535.000 Euro vor die Säue?

Der Nationalen Anti-Doping-Agentur Österreichs (NADA) werden heuer 535.000 Euro mehr zur Verfügung stehen, also insgesamt 1,7 Millionen Euro. Die Mehrmittel sollen vorrangig in Präventionsmaßnahmen investiert werden, also hauptsächlich in Information und Aufklärung. Die NADA plant Schulungsmaßnahmen für Trainer und Betreuer, eine Ärzteinformationskampagne, eine Broschüre über die Gefahren von Gendoping und eine Infotour an allen Schulen mit starkem Sportbezug. Ob diese Investitionen wirklich sinnvoll sind, wage ich aber zu bezweifeln.
Anscheinend haben einige Leute noch immer nicht begriffen, dass man Doping im Sport nicht in den selben Topf wie z.B. Rauchen oder Drogenkonsum werfen kann. In letzteren zwei Bereichen mag Information und Aufklärung vielleicht eine sehr präventive Wirkung haben, im Sport bezweifle ich diesen positiven Effekt aber, weil die Ausgangsposition bzw. der Zugang einfach ein komplett anderer ist.
Als Nachwuchsathlet hat man vielleicht schon mehr als 10 Jahre seines Lebens in eine Sportart investiert, wenn man plötzlich vor die Wahl gestellt wird:
Entweder man möchte wirklich die Laufbahn eines Leistungssportlers weiterverfolgen, dann muss man beginnen das auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu tun um überhaupt die Chance zu haben mal ganz vorne mitzumischen, oder man lässt es eben doch bleiben.
Selbst wenn man ein absolut mündiger und aufgeklärter Athlet ist wird man trotzdem jedes eventuelle Gesundheitsrisiko freiwillig in Kauf nehmen, sollte man sich für die Leistungssportlaufbahn entscheiden. Oder man nimmt das Risiko nicht in Kauf und wählt eben eine andere Karriere. Es wird aber ganz sicher niemanden geben, der seine gesamte Zeit in eine Sportart investiert obwohl er genau weiß dass er niemals ein Topergebnis erzielen kann.
Das einzige was Information und Aufklärung bewirken könnten ist demnach, dass sich weniger junge Leute für den Spitzensport entscheiden und, mit Rücksicht auf ihre Gesundheit, eine andere Laufbahn wählen.
Schulungen für Trainer halte ich persönlich sowieso für die sinnloseste Geldverschwendung, denn jeder gute Trainer weiß GANZ genau bescheid was in der jeweiligen Sportart getan werden muss, um nach vorne zu kommen. Zwingen diesen Weg auch zu gehen kann man sowieso niemanden.
Ärzteinformationskampagnen werden vielleicht an der einen oder anderen Stelle die Bewusstseinsbildung gegenüber Doping positiv beeinflussen, aber überall wo es (sehr) viel Geld zu verdienen gibt findet sich auch immer jemand der das Angebot zur Nachfrage stellt.
Der einzige Bereich wo präventive Maßnahmen vielleicht greifen könnten ist der Breiten(leistungs)sport. Auch hier wird mit Sicherheit gedopt, wenn auch nicht unbedingt systematisch, obwohl der finanzielle/materielle Anreiz relativ gering ist. Hier herrschen also die selben Bedingungen wie z.B. beim Rauchen.
Meiner Meinung nach wären die 535.000 Euro also wesentlich besser investiert, wenn man sie zu einem Großteil für mehr und bessere Kontrollen ausgeben würde, anstatt für nette Broschüren. Aber der Begriff “Präventionsmaßnahmen” klingt nunmal einfach verdammt gut.
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