Ultimate Lobbying

Quelle: flickr/mrpatok

Gestern fand in Deutschland die erste Ultimate Fighting Championship statt. Im Vorfeld wurde ja sehr herftig über diese “Käfigkämpfe” (die eigentlich nicht wirkich in einem Käfig stattfinden) diskutiert, weil viele Politiker und vor allem auch Leute aus anderen Kampfsportbereichen ein Verbot dieser Veranstaltung durchsetzen wollten. Erreicht wurde letztendlich nur, dass die Altersbegrenzung auf 18 Jahre heraufgesetzt wurde. Aufgrund dieser hitzigen Debatten wollte ich mir mal selbst ein Bild machen und hab bei der Übertragung im Fernsehen kurz reingeschaut.

Bevor ich jetzt aber mit meinen Eindrücken und Gedanken dazu loslege, noch ein bisschen Basisinformationen:

Ultimate Fighting:

Ultimate Fighting wird auch als Mixed-Martial-Arts bezeichnet. Das bedeutet dass sehr viele Techniken aus unterschiedlichen Kampfkünsten erlaubt sind und daher der beste Kämpfer aus all diesen Sparten gesucht wird.

Neu ist diese Idee allerdings nicht unbedingt. Als die UFC noch in den Babyschuhen steckte (um 1993) gab es schon die K-1 Grand Prix Serie, hinter der die selbe Idee steckt. K-1 wurde aus dem Kickboxen entwickelt und um viele Techniken anderer Kampfsportarten erweitert, damit die Duelle noch spannender werden. Der größte Unterschied zwischen Ultimate Fighting und K-1 ist, dass im Ultimate Fighting Bodenkämpfe erlaubt sind und daher Techniken des Ringens einen sehr hohen Stellenwert bekommen.

Regeln:

Obwohl der Name es nicht unbedingt ausdrückt, gibt es seit dem Jahr 2000 im Ultimate Fighting auch klare Regeln bzw. Definitionen von Fouls. Was einem bei UFC-Kämpfen am meisten auffallen wird ist, dass der Kampf weitergeht, selbst wenn jemand am Boden liegt, wodurch man z.B. nach einem gutem Treffer sofort nachsetzen kann um den Kampf auch wirklich zu beenden.

Bevor ich mir also die Übertragung des UFC 99 zu Gemüte gezogen habe, bin ich natürlich noch durch diverse Blogs und Foren gesurft um zu sehen, was mich denn so in etwa erwarten wird. Dabei bin ich auf ein paar Youtube-Links mit den besten Knock-Out Szenen gestoßen, die ich doch ziemlich brutal fand. Ich war also der Meinung, dass mich ein ziemlich blutrünstiger Abend erwarten wird.

Quelle: Wikipedia

Nach den ersten Kämpfen war mir allerdings klar, dass dem ganz und gar nicht so ist. Die oben erwähnten Videos enthielten einfach nur Szenen aus den frühen Zeiten des Ultimate Fighting, in denen es wirklich noch (fast) keine Regeln gab. Um ganz ehrlich zu sein war ich von den Kämpfen sogar ein wenig enttäuscht, weil sie vielfach nur aus minutemlangen Gerangel am Boden bestanden, bei dem einer der Kämpfer versuchte endlich mal in eine gute Schlagposition zu kommen. Viele dynamische Szenen oder spektakuläre Techniken gab es nicht. Das einzige was doch deutlich auffiel war, dass es viel öfter zu blutenden Verletzungen kam und diese auch kaum verarztet wurden. Daher wälzten sich schon nach kurzer Zeit die Kämpfer in den breitgetretenen Blutspuren der Vorgänger.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich selbst wahrlich kein Kampfsport-Fan bin. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mittlerweile den Unmut mancher Leute über die überzogene Diskussion im Vorfeld dieser Veranstaltung gut verstehen kann. Einen wirklich großen Unterschied im Bezug auf die Brutalität gibt es zwischen Ultimate Fighting und Boxen nicht, zum K-1 gibt es meiner Meinung nach so gut wie keinen. Wenn also Journalisten aus allen Ecken auf diesen Kampfsport einschlagen, dabei aber kein einziges schlechtes Wort über Boxen oder ähnliches verlieren, dann ist das einfach nur Heuchelei.

Wenn sich Leute aus besagter Boxszene über die UFC aufregen, ist das schon viel verständlicher. In Amerika hat Ultimate Fighting das Boxen an Bekanntheit und Beliebtheit lange überholt, weshalb man natürlich eine ähnliche Entwicklung hier in Deutschland befürchtet. Diese Einwände kann man demnach als reines Lobbying ansehn.

Wenn man sich also über diese Brutalitäten im Fernsehen so arg aufregt, dann muss man auf jeden Fall den gesamten Kampfsport ins Visir nehmen, denn ob man sich jetzt nur mit den Händen oder auch mit den Füßen gegenseitig das Gesicht blutig schlägt, macht wahrhaft keinen großen Unterschied mehr.

Viel eher sollten wir uns Gedanken darüber machen, warum das Ausüben bzw. Betrachten von Gewalt noch immer so eine große Faszination auf viele Menschen ausübt. Wir sind doch immer so stolz auf die Errungenschaften unserer “modernen” Zeit, aber in dieser Hinsicht haben wir uns vom antiken Griechenland oder Rom rein gar nicht weiterentwickelt.

Wer sich mal ein Bisschen mehr Gedanken darüber machen will, dem kann ich zum Abschluss noch diesen Link (und vor allem den Podcast zum downloaden) empfehlen.

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Autor: doxidox
Datum: Sonntag, 14. Juni 2009 22:03
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2 Kommentare

  1. 1

    Richtig, eine schwarz-weiß oder gut-böse Diskussion ist völlig fehl am Platze. Als ehemliger leidenschaftlicher Kampfsportler (Boxen/Kickboxen)ist eine Auseinandersetzung nach Regeln wie das Leben selbst-das macht sportlich gesehen zunächst den Reiz aus. Geboxt wird seit der Antike, heute mit Handschuhen,Ringrichter und Ringarzt, auch wenn Menschen, die bekanntermaßen irren und oft subjektiv über Sieg und Niederlage entscheiden. Mann kann es lieben oder hassen. Aber, das von Dir angesprochene modifizierte Regelwerk beim UFC verschleiert die eigentliche Regel: Popkorn fressende, gelangweilte Amerikaner wollen mehr Brot und Spiele um nicht noch gelangweilter zu sein, was geschickte Vermarkter zu nutzen wissen.Wenn Du mal eine Wrestlingveranstaltung in Amerika besuchst, die Leute beobachtest und ins Gespräch kommst weißt Du was ich meine.Sensation um jeden Preis unabhängig vom Sport! Das man versucht einen Deckmantel der Seriösität über das ganze zu hängen ist verständlich, macht es im Kern aber nicht besser.Ja, ich weiß beim Boxen fließt oft auch zuviel Blut, auch mir. Mich erinnert es aber und da gehe ich viel weiter zurück, an die Steinzeit wenn man versucht möglichst viel Blut für den blutrünstigen Mob in den ersten Reihen fließen zu lassen, denn das ist ja Garant für weiteres Geschäft. Wahrscheinlich sind Steinzeitgehirne aber viel resistenter in und um den Ring…

  2. 2

    Richtig, eine schwarz-weiß oder gut-böse Diskussion ist völlig fehl am Platze. Als ehemaliger leidenschaftlicher Kampfsportler (Boxen/Kickboxen)ist eine Auseinandersetzung nach Regeln wie das Leben selbst-das macht sportlich gesehen zunächst den Reiz aus. Geboxt wird seit der Antike, heute mit Handschuhen,Ringrichter und Ringarzt, auch wenn Menschen, die bekanntermaßen irren und oft subjektiv über Sieg und Niederlage entscheiden. Mann kann es lieben oder hassen. Aber, das von Dir angesprochene Regelwerk beim UFC verschleiert die eigentliche Regel: Popkorn fressende, gelangweilte Amerikaner wollen mehr Brot und Spiele um nicht noch gelangweilter zu sein, was geschickte Vermarkter zu nutzen wissen.Wenn Du mal eine Wrestlingveranstaltung in Amerika besuchst, die Leute beobachtest und ins Gespräch kommst weißt Du was ich meine.Sensation um jeden Preis unabhängig vom Sport! Das man versucht einen Deckmantel der Seriösität über das ganze zu hängen ist verständlich, macht es im Kern aber nicht besser.Ja, ich weiß beim Boxen fließt oft auch zuviel Blut, auch mir. Mich erinnert es aber und da gehe ich viel weiter zurück, an die Steinzeit wenn man versucht möglichst viel Blut für den blutrünstigen Mob in den ersten Reihen fließen zu lassen, denn das ist ja Garant für weiteres Geschäft. Wahrscheinlich sind Steinzeitgehirne aber viel resistenter in und um den Ring…

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