Paintball als Ausbildungslager für Amokläufer

So reißerisch und unglaubwürdig die Überschrift auch klingen mag, ich hab sie mir nicht ausgedacht – sondern die deutsche Bundesregierung. Die plant nämlich ein generelles Verbot von Paintball (auch unter dem Namen “Gotcha” bekannt) als Reaktion auf den Amoklauf in Winnenden im März dieses Jahres.
Begründet wird das ganze so:
Der Gesetzgeber will das Simulieren von Töten verbieten (Wolfgang Bosbach, CDU)
Ok, klingt irgendwie logisch und schlüssig. Weiters wird aber folgendermaßen argumentiert:
Bei diesen sogenannten Spielen besteht die Gefahr, dass Gewalt verharmlost wird und hierdurch Hemmschwellen zur Gewaltanwendung abgebaut werden.
Lass ich mir auch noch einreden. Wann dürfen wir dann mit dem Verbot von Boxen und allen anderen Kampfsportarten rechnen?
Genau an diesem Punkt wird sichtbar, wie lächerlich durschaubar diese ganze Aktion ist. Für Tragödien wie den Amoklauf in Winnenden muss es irgendwo immer einen Sündenbock geben, weil man den Leuten schließlich nicht die Wahrheit zumuten kann – nämlich dass die ganze Gesellschaft, also wir alle, schuld daran sind dass es immer wieder zu solchen Blutbädern kommt.
Die komplexe Entwicklung der Persönlichkeit eines Menschen lässt sich nunmal ganz sicher nicht anhand von ein paar ausgewählten Dingen wie Paintball (oder auch sehr beliebt: Ballerspiele) erklären. Ein Haupteinflussfaktor für die Persönlichkeitsentwicklung ist nämlich die Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt, also mit unserer Gesellschaft. Die beginnt im engsten (und einflussreichsten) Kreis der Familie und Verwandten und weitet sich dann aus auf die Schule und alle möglichen Interaktionen im Alltag.
Die meisten Ursachen für Verhaltensstörungen lassen sich sicher in den ersten beiden Bereichen finden (Familie und Schule), ganz einfach weil sie den größten Einfluss auf einen jungen Menschen haben. Schließlich verbringt man als Kind oder Jugendlicher die meiste Zeit in diesen zwei Umgebungen. Wenn dort also etwas komplett schief läuft, dann kann sich das unter Umständen darin äußern dass sich jemand von gewaltverharmlosenden Sportarten oder Computerspielen angezogen fühlt, aber Auslöser sind diese Dinge nicht.
Dennoch braucht es wie gesagt einen Sündenbock wenn mal etwas passiert, damit sich die Bevölkerung wieder sicher fühlen kann. Also nimmt man eben mal schnell Paintballspieler her, weil die können sich noch am wenigsten wehren. Man hätte, wie oben schon gesagt, genau so gut Boxen an den Pranger stellen können, denn dass diese Sportart im selben Maße gewaltverharmlosend ist steht wohl außer Diskussion, nur gibt es hinter dem Boxsport eine ziemlich starke Lobby die vermutlich auf alle Barrikaden gestiegen wäre.
Mir geht es hier nicht darum Paintball in Schutz zu nehmen (obwohl es verdammt witzig zu Spielen ist), denn wenn man sich solche Bilder ansieht lässt sich die oben genannte Argumentation durchaus nachvollziehen:

Trotzdem ist Paintball eine Mannschaftssportart wie jede andere, bei der es um Athletik, Taktik und Teamplay geht. Dass dabei mit Farbkugeln herumgeballert wird die 200 km/h fliegen ist ziemlich nebensächlich. Man könnte genau so mit Schaumstoffkugeln schießen, nur würden die keine Treffer anzeigen und bei weitem nicht so gut fliegen.
Ich finde es einfach nur schade dass in einem Land vielleicht eine ganze Sportart ausgelöscht wird, nur um einen politischen Zweck zu erfüllen. Für die Politik sind aber schon ganz andere Opfer gebracht worden, da braucht man sich über sowas wiederum auch nicht wundern.
Nachtrag: Laut anderen Blogs aus Deutschland lässt sich Paintball wohl doch nicht so leicht unterkriegen. Hier sind 2 Berichte dazu:
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Donnerstag, 21. Mai 2009 21:01
immer diese sinnlosen wahlstimmenideen…
Freitag, 19. Juni 2009 10:40
hallo,
danke für deinen durchwegs positiven blog! nur ein kleiner fehler hat sich eingeschlichen! die kugeln fliegen nicht mit 200kmh sondern mit 230-300fuss pro sekunde (je nach land unterschiedliche auflagen) was etwa 90kmh entspricht!
Freitag, 19. Juni 2009 10:45
ahm…ich meinte natürlich 90m/sek
Freitag, 19. Juni 2009 12:43
Erstmal danke für deinen Kommentar. Ich hab jetzt nochmal kurz gegoogelt und hab auch gesehen dass oft von 60 m/s oder mehr die Rede ist.
Die Umrechnung von m/s in km/h erfolgt aber über den Faktor 3,6 (sprich 1 m/s = 3,6 km/h). Das ergibt bei 60 Metern die Sekunde 216 km/h, was ja in etwa dem entspricht was ich im Beitrag geschrieben habe. 90 m/s scheint mir aber doch recht viel, das wären dann 324 km/h
Den Umrechnungsfaktor hab ich übrigens hier nachgeschlagen: http://de.wikipedia.org/wiki/Meter_pro_Sekunde
Sonntag, 6. Dezember 2009 22:40
Ähhh…ganz andere frage. Kauft ihr die Bilder/Fragt ihr die Flickr User bevor ihr die Bilder verwendet? Und auch das Bild von wikipedia müsste eigentlich mit dem namen des copyright halters versehen sein und nicht wikipedia laut dem licensing oder?
Sonntag, 6. Dezember 2009 22:51
Wenn das Bild von Wikipedia kommt, dann steht “Quelle” dort … weil jeder den es interessiert auf der wiki seite nach dem copyright nachsehen kann.
Die Flickr Bilder fallen meines Wissens nach, wenn sie zum download freigegeben sind, genau so wie die Wiki Bilder unter die Creative Commons Licence.
Ich frage also die user nicht selber, gebe aber natürlich immer an von welchem User sie sind.
Dienstag, 8. Dezember 2009 16:05
ich würde mich an deiner stelle nochmal informieren. deine aussagen stimmen weder im fall von wikipedia noch von flickr. Bei beiden stehen jeweils die genauen möglichkeiten und rechte zur verwendung angegeben. Im Fall des ersten Bildes ist der Rechteinhaber (nicht wikipedia) zu erwähnen. Hat nichts damit zu tun das es jeder wiederfinden kann. darum geht es hier nicht. es gibt genaue auflagen.
und bei deinem 2ten bild z.b. ist in flickr ganz klar jede benützung ausgeschlossen. Bilder die auf flickr zu einer gewissen verwendung freigegeben sind kann man auf flickr speziell suchen. aber auch bei diesen gibt es auflagen und pflichten zur kennzeichnung. siehe flickr.com/creativecommons
Dienstag, 8. Dezember 2009 19:47
Ok, vielen Dank für die Hinweise …