Von Elfenschuhen und Brettern vorm Kopf



Mittlerweile kann man es laut aussprechen: Der große Boom im Snowboarden ist definitiv vorbei. Die Verkaufszahlen sind in den letzten Jahren stetig am sinken, Alpinsnowboards sind mittlerweile fast vollständig aus den Regalen verschwunden und nahezu jeder hat es zumindest schon mal ausprobiert. Keine rosigen Aussichten für die Branche und den Sport.
Aber vielleicht darf man das ganze auch gar nicht so eng sehen, denn nur weil die Seifenblase des stetigen Wachstums geplatzt ist, bedeutet das doch noch lange nicht dass Snowboarden deswegen aussterben wird. Ich bin eher der Meinung dass sich die Sportart erst jetzt, wo der Hype vorbei ist, ihren richtigen Stellenwert am Wintersportmarkt sucht. Wo der liegen wird ist noch nicht ganz abschätzbar, aber eben irgendwo zwischen Zipfelbob und Alpinski … hoffentlich eher in Richtung Alpinski.
Gründe für diesen “Abwärtstrend” im Snowboarden gibt es sicher viele, ich glaube aber dass es zwei besonders wichtige gibt:
Erstens: Wie oben schon erwähnt hat es mittlerweile jeder, der irgendwie Interesse daran hatte, schon mal ausprobiert. Viele sind nur nach dem Ausprobieren auch recht bald wieder auf Ski umgestiegen, weil der Komfort auf zwei Brettern einfach wesentlich höher ist als auf einem. Man muss sich nicht ständig bücken um die Bindung zu öffnen oder zu schließen, man muss sich nicht bei jedem Zwischenstopp auf der Piste in den Schnee setzen, man hat bei schwierigen Verhältnissen mehr Gleichgewicht auf 2 Kanten als auf einer, usw. Und weil ein Großteil des Zielpublikums nunmal zur Erholung bzw. im Urlaub auf den Pisten unterwegs ist, fällt so etwas schon stark ins Gewicht
Zweitens: In der Jugend-Szene muss man nicht mehr unbedingt Snowboard fahren um cool zu sein, jetzt schafft man das auch mit Skiern. Seit einigen Jahren gibt es von fast allen namhaften Skiproduzenten auch Freestyle-Ski, mit denen man in Pipe und Park genauso abrocken kann wie mit dem Snowboard. Diese Ski sind hinten genauso aufgebogen wie vorne, wodurch man auch sehr gut rückwärts fahren kann, was verkehrte Landungen und Anfahrten erst ermöglicht.
Wie ich damals (vor ca. 13 Jahren) mit dem Snowboarden angefangen habe, war das noch ganz anders. Wer auch nur irgendetwas auf sich hielt musste auf jeden Fall Snowboard fahren, denn Skifahren war damals der Inbegriff von langweilig, verstaubt, konservativ … UNCOOL! Aber wenn schon Snowboard, dann bitte gleich Freestyle, denn Alpinsnowboards erinnerten schon wieder viel zu stark an Skirennen. Man hatte also fast keine andere Chance als der Snowboardindustrie mehrere hundert Euro in den Rachen zu werfen um in der Clique sein Gesicht zu wahren.
Nunja, heute ist das wie gesagt anders, und da noch immer die meisten Kinder zu Beginn erstmal Skifahren lernen ist es auch sehr nachvollziehbar, dass sehr viele auch dabei bleiben wenn sie anfangen die Funparks der Skigebiete zu erforschen. Peinlich ist nur, dass alle großen Fische unter den Skiproduzenten diesen Trend wiedermal komplett versäumt haben, und erst auf den Zug aufgesprungen sind als sie gesehen haben wie kleinere Firmen auf diesem Sektor gut verdienen. Deshalb sind es auch hier wieder, genau wie bei den Snowboards, amerikanische Firmen die in diesem Sektor die echten Innovationen liefern und alle anderen versuchen nur ein Stück vom Kuchen mitzunehmen.
Ein Beispiel, das mich persönlich fasziniert, ist die neue Elf Shoe Tech von Armada. Diese Firma, die sich ausschließlich auf Freetyle-Ski und Ski fürs Gelände spezialisiert hat, integriert eine sehr innovative Bauweise bei ihren Produkten. Am besten lässt sich das ganze als “Ski im Ski” erklären. Dabei hat besagter Ski keine durchgehende Taillierung, sondern die Taillierung ist in den äußeren Bereichen wieder rückläufig. Zusätzlich sind Tip und Tail (vorderes und hinteres Ende) schon wesentlich früher aufgebogen, wodurch der Ski nur mit ca. 3/4 seiner Fläche auch am Boden aufliegt. Am besten lässt sich das wohl an Bildern zeigen:

Das ganze hat den Effekt, dass der Ski den selben Radius wie ein kürzerer Ski hat, weil die Taillierung ja nur über 3/4 der Länge geht. Trotzdem hat man die Sicherheit und Stabilität eines längeren Skis. Zusätzlich soll das Ding sehr drehfreudig sein, auch wieder aufgrund der geringeren Auflagefläche. Im Tiefschnee gibts zuguterletzt durch die länger aufgebogene Tip mehr Auftrieb und Sicherheit.
Ich finde dass das insgesamt eine sehr interessante Neuerung ist, denn besonders bei uns in Österreich ist es doch so, dass die meisten Leute so oft es geht im Gelände fahren und nicht permanent durch Riesenslaloms, wie uns von der Industrie durch ihre Produkte einzureden versucht wird.
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Mittwoch, 27. Januar 2010 21:35
Hi, sehr cooler Blog! Eine Frage habe ich zu den Absatzzahlen für Snowboards. Da suche ich schon seit längerem brauchbares Datenmaterial, auch im Vergleich zu der Anzahl der verkauften Ski. Wäre für einen Hinweis/Link dankbar.
Mittwoch, 27. Januar 2010 22:46
Also genau Verkaufszahlen hab ich leider auch nicht. Die sind echt schwierig zu finden …