteils unserer Bevölkerung.

Um die wichtigsten Aussagen des Formel-1 Chefs noch einmal zusammenzufassen:

In a lot of ways, terrible to say this I suppose, but apart from the fact that Hitler got taken away and persuaded to do things that I have no idea whether he wanted to do or not, he was in the way that he could command a lot of people, able to get things done.

In the end he got lost, so he wasn’t a very good dictator because either he had all these things and knew what was going on and insisted, or he just went along with it . . . so either way he wasn’t a dictator.

und

Democracy hasn’t done a lot of good for many countries – including this one [Britain].

Politicians are too worried about elections.

Als ich diese Aussagen das erste Mal gelesen habe viel mir sofort ein Zeitungsartikel ein, den ich vor kurzem einmal überflogen hatte. In diesem Artikel ging es um die neuesten Ergebnisse zum Thema “Wertewandel” in Österreich. Die auffälligsten Aussagen der erhobenen Studie waren folgende (Quelle):

Ein Fünftel der Bevölkerung kann sich sehr oder ziemlich gut vorstellen, “einen starken Führer zu haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss”.

Vier von zehn Österreichern meinen, Demokratien seien “entscheidungsschwach” , und es gäbe “zu viel Zank und Hader”.

Sechs Prozent halten es gar für erstrebenswert, dass “das Militär das Land regieren” sollte.

Das entspricht ziemlich genau dem, was Bernie Ecclestone so von sich gegeben hat (lässt man mal außer acht dass er in Frage stellt ob Hitler nicht vielleicht zu vielen Dingen überredet werden musste), nur hat diese Studie bei weitem nicht das selbe Medienecho erhalten wie oben erwähntes Interview.

Wenn also etwas als Skandal gelten sollte, dann sicher das was irgendein ein 78-jähriger Billionär von sich gibt, sondern der (sehr fragwürdige) Standpunkt von zumindest 1,6 Millionen Österreichern … und vermutlich noch vielen Millionen Menschen mehr in anderen Ländern. Aber es ist ja immer viel leichter und angenehmer mit dem Finger auf jemand anderen zu zeigen, auch wenn es sich nur um das Spiegelbild unser selbst handelt.

Vielleicht sehen wir alle diese Geschichte aber auch nur unter einem ganz falschen Gesichtspunkt und die Formel 1 will lediglich die (letztes Jahr gestartete) Tradition von Nazi-Skandalen zewcks Publicity fortsetzen. All den Verschwörungstheoretikern da draußen müsste diese Tatsache doch ins Gesicht springen … aber Leute vergessen ja bewiesener Maßen sehr schnell, womit wir wieder bei den Diktatoren wären.

Ähnliche Beiträge:

  • Share/Bookmark
Tags » , «

Autor: doxidox
Datum: Freitag, 10. Juli 2009 19:25
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Allgemein, Medien

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben