Doping als Straftat – im Fitnesscenter beginnts

Bernhard Kohl war 2008 eindeutig der sportliche Aufreger des Jahres aus österreichischer Sicht. Zuerst hochgejubelt und dann verdammt – von den Fans, von den Medien und allen die zu dem Thema Doping was zu sagen haben. Der Ruf nach strafrechtlicher Verfolgung von Doping wird immer lauter und dieser Ruf ist auch verständlich. Betrachtet man Doping losgelöst von allen moralischen Standpunkten, dann handelt es sich gemäß den sportlichen Regeln und Vorschriften der WADA (World Anti Doping Association) um Betrug. Betrug an den Konkurrenten, den eigenen Sponsoren, den Medien und an den vielen Fans, die das gesamte Sportbusiness letztendlich finanzieren.
Gab es in vielen Sportarten vor Jahrzehnten noch den berühmten “Blumentopf” zu gewinnen, so zählen die Topstars vieler Sportarten zu Spitzenverdienern der Gesellschaft, vergleichbar mit Topmanagern aus der Wirtschaft. Doping bekommt dadurch also nicht nur eine moralische, sondern auch eine handfeste wirschaftliche Dimension. Und Wirtschaftskriminalität wird (in der Regel) strafrechtlich mit allen Konsequenzen verfolgt. Warum also nicht auch Doping? Eindeutig wirtschaftlich Geschädigte gibt es zumindest in 2 Bereichen: der durch Doping betrogene Konkurrent – er verliert ihm zustehendes Preisgeld, aber auch die Möglichkeit sich mit besseren Ergebnissen bessere Sponsorenverträge zu sichern. Die Sponsoren selber - sie bekommen für ihr Geld dann auch noch negative Imagewerte auf ihre Marke übertragen.
Medien zählen in diesem Fall nicht unbedingt zu den Verlierern, denn ein deftiger Doping-Skandal bringt medial meist sogar noch mehr Quote als ein “sauberer” Sieg eines Sportlers. Die Fans wurden zwar moralisch ebenfalls betrogen, aber wirtschaftlich gesehen verlieren sie meist nichts, denn hätten sie ihr Eintrittsgeld nicht für z.B. Berhard Kohl ausgegeben, dann eben für einen anderen Sportler, der wirtschaftliche Schaden hält sich also eher in Grenzen.
Aus diesen Überlegungen ergibt sich logischerweise eigentlich die Schlussfolgerung, Doping im Spitzensport wie jedes andere wirtschaftliche Delikt per Strafgesetz zu verfolgen. Doch so einfach ist das natürlich wieder nicht. Der Begriff “Spitzensport” ist nicht eindeutig definierbar und wird in jeder Sportart anders festzulegen sein.
Und warum Strafverfolgung nur im Spitzensport? Die Wurzeln des Dopings beginnen bei manchen Sportarten, wie in der Vergangeneheit oft gesehen (Schwimmer in der ehemaligen DDR) bereits in der Nachwuchsarbeit zu sprießen. Alle wollen es nach oben schaffen, egal wie. Vorallem Trainer und Betreuer in der Jugend- Nachwuchsbetreuung müßten bei entsprechenden Delikten hart angefasst werden – wahrscheinlich auch strafrechtlich.
Wie ohne jegliche Verantwortung mit teilweise unerlaubten aber vorallem ungesunden Mitteln versucht wird seinen Körper ohne möglichst großen Aufwand auf Vordermann zu bringen zeigt die Nachfrage nach diesen Mitteln von Kunden im Fitnesscenter. Ganz offen werden die Trainer nach “den effizientesten” Mitteln für den raschen und einfachen Muskelaubau gefragt – koste es was es wolle, sowohl in finanzieller als auch in gesundheitlicher Hinsicht – hauptsache es geht schnell und mit wenig körperlichem Aufwand.
Und somit sind wir im Endeffekt doch wieder bei der Moral von uns allen angelangt. Wer hemmungslos selber alles schluckt, nur um problemlos zu seinen “Muckies” zu kommen, der wird sich nach außen hin heftigst über Doping bei Bernhard Kohl echauffieren, aber eigentlich nur deshalb, weil er so blöd war sich erwischen zu lassen. Denn im tiefsten Inneren stellt Doping für viele kein moralisches Problem dar, schließlich versucht man ja auch selber den Bizeps durch Schlucken von so mancher Pille etwas rascher wachsen zu lassen.
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Freitag, 15. Januar 2010 1:59
[...] liegt es daran (wie wir in diesem Artikel schon beschrieben haben), dass die meisten Menschen Doping nicht wirklich als Straftat sehen, da [...]