Die wundersame Welt von Joseph und Michel
Wiedermal gibt es ein paar heitere Anekdoten aus der Fußballwelt. Zum einen wurde jetzt die Strafe für Didier Drogba ausgesprochen, der sich in den Augen der UEFA beim 2. Champions-League Halbfinalspiel gegen Barcelona ziemlich daneben benommen hat. Zum anderen arbeiten die Schiedsrichter beim Confederations Cup in Südafrika anscheinend zu gut, weshalb hier die FIFA etwas dagegen unternehmen musste.
Sperre für vier Europacup-Pflichtspiele plus Sperre für zwei weitere Begegnungen auf Bewährung (für 2 Jahre). So lautet das Urteil der UEFA im Fall Didier Drogba, der nach dem Ausscheiden des FC Chelsea im Champions-League Halbfinale ziemlich böse Worte und Gesten in Richtung des Schiedsrichters geworfen hat und die ganze Veranstaltung als Schande (im Original: f***ing Disgrace!) bezeichnet hat.
Für alle die dieses absolute Skandalspiel vielleicht schon wieder vergessen oder noch gar nicht gesehen haben ist hier eine kurze Erinnerung:
Eine Anmerkung am Rande: Warum für so ein wichtiges Spiel ausgerechnet ein Schiedsrichter ausgesucht wird, der schon bei der EM 2008 nach krassen Fehlentscheidungen nicht mehr eingesetzt wurde, bleibt mir ein Rätsel.
Aber gut. Jetzt versuchen wir uns doch mal in die Situation des Herrn Drogba nach dem Spiel hinein zu versetzen: Man rennt sich über 90 Minuten lang die Seele aus dem Leib, hat eine hundertprozentige Torchance vergeben die eigentlich alles klar gemacht hätte, die Mannschaft hat zumindest einen Elfmeter nicht bekommen den jedes Volksschulkind gepfiffen hätte, nur um dann doch noch als Verlierer vom Platz zu gehen.
Das entschuldigt sicherlich keineswegs das Anschreien und Beschimpfen des Schiedsrichters, verstehen kann man es vermutlich aber schon. Trotzdem sieht die Sache jetzt so aus: Chelsea wurde klar um das CL-Finale “betrogen” und bekommt jetzt zusätzlich noch einen auf den Deckel – in Form von 100.000 Euro Geldstrafe und der Sperre von zwei Stammspielern (weil neben Drogba auch Jose Bosingwa für 3 Spiele gesperrt wurde). Da sagt nochmal einer Sport wäre gerecht.
Ich finde man hätte sich in Betracht der außerordentlichen Umstände (Stichwort: Schiedsrichterleistung) die Strafe für den Club ruhig sparen können und meinetwegen nur die Spieler sperren. Sie waren es ja schließlich auch die für die unschönen Szenen gesorgt haben. Vielleicht will man bei der UEFA aber auch ein bisschen Muskeln spielen lassen, damit beim nächsten Skandalspiel niemand mehr offen sagt, was sich Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten denken: f***ing Disgrace!

Beim Confederations Cup in Südafrika hat man sowieso ganz andere Probleme. Dort dürfen ab sofort keine Fernsehschirme mehr am Spielfeldrand zwischen den Ersatzbänken postiert sein. Der Fußball-Weltverband (FIFA) will damit bei der WM-Generalprobe dem Vorwurf entgegentreten, dass Entscheidungen der Schiedsrichter durch Hinweise des vierten Offiziellen beeinflusst werden, der sich auf diesen Bildschirmen die TV-Bilder ansehen kann.
Ins Rollen gebracht haben die ganze Sache die Ägypter nach ihrer 3:4 Niederlage gegen Brasilien. Nach Ansicht des Afrika-Meisters hatte Referee Howard Webb (ENG) seine Entscheidung zum Platzverweis von Mohammed el Mohammedi und dem spielentscheidenden Elfmeter für Brasilien erst nach einem durch TV-Bilder gestützten Hinweis getrofffen.
Da werden von den Unparteiischen also endlich mal die richtigen Entscheidungen in kniffligen Situationen getroffen, aber das einzige was es bewirkt ist, dass sich die Leute noch viel mehr darüber aufregen. Ist ja auch klar, dass so etwas eine Frechheit ist … wenn die Entscheidung das eigene Team benachteiligt.
Offiziell sind die Ägypter allerdings im Recht, denn Schiedsrichterentscheidungen durch Ansicht von Fernsehbildern sind von der FIFA nicht erlaubt. Diese Regel hätte eventuell auch Italien ganz hart treffen können, denn sie war der Grund warum bei einem Pariser Gericht die Annullierung des WM-Finales 2006 eingeklagt wurde (Quelle). Wir alle erinnern uns an einen weiteren Meilenstein der Fußballgeschichte:
Der Anwalt Mehana Mouhou machte in seiner Klage geltend, dass Zidane erst vom argentinischen Schiedsrichter Horacio Elizondo ausgeschlossen worden sei, nachdem dieser die Videoaufzeichnung des Kopfstoßes gesehen hat. Die Rote Karte gegen Zidane “entspricht nur dann den Regeln, wenn der vierte Schiedsrichter, der dem Hauptschiedsrichter vom Zwischenfall berichtete, direkt gesehen hat, wie der Kapitän der Franzosen Materazzi einen Kopfstoß verabreichte”, heißt es in der Anklageschrift.
Da Italien noch immer Weltmeister ist nehme ich mal an, dass es mit der Klage nichts geworden ist. Trotzdem ist es doch ein wenig merkwürdig wenn man sich überlegt, dass die richtige Entscheidung des Schiedsrichters (die rote Karte gegen Zidane) vielleicht “illegal” war, weil es keiner direkt gesehen hat, und daher eine Fehlentscheidung der richtige Weg gewesen wäre.
Meiner Meinung nach ein Grund mehr den Videobeweis einzuführen, aber darüber wurde ja hier im Blog schon ausführlich geschrieben.
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Montag, 22. Juni 2009 12:03
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