Ist Fußball das neue Radfahren?

Soccer Players Competing for Ball

Oder anders formuliert: Werden wir gerade Zeuge des Anfangs vom Ende? Vom Ende des guten Rufs des Fußballs, als sauberer und (fast) dopingfreier Sport. Immerhin waren Dopingfälle im Fußball bisher extrem selten, und da erscheint das, was sich gerade in der deutschen Bundesliga abspielt, schon als kleiner Skandal.

Lediglich 10 Minuten wurden Andreas Ibertsberger und Christoph Janker von 1899 Hoffenheim fast zum Verhängnis. Genau um diese paar Minuten haben sich die beiden nämlich nach dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach bei der Dopingkontrolle verspätet. Offiziell hätte das mit einer Sperre von einem Jahr bestraft werden müssen, denn bei einem vergleichbaren Fall in Italien wurden zwei Spieler vom internationalen Sportgerichtshof (CAS) genau dazu verurteilt.

Trotzdem scheint es jetzt so als ob die beiden ungeschoren davon kommen, weil ihnen der “Tatbestand der Weigerung bzw. Versäumnis einer Dopingkontrolle nach Aufforderung” nicht nachgewiesen werden kann. Der Dopingbeauftragte hatte anscheinend vergessen sie über die geplante Dopingkontrolle zu informieren.

Jetzt kann man natürlich darüber diskutieren, ob 10 Minuten theoretisch ausreichen um eine eventuell positive Harnprobe in eine negative umzuwandeln. Dazu hört man von allen Seiten unterschiedliche Meinungen. Die einen behaupten dass z.B. ein kompletter Harnaustausch viel länger als 10 Minuten dauern würde, andere meinen dass es durchaus Substanzen gibt, die in weniger als 10 Minuten gewisse Eiweißketten im Urin zersetzen und somit eine Dopingüberführung verhindern können. Die Proben von Ibertsberger und Janker waren jedenfalls negativ.

Diese Geschichte ansich wäre ja wenig spektakulär, weil als schlampiger Einzelfall abstempelbar, wenn da nicht plötzlich Gerüchte zu sehr ähnlichen Vorfällen bei (hallo? Ironie?) Borussia Mönchengladbach aufgetaucht wären, genau dem Verein, der das Spielergebnis gegen Hoffenheim wegen oben erwähnter Geschichte annuliert haben wollte.

Wie die Bildzeitung berichtete (insofern muss das ganze wohl mit Vorsicht genossen werden) kam Gladbach-Spieler Filip Daems ganze 45 Minuten zu einer Dopingkontrolle zu spät. Das wirklich witzige an der Sache ist aber, dass sich der Vorfall im Oktober 2008 ereignete, die NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) jedoch erst am Freitag (6.3.2009) über den Vorfall von der zuständigen Firma informiert wurde. Wenn das ganze so stimmen sollte, sieht es schon ein wenig nach Verschleierung aus.

Quelle: Wikipedia

Insgesamt scheint die seriöse Fassade der vielgelobten Dopingkontrollen im Fußball ein wenig zu bröckeln, und man hat das Gefühl, dass darunter eine schlampige Farce durchblitzt. Besonders wenn man sich dieses umfangreiche Dossier zum Thema “Doping im Fußball” durchliest stellt man sich ernsthaft die Frage, wie es wohl in den nächsten Jahren weitergehen wird.

Ein paar Details aus diesem Dossier:

… auch der spanische Dopingarzt Eufemiano Fuentes hat angedeutet, Fußballer unter seinen Kunden gehabt zu haben. Doch bis heute halten sich Gerüchte, dass einflussreiche Kräfte die Madrider Staatsanwaltschaft davon abhalten, an dieser Stelle intensiver zu recherchieren. Jesús Manzano, ein früherer Kunde von Fuentes und einer der ersten geständigen Radsportler, hat ebenfalls erzählt, dass er prominente Fußballer bei dem Arzt getroffen habe. Aber im Stern sagte er auch, warum er nie deren Namen verraten werde: “Fußball taste ich nicht an. Die Fußballwelt ist mächtig. Sie ist viel mächtiger als der Radsport, sehr viel mächtiger.”

… „man kann keine Sportart ausschließen”, sagt Ulrike Spitz, die Sprecherin der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Bonn. Bei der Nada werden die Trainingskontrollen im deutschen Sport organisiert, für die Wettkampfkontrollen sind die Verbände zuständig. Auch der DFB lässt inzwischen auf Epo testen – zumindest stichprobenweise. Mehr geben die Laborkapazitäten und die Finanzen nicht her. Ein normaler Urintest kostet etwa 150 Euro, wird die Probe auch auf Epo überprüft, steigen die Kosten auf fast das Doppelte. Deshalb wird das Gros der Tests eher beim Radsport oder Triathlon durchgeführt.

Letztendlich liegt die Annahme nahe, dass nicht nur in Radteams, sondern auch in Fußballvereinen systematisch gedopt wird. Gerichtlich bewiesen wurde es in Italien, inoffiziell bestätigt wurde es in Spanien, warum soll also eine Fußballliga wie die deutsche, die Italien und Spanien vom Niveau her um nicht viel nachsteht, in Sachen Doping komplett sauber sein?

Mehr Informationen zu dem Thema findet ihr auch hier

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Autor: doxidox
Datum: Sonntag, 8. März 2009 2:03
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