Farben im Sport

Farben spielen für uns Menschen schon seit sehr langer Zeit eine enorm wichtige Rolle. Die grundlegendsten Funktionen sind beispielsweise die Wirkungen, die manche Farben ganz unterbewusst in uns auslösen, wie z.B. Rot als Zeichen für Gefahr. Aber auch als Erkennungszeichen dienen uns Farben schon seit jeher, was sich in den heutigen Landesflaggen widerspiegelt. Kein Wunder also, dass Farben auch in der Sportwelt eine enorm wichtige Bedeutung erlangt haben.
Das erste was einem durchschnittlichen Sportfan zum Thema Farben in den Kopf schießen wird, sind die gelben und roten Karten, die es mittlerweile in sehr vielen Sportarten gibt. Viel stärker haben sich Farben aber in einem anderen Bereich etabliert, vielleicht ohne dass uns das so ganz bewusst ist.
Was fällt euch als erstes ein, wenn ich “Oranjes” sage? Klar, die Niederländische Fußballnationalmannschaft.
Schwarz-Weiß? Deutschland!
Gelb-Blau? Hmmm, da scheiden sich wohl die Geister. Je nach Herkunft und Vorliebe kann man sich hier zwischen Schweden und Brasilien entscheiden.
Rot-Weiß kariert? Hier wirds wieder einfach – Kroatien
Aber nicht nur Nationalmannschaften nutzen ein bekanntes Farbschema um die Wiedererkennung und die Zugehörigkeit bei den Fans zu fördern. Auch einzelne Vereine kennt man mittlerweile hauptsächlich nur mehr unter ihrer Farbe:
Das weiße Ballet – fast zu einfach, Real Madrid
The red Devils – Manchester United
The Blues – Chelsea
Das waren natürlich nur einige Beispiele dafür, wie wirkungsvoll Farben im Sport eingesetzt werden können. Etwas ganz anderes zum Thema Farben ist mir persönlich aber bei den letzten olympischen Spielen in Beijing aufgefallen:
Wie ihr vielleicht auch mitbekommen habt, sind sehr viele Sportler, quer durch alle Sportarten, mit komischen farbigen Tapes bestückt herumgelaufen. Die Tapes gabs hauptsächlich in blau, rosa und schwarz, und niemand wusste anfangs so richtig, was diese Dinger genau darstellen sollen. Für alle die es jetzt auch noch nicht zu 100% wissen, hier ist die Auflösung:
Diese bunten Bänder bzw. Tapes nennen sich Kinesiologie-Tapes. Was genau der Unterschied zu normalen Tapes ist, wird in diesem Artikel sehr gut beschrieben (Quelle):
Kinesio-Taping ist hier zu Lande noch wenig verbreitet. Dabei kann es schon auf eine über 30 Jahre alte Tradition zurückblicken. Seit dieser Zeit wird Kinesio-Taping im asiatischen Raum eingesetzt. 1970 arbeitete der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase eine neue Tapemethode aus. Er entwickelte spezielles Tapematerial und versuchte damit, die körpereigenen Heilungsprozesse zu unterstützen. Sein Kinesio-Tape war den Eigenschaften der Haut in puncto Dicke, Schwere und Dehnfähigkeit nachempfunden. Es passte sich der physiologischen Bewegung von Muskulatur und Gelenken an. Kenzo Kase brachte wie viele andere Therapeuten, die seinen Gedanken folgten, das Tape auf die vorgedehnte Haut auf. Dadurch bildeten sich kleine Falten. Das Tape hob also bei jeder Bewegung die Haut an und verschob sie. Kenzo Kase kam zu der Überzeugung, dass dieses “Lifting” die Mikrozirkulation in der Muskulatur und im umliegendem Gewebe verbessert. Sein Ergebnis: Entzündungsfördernde Stoffe lassen sich besser abtransportieren, das Gewebe wird entstaut. Damit wird außerdem der Druck der Haut- und Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren) reduziert. Aus den untersuchten Fällen konnte K. Kase berichten, dass in der Regel eine rasche Schmerzlinderung, Muskelfunktionsverbesserung und Zirkulationsanregung von Blut- und Stimulierung und somit ein besseres Bewegungsgefühl ergeben. K. Kase setzt seine Methode z. B. bei folgenden Beschwerden ein: • Halswirbel- und Wirbelsäulenbeschwerden • Gelenkarthrosen • Schulterbeschwerden • Muskelzerrungen • Muskelfaserriss
Die verschiedenen Farben der Tapes spielen laut offiziellen Angaben keine Rolle, es gibt aber Therapeuten und Anwender die meinen, dass die Farben laut ihren Erfahrungen unterschiedliche Wirkungen haben, ähnlich der Farbtherapie. Hauptsächlich haben sie aber wesentlich zur Medienwirksamkeit während den Spielen in Beijing beigetragen. In den USA wurde man besonders durch das Tape von Beachvolleyball-Star Kerri Walsh auf das Kinesio-Tape aufmerksam. Die offizielle Webseite verzeichnete alleine dadurch einen Sprung von normalen 700-800 Clicks pro Tag auf 54 000 Clicks pro Tag. Diese Aktion kostete die Firma nichtmal wirklich viel, sie hatte lediglich einem Großteil der Teilnehmer ihre Tapes gratis zur Verfügung gestellt.
Zum Thema Farben im Sport habe ich vor kurzem auch noch einen recht interessanten Artikel in der New York Times gelesen. In diesem Artikel ging es darum, wie uns Farben im Alltag beeinflussen können. Es wurden einige Studien zu diesem Thema vorgestellt, unter anderem eine von Anthropologen von der Durham Universität in England. Von ihnen wurde herausgefunden, dass bei den olympischen Spielen 2004 in Athen bei gleichwertigen Duellen zwischen Kampfsportlern (Boxen, Tae Kwon Do und Wrestling) zu 60% der Kämpfer in rot gegen den in blau gewann. Dieses Ergebnis wurde damit erklärt, dass rot für Sportler unterbewusst Dominanz symbolisiert.
Da bin ich mal gespannt wann sich zum ersten mal Kämpfer beschweren, weil sie das blaue Outfit zugelost bekommen. Und übrigens, könnt ihr euch noch an das letzte Championsleague Finale erinnern? Manchester United gegen Chelsea … Rot gewinnt gegen Blau. Zufall? ;D
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