Südkoreas Staatsfeind Nr. 1

World Short Track Speed Skating Championships

Es werden wahrscheinlich nicht all zu viele mitbekommen haben, aber vom 6. bis 8. März fand in Wien die Shorttrack Weltmeisterschaft statt. Dazu wurde kurzerhand das Ferry Dusika Stadion in eine Eishalle umgewandelt um damit Platz für mindestens 5000 Fans zu schaffen. Shorttrack kann man mehr oder weniger als den Boardercross des Eisschnelllaufens bezeichnen, denn es starten dabei immer 4 – 8 Läufer gemeinsam und es zählt nicht die gelaufene Zeit, sondern nur die erzielte Position in jedem Lauf.

Shorttrack würde, den Bekanntheitsgrad in Europa betreffend, wohl eher in unsere Reihe “Sportarten für die sich keiner interessiert” passen, aber das ist nicht überall so. Einige Länder hat Shorttrack in einer Weise verändert, die man sich kaum vorstellen kann. Diese teilweise skurillen Anekdoten möchte ich hier kurz zum besten geben:

Einer der absoluten Superstars der Szene ist der Amerikaner Apolo Anton Ohno. Mit 14 Jahren konnte er bereits zum ersten Mal die US-Meisterschaften gewinnen (1997), 1998 nahm er an seinen ersten olympischen Spielen teil, blieb aber noch ohne Medaille. Bei den Spielen 2002 in Salt Lake City gelang ihm dann aber der große Durchbruch. Er gewann die Goldmedaille über 1500 Meter und die Silbermedaille über 1000 Meter. In beiden Bewerben kam es jedoch zu Kuriositäten.

Im Bewerb über 1500 Meter wurde Apolo eigentlich nur zweiter hinter dem Südkoreaner Kim Dong Sung, dieser wurde aber nachträglich wegen Behinderung von Ohno disqualifiziert. Da es im Shorttrack nicht möglich ist Protest gegen Entscheidungen des Kampfgerichts zu erheben, mussten die Südkoreaner wohl oder übel damit leben. Und weil Shorttrack dort eine der beliebtesten Sportarten ist kann man sich natürlich vorstellen, dass diese Entscheidung für das ganze Land wie ein Schlag ins Gesicht war. Aus diesem Grund wurde Apolo Anton Ohno zum Staatsfeind Südkoreas erklärt und bekam sogar Morddrohungen zugeschickt. Die Verbitterung saß so tief, dass die südkoreanische Fußballnationalmannschaft bei der WM 2002 ihren Ausgleichstreffer im Spiel gegen die USA symbolisch mit Schlittschuhschritten feierte

Der Bewerb über 1000 Meter wurde aber von einem anderen Namen geprägt: Steven Bradbury. Der Australier gewann mit seinem Sieg in dieser Disziplin die erste Goldmedaille überhaupt für sein Land bei olympischen Winterspielen. Der Verlauf des Bewerbs klingt aber eher nach einer Hollywood Komödie:

Seinen Viertelfinallauf beendete er als Dritter, kam aber weiter, weil der zweitplazierte Kanadier Marc Gagnon disqualifiziert wurde. Im Halbfinale war er bereits letzter seines Laufs, als alle anderen Läufer durch einen Crash stürzten und Bradbury sich so noch auf einen Finalplatz vorbeischieben konnte.

Das „Sturzglück” blieb Steven Bradbury treu: In der letzten Kurve des Finales stürzte ein Läufer und riss alle anderen Fahrer mit sich, darunter den führenden Apolo Anton Ohno. Bradbury, zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Meter hinter dem Feld, konnte ungehindert durchs Ziel fahren und somit Gold gewinnen.

Seither gibt es in Australien tatsächlich den Spruch “Einen Bradbury machen” und man verwendet ihn wenn man glücklich und unverhofft zu etwas kommt, oder wenn ein krasser Außenseiter gewinnt.

Shorttrack hat also schon so einiges in der (Sport)Welt beeinflusst und daher finde ich, dass es sich die Sportart verdient hätte auch bei uns mehr Ansehn zu genießen.

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Autor: doxidox
Datum: Freitag, 13. März 2009 15:13
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