Schwarz ist schnell

Seit Jahrzehnten dominieren schwarze Sportler die Schnelligkeitsbewerbe in der Leichtathletik. Fast genau so lange versuchen Sportwissenschafter und Mediziner Gründe dafür zu finden, bisher jedoch mit eher mäßigem Erfolg. Die wichtigsten Erkenntnisse und Theorien habe ich hier kurz zusammengefasst.
Kulturelle Unterschiede:
Jedes Land oder jede Kultur hat Sportarten, die wesentlich mehr Ansehen und Aufmerksamkeit erhalten als andere. Als gutes Beispiel lässt sich hier Jamaika verwenden – die Nation deren Sportler derzeit in den Schnelligkeitsbewerben allen um die Ohren laufen. Während in unseren Regionen hauptsächlich Mannschaftssportarten (Fußball, Handball, …) und eventuell Wintersportarten das Sportbild dominieren, ist das in Jamaika ganz anders. Dort steht der Laufsport sehr stark im Mittelpunkt des Interesses, wodurch Laufen für viele Kinder und Jugendliche einen der wenigen Auswege aus der Armut darstellt. Dementsprechend gibt es dort natürlich eine unglaubliche Dichte an herausragenden Nachwuchsathleten, aus denen sich der Verband dann die allerbesten rauspicken kann. Gäbe es ähnliche Strukturen und Begeisterung für Laufbewerbe hier bei uns, hätten wir vermutlich auch mehr Sportler die ganz vorne mitlaufen können. Speziell in Österreich gibt es das aber nur im Skifahren, wo sich der ÖSV aus den riesigen Massen an Nachwuchsfahren ein paar Topfahrer aussuchen kann.
Körperliche Unterschiede:
Wenn hauptsächlich Sportler in einer Disziplin dominieren, deren Vorfahren alle aus einer ganz bestimmten Region kommen, dann liegt die Vermutung nahe dass vielleicht genetische Unterschiede ein Grund dafür sind. Um diese These zu bestätigen wurden schon viele verschiedene Untersuchungen durchgeführt.
1) Aus mehreren Studien ging hervor, dass Westafrikaner dichtere Knochen, weniger Fett, schmalere Hüften, längere Beine, dickere Oberschenkel und leichtere Waden als Weiße haben.
2) Abe, Brown und Brechue (1999) untersuchten, ob es einen Unterschied in der Muskelarchitektur zwischen Schwarzen und Weißen gibt. Dabei wurden die Muskeldicke, der Fiederungswinkel und die Muskelfaserlänge untersucht, es konnten aber keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.
3) Die wohl wichtigste Studie rund um dieses Thema ist jene von Ama, Simoneau, Boulay, Serresse, Theriault und Bouchard (1986). Um diese Studie besser zu verstehen sollte ich vielleicht ganz kurz ein wenig ausholen:
Ein Muskel besteht ja bekanntlich aus vielen Muskelfasern. Die sind aber nicht alle gleich, sondern man unterscheidet generell in langsamzuckende Muskelfasern und schnellzuckende. Die langsamen Fasern können eher nur eine geringe Kraft entwickeln, haben aber eine sehr große Resistenz gegen Ermüdung. Das bedeutet sie sind für längere Ausdauerbelastungen wichtig. Bei den schnellen Fasern ist das genau umgekehrt. Sie können viel Kraft entwickeln, sind aber auch sehr schnell ermüdet und können daher nur über kurze Strecken verwendet werden.
Um es noch komplizierter zu machen, unterscheidet man jetzt bei den schnellzuckenden Fasern (auch Typ II Fasern genannt) Typ IIa, Typ IIx und Typ IIb Fasern (Quelle).
| Fiber Type | Type II a | Type II x | Type II b |
|---|---|---|---|
| Contraction time | Moderately Fast | Fast | Very fast |
| Resistance to fatigue | Fairly high | Intermediate | Low |
| Activity Used for | Long-term anaerobic | Short-term anaerobic | Short-term anaerobic |
| Maximum duration of use | <30 minutes | <5 minutes | <1 minute |
| Force production | Medium | High | Very high |
___
Demnach ist es auch logisch, dass Ausdauersportler sehr viele langsame Muskelfasern besitzen und Schnellkraftsportler sehr viele schnelle Muskelfasern. Je nach Art des Trainings und der Belastungen wandelt unser Körper seine Muskelfasern eben in genau die um, die er braucht. Das ganze hat aber leider einen Haken: Die Umwandlung von schnellen in langsame Fasern funktioniert sehr gut, umgekehrt geht es aber nur sehr schwer. Das bedeutet wiederum dass Menschen, die von ihren Erbanlagen her so gesegnet sind dass sie von Haus aus viele schnelle Fasern besitzen, bessere Voraussetzungen für Schnelligkeitssportarten haben.
Bei der oben genannten Studie wurde nun untersucht, ob es Unterschiede in der Faserzusammensetzung der Muskeln zwischen Schwarzen und Weißen gibt. Das Ergebnis zeigte bei Weißen einen höheren Anteil an langsamen Fasern (8% mehr) aber einen niedrigeren Anteil an Typ IIa Fasern (6,7 % weniger) als bei Schwarzen. Die restlichen Faserverteilungen waren annähernd gleich.
Das bedeutet zwar dass Schwarze anscheinend mehr schnellzuckende Muskelfasern besitzen, allerdings lediglich im Bereich der Typ IIa Fasern, die eher schon für längere Belastungen als Sprints ausgelegt sind und nicht so viel Kraft entwickeln können wie die anderen Typen (siehe Tabelle). Man muss sich also die Frage stellen, wie viel dieser geringe höhere Anteil an Typ IIa Fasern jetzt in einem 100m Sprint wirklich bringt.
Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch folgendes sagen: Die oben genannte Studie ist (nach Literaturrecherche) die bisher einzige ihrer Art und daher müssen die Ergebnisse doch ein wenig mit Vorsicht betrachtet werden. Es wurden immerhin “nur” 23 Schwarze und Weiße untersucht und man muss sich daher fragen, wie repräsentativ diese Stichprobe war.
Sklaverei:
Ein sehr … alternativer Denkansatz für die Überlegenheit afrikanischer Sprinter findet sich in diesem Artikel. Der hat zwar bei vielen Leuten heftiges Kopfschütteln hervorgerufen (ein Bisschen auch bei mir), ich wollte ihn euch aber trotzdem nicht vorenthalten.
Doping:
Dieses Thema kann man einfach nicht mehr außer Acht lassen, wenn es um Leistungen in der Leichtathletik geht. Gerade im 100m Sprint ist stark davon auszugehen, dass sehr viele Top-Läufer gedopt sind, denn es hat ja immerhin schon sehr viele Superstars der Szene erwischt. Warum soll dann also irgendwer plötzlich ohne Doping noch schneller laufen können als die?
Worauf ich eigentlich hinauswill: Es ist bewiesen dass nicht jeder Mensch gleichermaßen auf Dopingmittel anspricht (z.B. Wachstumshormone, EPO). Vielleicht kann der Körper eines afrikanischen Athleten im Durchschnitt mehr aus der Einnahme einer solchen Substanz herausholen, als der eines Weißen, und somit einen größeren Vorteil für Training und Wettkampf erzielen. Denkbar wäre aber auch, dass gewisse Sportler größere Dosen an solchen Mitteln vertragen als andere, ohne starke negative Wirkungen zu bekommen.
Ich möchte betonen dass das absolut reine Spekulationen sind. Das ganze soll lediglich als Denkansatz oder Gedankenspiel gesehen werden
Zusammenfassung:
Vermutlich wird es nicht nur einen Grund geben, warum es schon sehr lange keinen weißen Sprinter mehr gegeben hat, der ein Großereignis gewinnen konnte, sondern es wird eben eine Mischung aus mehreren Aspekten sein. Vielleicht wird wirklich irgendwann einmal das Geheimnis komplett gelüftet, ich persönlich bezweifel das aber.
Literaturverzeichnis:
T. Abe, J. B. Brown, W. F. Brechue (1999); Architectural characteristics of muscle in black and white college football players; Medicine & Science in Sports & Exercise, Volume 31(10): 1448
P. F. Ama, J. A. Simoneau, M. R. Boulay, O. Serresse, G. Theriault and C. Bouchard (1986); Skeletal muscle characteristics in sedentary black and Caucasian males; Journal of Applied Physiology, Vol 61, Issue 5: 1758-1761
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Samstag, 28. März 2009 22:18
Naja, erwähnt hast aber nicht, dass Jamiaka das Land mit den geringsten Dopingkontrollen ist, weil dort die Gesetzte zur Dopingkontrolle einfach nicht so streng sind. Das heisst die Jamiakaner mussten vor den olympischen Spielen daheim keine bzw. weniger Dopingproben abgeben. Und “zufällig” kommen in den letzten Jahren sehr viele Weltrekordhalter aus Jamaika. Also auffällig ist das schon… Aber natürlich wird das abgestritten! Heute ist für einen Sportler bei einem Sieg einfach so viel Kohle drin, da muss er 1. dopen, wenn er vorne dabeisein will, und 2. muss er es natürich abstreiten, denn sollte es rauskommen is seine Karriere und sein Ruf für den Rest seines Lebens dahin. Nach diesem Prinzip funktioniert der heutige Spitzensport.
Samstag, 28. März 2009 22:51
Ja da wird schon was dran sein (weil die amerikanischen Leichtathleten die mit den meisten Dopingkontrollen im Vorfeld der olympischen Spiele in Peking waren, und ZUFÄLLIG gleich mal das schlechteste Ergebnis seit ewig eingefahren habe), aber die grundlegende Problematik warum Schwarze in den Sprintbewerben so gut sind kann man nicht alleine mit Jamaika beantworten.
Früher warens halt die Amerikaner, jetzt ist es ein anderes Land, aber interessant is doch eher warum es generell immer Leute afrikanischer Abstammung sind oder
Samstag, 11. April 2009 17:39
was ebenfalls unerwähnt blieb, ist die Vermutung, dass gerade Schwarze eine andere Körperanatomie haben. Infolgedessen dessen sie andere Hebelverhältnisse haben.
Sehnen die ein paar Millimeter lateraler ansetzen, Muskeln, deren Ansatz oder Ursprung ebenfalls eine Nuance weiter oder näher am Drehpunkt sind. lg mike
Donnerstag, 4. Juni 2009 23:51
also, die theorie mit der sklavengeschichte als selektionsdruck mag sicher wahr sein, aber das sich das positiv auf die prädestination für sprinter auswirkt, mage ich stark zu bezweifeln
denn lang andauende schwere körperliche arbeit ist ja eher nix für sprinter, wohl eher für 400m-Läufer
sprinter/schnellzuckende fasern sind doch eher faul und für ihre schnelle ermüdung bekannt, wurden also vermutlich von den plantagenbesitzern getötet, oder zumindest nicht für die “fortpflanzung” ausgesucht
fazit:muskelfaserzusammensetzung und sklaventheorie wiedersprechen sich also, im hinblick auf die produktion schneller sprinter
des weiteren wurde ja laut untersuchung auch festgestellt, das weiße(selbst bei den 29 untersuchten personen) im bereich der schnellsten fasern genau so viele haben wie schwarze, das müßte man aber dann an größeren statisken untersuchen, um daraus etwas ableiten zu können
die tatsache das sprinter wie Boldt und Powell, top 100m sprinter sind, aber gleichzeitig auch sehr passable 400m laufen können, untermauert den gedankenansatz, das bei den nachfahrn der sklaven, wohl eher der typus IIa stärker verbreitet ist(weil durch die selektion der sklavenbesitzer gefördert, Kraft & Ermüdungsresistenz)
daraus wiederum könnte man ableiten, das die momentanen WR im sprint noch lange nicht der gipfel des eisberges sind, und das eigentlich menschl. leistungspotential viel höher liegen muß als bei 9,69s
vermutlich müßten dann aber gesegnete athleten wohl auch ein gänzlich anderes training durchführen, als die bei boldt & co angewendeten methoden