Waren die Fans schuld?

Quelle: Wikipedia

Die Pittsburgh Penguins haben den Stanley Cup gewonnen. Im 7. und entscheidenden Spiel der Finalserie konnten sie sich mit 2:1 gegen die Detroit Red Wings durchsetzen. Das kam doch ein wenig unerwartet wenn man bedenkt dass dieses Spiel in Detroit stattfand und keine der beiden Mannschaften in den Begegnungen davor ein Heimspiel verloren hatte. Aber vielleicht war ja gerade dieser erwartete Heimvorteil Schuld an der Niederlage.

Untersuchungen und Studien über den Heimvorteil gibt es mittlerweile sehr viele, nur die Ergebnisse spiegeln nicht unbedingt das wider, was jeder von uns darüber zu wissen glaubt. Positive Effekte von Spielen vor Heimpublikum konnten zwar nachgewiesen werden, sie sind aber in der Regel wesentlich geringer als wir Fans das wahr haben wollen. So bringt es zum Beispiel kaum etwas einen Spieler der Gastmannschaft bei einem Strafstoß/Freiwurf durch irgendwelche Aktionen stören zu wollen. Anfeuerungen für die Heimmannschaft können sogar negative Effekte hervorrufen. Besonders bei koordinativen Aufgaben soll ein negativer Einfluss stattfinden. Einzig auf konditionelle Aufgaben sollen Fans einen positiven Einfluss haben. Das heißt also dass Anfeuerungen einen Fußballer z.B. nicht zum Ballzauberer werden lassen, dafür aber vermutlich seinen Einsatz und seine Laufbereitschaft steigern.

Eine der interessantesten Studien zum Heimvorteil geht sogar noch einen Schritt weiter. R.F. Baumeister konnte in seiner Studie von 1984 beweisen, dass es in entscheidenden Spielen um die Meisterschaft gar keinen Heimvorteil gibt, sondern eher einen Heimnachteil. Der Grund dafür ist seiner Meinung nach, dass in eigentlich vorteilhaften Situationen (z.B. Heimspiel) die Möglichkeit, eine neue Identität zu erhalten (z.B. Champion zu werden), zu einer leistungsmindernden Hinwendung auf das eigene Selbst führt. Das heißt übersetzt dass Spieler viel zu sehr über ihr eigenes Spiel nachdenken und somit krampfhaft versuchen das Beste zu geben, anstatt sich auf ihre automatisierten und einstudierten Fertigkeiten und Spielzüge zu verlassen.

Ob das der Grund war warum die Red Wings zu Hause verloren haben sei dahingestellt, schließlich wurde ja weiter oben schon erwähnt dass der Einfluss vom Publikum wesentlich geringer ist als man es sich vorstellt. Man darf schließlich nicht vergessen dass alle Spieler absolute Profis mit langfähriger Erfahrung sind und schon sehr sehr oft vor zig tausenden jubelnden oder pfeifenden Fans gespielt haben. Außerdem waren die Pittsburgh Penguins erst das 3. Team überhaupt das es geschafft hat, im siebenten Spiel auswärts den Titel zu gewinnen. Das spricht schon irgendwie gegen die Studie von Baumeister.

Vermutlich kommt es eben immer auf die spezifische Situation und vor allem auf den betroffenen Spieler an, welchen Einfluss Zuschauer haben können. Besonders bei Spielern mit weniger Selbstvertrauen scheint der Einfluss größer zu sein. Aber mal ehrlich, welcher Spieler in einem NHL-Finale wird schon an zu wenig Selbstvertrauen leiden?

Literaturverzeichnis:

R.F. Baumeister; Choking under pressure: self-consciousness and paradoxical effects of incentives on skillful performance; Journal of personality and social psychology, 1984 Mar; 46(3): 610-20

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Autor: doxidox
Datum: Samstag, 13. Juni 2009 19:16
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