Die kollektive Schuld unserer Großmütter – Ursachen des Österreichischen Fußball-Dramas
Unsere Nationalmannschaft liegt in der FIFA-Weltrangliste irgenwo um Platz 100, sämtliche Klubs weit entfernt von einer nennenswerten Teilnahme an europäischen Bewerben – der Nachwuchs nach einigen Teilerfolgen in irgendwelchen “U-was weiss ich” Klassen ebenfalls aus allen Bewerben ausgeschieden. So zeichnet sich das ernüchternde Bild des Österreichischen Fußballs mit Ende des Jahres 2008.
Die Funktionäre, die Journalisten und jeder Sportinteressierte weiss woran es liegt: am vielen Geld das im Fußball verdient wird (dieses soll ja angeblich den Charakter verderben), an den zu wenig motivierten Spielern, an zu vielen ausländischen Spielern, an angeblichen Flatterbällen … und an was weiss ich noch was.
Aber vielleicht gibt es noch andere Ursachen? Wenn unsere Kinder Tennis spielen wollen, dann geht man selbstverständlich zu einem Trainer, den man bezahlt und der unserem mehr oder minder talentierten Sprössling beibringt, wie man die gelbe Filzkugel mit einem Schläger malträtiert. Und ich habe erlebt, wie Kinder ohne jegliches Talent für das Hantieren mit einen springenden Ball zu ganz passablen Tennisspielern auf Amateurniveau geworden sind. Das hat zwar sehr viele Trainerstunden gekostet, aber es hat zumindest etwas gebracht – der Burli kann Tennis spielen.
Und wer hat die vielen Trainerstunden meist bezahlt – natürlich die Oma. Denn die Oma kennt den Thomas Muster vom Fernsehen und wenn der eigene Burli auch einmal so prominent und gut verdienend wie der Thomas Muster sein soll, dann muss man halt etwas in die “Karriere” investieren – das sieht dann sogar die Oma ein und zahlt.
Aber wie viele junge Kicker werden zu bezahlten (halbwegs professionellen) Fußball-Lehrern geschickt? Jeder Trainer, der ein wenig mehr drauf hat als der “engagierte Turnlehrer in der Volksschule” versucht sein Glück in einer möglichst hohen Liga, um auch entsprechend Geld dafür zu bekommen. Und wenn er erfolgreich ist, dann wird er dort nicht den Nachwuchs trainieren, sondern möglichst die 1. Mannschaft.
Und wer bitte trainiert jetzt wieder den Nachwuchs? In der Regel der Trainer, der die schlechteste Ausbildung, die wenigste Erfahrung und das wenigste Vertrauen der Klubführung in sein Können genießt. Einige gute Nachwuchstrainer werden jetzt beleidigt sein, aber sie sind eben leider nur Ausnahmen.
Tja und warum sind an der Misere dann unsere Omas schuld? Sie müßten einfach auch für die fußballerische Ausbildung des herzallerliebsten Enkerls bereit sein, so viel Geld auszugeben, wie sie es für einen gelernten und geprüften Tennistrainer tun würden. Aber Fußballspielen kann der Burli doch allein auf der Wiese, da muss man ja keinen Trainer bezahlen, das ist noch sehr oft die übliche Meinung. Die ist auch richtig, wenn es sich beim Burli um ein herausragendes Talent handelt, der in jungen Jahren bereits auffällig wird. Aber bei allen anderen ist Training bei einem Fußball-Lehrer angesagt.
Länder mit der mehr als 10-fachen Einwohnerzahl von Österreich können es sich leisten auf Talente zu warten, die aus dem Straßenfußball hervorkommen. Österreich kann sich nur bemühen, mit Ausbildung annähernd die Qualität zu erreichen, um international zumindest im Mittelfeld mitzumischen. Dieser Verantwortung müssen sich vorallem alle unsere Omas bewusst sein und für den Burli auch einen ausgebildeten Trainer verlangen, den sie dann auch entsprechend bezahlen – damit der Burli dann auch einmal so berühmt und prominent wie der Toni Polster wird.
Ist Ihnen folgendes mal schon bewußt geworden? Der Begriff Tennis-Lehrer, oder Ski-Lehrer ist uns allen geläufig, aber wer von uns kann mit dem Begriff Fußball-Lehrer was anfangen? Niemand, den gibt es nicht. Erst den Fußball-Trainer gibt es wieder, aber der trainiert ja bereits Fussballspieler die etwas können. Und Fußballspielen kann man eben, da braucht man ja keinen Lehrer der für die Weitervermittlung seines Wissens an den Burli auch noch Geld bekommt.
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Montag, 26. Januar 2009 21:07
Vom Grundgedanken her gefällt mir diese Ansicht. Ich spiele bei uns im Ort in der ersten Mannschaft und bin gleichzeitig einer dieser “untalentierten” Jugendtrainer (U11).
Der springende Punkt ist nicht der, dass die Omas Geld hinblättern müssten. Das Problem beginnt ganz oben beim ÖFB und zieht sich bis ganz unten durch: Es steht kein bzw. zu wenig Geld für die Ausbildung der Jugend (-trainer) zur Verfügung. Ich würde liebend gerne meinen Posten räumen, wenn meine Jungs dafür einen top-qualifizierten Trainer bekämen.
Aber in Österreich investiert man lieber in ausrangierte Legionäre und Trainer, die halt noch ein bis zwei Saisonen agieren wollen, bevor sie in den wohlverdienten Ruhestand treten. Dafür geben die Clubs Millionen aus, und zum selben Zeitpunkt “verkümmert” die Zukunft des österreichischen Fußballs.
Traurig, aber wahr…