Wii jetzt, das ist Sport?

Nintendo hat mit seiner Spielkonsole Wii ganz neues Terrain in der Videospielindustrie betreten. Das Konzept den Spieler als ganzes körperlich aktiv in den Spielverlauf einzubinden ist zwar nicht ganz neu (erste Versuche gabs von Sony mit dem “EyeToy” für die Playstation), die Wii perfektionierte es aber zu einem System das wirklich gut funktioniert und vielseitig einsetzbar ist. Doch noch während der Hype nach dem Verkaufsstart anhielt, wurden erste Meldungen laut die behaupteten, dass die Wii nicht nur Spaß bringt sondern auch ganz schön gefährlich sein kann.
Anfangs handelte es sich meistens um Berichte über Verletzungen oder Sachbeschädigungen durch herumfliegende Controller. Ist doch klar, wenn man zum alles entscheidenden Winner im Tennis ansetzt oder einen neuen Weitenrekord beim Golfabschlag aufstellen will, kann das Ding schonmal aus der Hand flutschen und zum Querschläger in der Wohnung werden. Zur Belustigung der Gaming-Community wurden dann im Internet diverse Fotos von blauen Augen und “Einschusslöchern” im Fernseher durch Wii-Controller gepostet.

Natürlich gibts bei den Dingern Sicherheitsleinen die ums Handgelenk gebunden werden, allerdings soll es öfters vorgekommen sein, dass auch diese durch zu starke Belastungen gerissen sind. Nintendo reagierte tatsächlich darauf und bot eine Art Rückholaktion an, bei der man diese Sicherheitsleinen durch verstärkte Versionen ersetzen lassen konnte.
Wem dann virtuelles Tennis oder Baseball doch noch zu wenig an körperlicher Aktivität war, der konnte sich “Wii Fit” zulegen. Das ganze Spiel / Programm dreht sich um das Balance-Board, auf dem die verschiedensten Fitnessübungen durchgeführt werden können, angefangen von Kraftübungen über Gleichgewichtsspiele bis hin zu Yoga.
Hier eine kleine Parodie auf die “Wii Fit” Werbung, bei der man trotzdem ganz gut erkennen kann worum es geht:
Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurden andere Bedenken zur Wii-Konsole laut. Wie in vielen Medien und Blogs berichtet wurde, zeigten diverse Chiropraktiker auf, dass es durch die Wii zu einem merkbaren Anstieg an sportähnlichen Verletzungen gekommen ist. Besonders häufig sollen Schmerzen im Knie und Überlastungserscheinungen im Ellbogen (ähnlich einem Tennisarm) vorkommen. Der Grund dafür ist, dass viele untrainierte Leute plötzlich stundenlang in ihrem Wohnzimmer herumspringen, ohne ihren Körper darauf vorbereitet zu haben. Dass es dann natürlich zu Überlastungen kommt, kann man sich ganz gut vorstellen. Von den Ärzten wird deshalb empfohlen sich wie vor richtigem Sport ein paar Minuten aufzuwärmen, um Kreislauf und Gelenke in Schuss zu bringen, und es von der Dauer her nicht zu übertreiben.
Vielleicht war auch das mit ein Grund, warum Nintendo am 26. März “Mein Fitness Coach” für die Wii herausbringt. Hier bekommt man einen virtuellen Personal-Trainer zur Seite gestellt, der mit einem wieder diverse Fitnessprogramme absolviert, je nach gewünschter Zielsetzung des Benutzers. Neu ist allerdings, dass auch andere Fitnessgeräte in die Übungen mit eingebunden werden können, wie z.B. Hanteln oder Gymnastikbälle.
Ansich finde ich die Idee ja recht löblich. Wenn die Wii es schafft Leute zur Bewegung zu motivieren, die sonst wirklich nur auf der Couch herumgesessen wären, dann darf man eigentlich überhaupt nichts böses darüber sagen. Trotzdem finde ich persönlich das ganze System ungenügend, weil zwar gute Übungen in der richtigen Ausführung vorgezeigt werden, aber niemand da ist der die Ausführung des Benutzers auch wirklich kontrolliert, so wie es z.B. im Fitnesscenter der Fall ist. Durch falsche Übungsausführungen ist dann natürlich wieder die Gefahr für Überlastungen oder sogar Verletzungen gegeben.
Insofern sehe ich solche Fitnessspiele zwar als lustiges Zusatzprogramm, ich glaube aber nicht dass sie jemals ausreichen werden um einen echten Trainer oder Coach zu ersetzen.
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