Alle Helden fallen irgendwann

Immer wenn gewisse Dinge über längere Zeit gut laufen, dann gewöhnt man sich sehr schnell an den Zustand und sieht ihn als Standard an, über den man nicht mehr groß nachdenkt. Man fühlt sich in dieser Hinsicht dann gänzlich unbesiegbar/unverwundbar. Besonders im Sport sehen wir das öfters, wenn z.B. ein Athlet durch einen einzigen Erfolg das Gefühl bekommt, alles und jeden schlagen zu können und das dann in eine wahre Phase der Dominanz umwandelt. In dieser Hinsicht ist das Ganze ja sehr positiv, aber in anderen Bereichen kann diese absolute Überzeugtheit auch sehr problematisch sein.
Ich habe ja noch vor kurzem darüber geschrieben, dass ich in den letzten 3 Jahren so gut wie nie krank war. Anscheinend hab ich es damit wohl verschriehen, denn die ganze letzte Woche bin ich mit fast 40° Fieber und diversen Entzündungen in Hals und Mittelohr im Bett gelegen. Jetzt wo ich mich Gott sei Dank wieder am Weg der Besserung befinde, habe ich ein wenig darüber nachgedacht wie es überhaupt so weit kommen konnte. Dabei sind mir dann doch die einen oder anderen Warnzeichen von meinem Körper eingefallen, die ich durch meine “Ich kann machen was ich will, ich werde eh nie krank” Einstellung einfach ignoriert oder nicht richtig interpretiert habe.
Genauso geht es manchmal auch im Sport, wobei dieses Problem wohl eher im Jugend- und Anschlussbereich zu finden ist. Viele Sportler trainieren wie die Bösen, um möglichst rasch an das Spitzenfeld in ihrer Sportart anschließen zu können, unterschätzen aber den immer größer werdenden Trainingsumfang. Wenn sich dann die ersten kleinen Überlastungserscheinungen bemerkbar machen, wird einfach nicht hingehört, um ja nicht den Anschluss zu verlieren. Diese Probleme schaukeln sich dann aber immer mehr auf, bis es mal zu einem gröberen Zwischenfall kommt.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Geschichte eines guten Freundes von mir, der leidenschaftlicher Kletterer ist. Hier ist die Transkription eines Interviews, das ich mit ihm geführt habe:

SB.CC: Erzähl uns doch bitte mal was dir passiert ist und wie es dir passiert ist.
Jakob Schrödel: Bei einer statischen Belastung beim Klettern, also ohne dass ich irgendwo hingesprungen bin oder hingeschnappt habe, macht es auf einmal einen lauten Schnalzer und mein Ringband am linken Ringfinger war gerissen.
SB.CC: Für Kletterer ist ein gerissenes Ringband soviel ich weiß eine der schlimmsten Verletzungen. Ist das bei dir also einfach so ohne Vorwarnung gerissen?
Jakob Schrödel: Naja, im Nachhinein bin ich draufgekommen, dass ich es mir ziemlich sicher schon am Tag davor angerissen habe, weil da war es irgendwie so komisch dass ich wo hingegriffen habe und dabei ein Geräusch, so ein Knacken, gehört habe. Ich war aber so blöd und hab mir gedacht dass es nur das Tape war, das eben irgendwo eingerissen ist. Ja, im Nachhinein wars halt nicht das Tape, sonder wahrscheinlich hab ich mir da schon das Band verletzt oder angerissen und hätte eigentlich zwei Wochen Pause machen müssen. Vor allem halt auch genauer auf die Finger schauen. Hab ich halt nicht gemacht … ich hab immer nur geklettert, geklettert, geklettert, ohne irgendwann auch mal Ruhe zu geben oder zu schauen ob ich nicht vielleicht eine Verletzung habe.
SB.CC: Hast du vorher schon mal Schmerzen gehabt bei dem Band?
Jakob Schrödel: Nein, ich hab so gut wie nie Schmerzen gehabt … hab ich mir eben eingebildet. Bei vielen Kletterern ist es so, dass sie beim Klettern spüren “das ist eine starke Belastung” und “das tut ihnen weh”, und die hören dann eben oft auf irgendwas zu probieren weils ihnen in den Gelenken weh tut oder eben an den Bändern. Ich hab aber nie irgendwelche Schmerzen gehabt und deswegen hab ich geglaubt, ich bin der mit den starken Fingern, der eh immer alles halten kann und sich nie irgendwie verletzen wird.
Ich würde jetzt aber nach jeder Klettersession diese Bänder abtasten, durch Draufdrücken von außen, weil wenn eines überlastet ist, spürst du einen leichten Schmerz. Das heißt man muss einfach nur gut genug auf sich schauen und vor allem bewusst schauen was man spürt.
SB.CC: Und bist du jetzt schon wieder so halbwegs fit?
Jakob Schrödel: Ich hab vor ein paar Wochen quasi mein Boulder-Comeback gefeiert und bin wieder einen schweren Boulder geklettert. Ich bin also schon wieder gut dabei.
SB.CC: Super, dann noch weiterhin gute Besserung und vielen Dank fürs Interview!
Informationen zur Person: Jakob Schrödel ist Kletterer und Fotograf. Er hat acht Jahre lang mit mir zusammen das Sportgymnasium Astgasse besucht.

Also Leute, hört auf die Signale eures Körpers, dann habt ihr mehr Spaß mit ihm!
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